V:
RÜCKBLICK
ALLEGEMEINE FRAGEN
1. Nach den vorigen Analysen wird es nötig, sich im Rückblick
die ganze Sache noch einmal anzuschauen. Zunächst muss der mat-Formalismus
als solcher unter die Lupe genommen werden. Seine Dialektik wurde als allgemein
gültig hingestellt, ist aber gewiss in sich nicht unproblematisch. Auch hat die
Frage der „Schranken“, zunächst was Karl Marx angeht, weitere Analysen im
allgemeinen Sinne erforderlich gemacht. Weiter war öfters von den analogen Verhältnissen
der verschiedenen Sphären und ihren „Schleifen“ die Rede. Es wird deshalb
notwendig in diesem Kapitel noch ein weiterer Formalismus einzuführen, der auch
versuchen wird, den Begriff der Information für unsere Dialektik nutzbar zu
machen.
Der mat-Formalismus
als
allgemeine Denkmatrix
2. Nach jahrelange Arbeit mit den Symbolen
m,
a
und t
bin ich überzeugt, dass sie für dialektische Analysen sehr nutzbar
sind; eine mögliche Interpretation derselben wurde auch schon oben versucht.
Andererseits wäre gewiss zu bezweifeln, ob ein so einfaches Symbolsystem überhaupt
„stark“ genug sein könnte, um allein so große Themenkomplexe wie hier,
mittels dieser einfachen Symbole befriedigend darzustellen.
Das System ist hier als allgemeine Denkmatrix vorgestellt. Aber was heißt
hier überhaupt „allgemeine Denkmatrix“? Wieweit kann diese Matrix, die für
die Analysen Marxscher und verwandter Kategoriensysteme (wie z.B. die der
klassischen Physik und Thermodynamik) entwickelt wurde, ganz allgemein verwendet
werden? Und ist es so, dass wir nur so
denken, weil wir einfach nichts anderes denken können? Gibt es überhaupt
andere Möglichkeiten des Denkens, andere Kategorienformen – oder ganz andere
Darstellungsmöglichkeiten –, die uns nur aus irgend einen Grund nicht zugänglich
sind; und, sollte es tatsächlich solche geben, würden wir dann auch anders
denken können? Wie allgemeingültig
kann also diese Matrix wirklich sein? Ist sie in gleicher Weise auch für andere
Ideologieformen verwendbar? Wäre es z.B. sogar möglich, auch den eigenen „blinden
Fleck“ aufzudecken?
3. Nun haben sich diese Fragestellungen schon durch die
ganze Arbeit durchgezogen und werden es bis zum endgültigen Schluss weiter tun.
Wenn z.B. oben angeführt wurde, dass Autoreferenz in unseren Kulturkreis die
explizite Selbst-Referentialität überbietet oder verdrängt, fragt sich natürlich,
warum es so ist oder gar sein muss – und gewiss auch, unter welchen
Bedingungen dies vielleicht doch anders sein könnte. Im Sinne Marxens habe ich
auf die historische Bedeutung der Geldökonomie und kapitalistischen
Produktionsweise hingewiesen, die zusammen einen plausiblen und sogar
materiellen Grund dafür bieten. So stellt auch die Sohn-Rethelschen Theorie von
den „nexen“ eine Erklärungsweise
dar, weshalb genau in diesen allgemeinen Kategorienformen gedacht werden muss.
Ich möchte jedoch hier zum Anfang zeigen, dass diese besondere Denkwiese
den westlichen Kulturen in der Tat weitgehend prädestiniert war, schon lange
bevor der Kapitalismus als Gesellschaftssystem auftauchte. Unsere allgemeine
Denkweise hat sogar ganz basale, mythisch-religiöse Voraussetzungen. Letzten
Endes scheinen jedoch alle diese Fragen allgemein auf den Fragenkreis des Werts
zu konvergieren. Zunächst müssen wir doch noch einmal, und zwar in
allgemeinster, auch ideologischer Weise, die entscheidende Kategorie „Wert“
erneut unter die Lupe nehmen. Endlich zeigt sich sogar der ganze mat-Formalismus
als solcher der Kritik bedürftig. Siehe dazu weiter unten (Punkte
19ff).
Die allgemeine Wertform
matn
n = 0: f
= ma Primoriale
Einheit Mensch-Umwelt. Erlebte Potentialität als bloße Existenz
4. Wir gehen hier von der allgemeinen
„Wert“-Formel matn
aus. Oben ist die Form f
= ma (n
= 0) tentativ als „Ich-bezogene
Potentialität“ definiert, was im alltäglichen Sprachgebrauch als „Bewusstsein“
(im weitesten Sinne des Worts) zu verstehen ist. Dieser Ausdruck umfasst
Vorstellungen aller Art (praktische, auch im Umgang mit moderner Technologie,
ideologische, religiöse u.a.) und bauen alle auf ganz grundlegende Fähigkeiten
zur Antizipation. Im elementarsten Sinn muss aber auch die geistig-körperliche
Einheit „Mensch“ vorausgesetzt werden (vgl. auch Einleitung). Wir sprechen hier zunächst von einer ganz abstrakten
Ganzheit eines „bewussten Menschen“ ohne dabei den Gegensatz von „Mensch“
und „Körper“ zu explizierten –
wie wir auch noch ganz vom Gegensatz „Mensch“ und „Umwelt“ absehen.
Somit ist von einem Gegensatz zwischen „Körper“
und „Seele“ in diesem primordial „menschlichen“
Einheitsbild kaum noch zu sprechen. Das „Ich“ mit expliziter „Ich-Bezogenheit“
und seiner realen „Potentialität“ ist also hier – im kategorialen
Ausgangspunkt – als geistig-körperliches, unveräußerliches Ganzes zu
betrachten.
1. Aufhebung der primordialen „Ich-bezogenheit“: Faktor t/m
5. Die erste m-Aufhebung
heißt formal: f× t/m = at , so dass t/m
der Term wirklicher Veräußerung ist. Potentialität
impliziert immer Unbestimmtheit (objektiven Zufall). Im mat-Formalismus
wird also durch den Veräußerungsterm t/m zunächst
dargestellt, dass die für den Menschen im- bzw. explizite Ich-Bezogenheit
aufgehoben wird, wobei der Mensch selbst formal in eine neue Zeitsphäre
eintritt. Durch diesen Faktor t/m ist somit schon
eine kategoriale Unterscheidung „gesetzt“. Mehr noch, sie ist unmittelbar
empirisch erfahrbar und wird durch den Term
at = v (ein Bewegungsterm) real dargestellt: Realisierung durch Veräußerlichung.
Die erste Sphäre unseres Systems definiert somit die betreffende Person als
aktives Element ihrer Gattung: f × v . Aus
der primordialen Einheit des Individuums ist eine Zweiheit entstanden, die in
sich den dialektischen Widerspruch vom „Innen“ und „Außen“ enthält,
denn das Individuum ist weder allein nur durch sein „Innen“, noch durch sein
„Außen“ bestimmt, nur durch beides. Damit
strukturiert das Individuum auch
unmittelbar diese „Außenwelt“ relativ zu dieser eigenen „Innenwelt“ wie
auch umgekehrt. Ihre Aktivität setzt nicht in sich die raumzeitliche (phänomenale)
Welt voraus; im Gegenteil, sie schafft sie, indem sie in dieser Welt lebt
und wirkt.
n = 1:
p
Widersprüchliche Einheit von Subjekt und Objekt
6. Mit der Auflösung der ursprünglichen Mensch/Umwelt-Ganzheit
ist also die phänomenale Erfahrung materieller Dinglichkeit als „Äußerlichkeit“
in die Welt gekommen; damit verlieren die Dinge aber nicht ihre Bedeutungen für
die Menschen. Indem sie durch ihre Aktivitäten selbst
die Dinge schaffen oder mit ihnen manipulieren, sie ändern usw., treten sie
wieder in ein Verhältnis zu diesen Dingen im Sinne einer „Ich“-Bezogenheit
in der Einheit von Bedürfnis und Nutzen ein. Durch einen neuen Faktor
m
wird diese Situation kategorial bestimmt; das „Ich“ hat dadurch sich
und seinen Willen nach außen projiziert, und zwar in der materiellen Form
p . Diese erste Wertform hat sich in der Tat als Dreiheit der
Kategorien f , v
und p dargestellt,
wobei schon alle unsre Ausgangsterme in Spiel gekommen sind ( mat = p
).
Dies impliziert die Möglichkeit
menschlichen Besitzes, zunächst die unmittelbare Einheit Gattung/Umwelt (z.B.
auch als Territorium), gegebenenfalls in der Form vom Eigentum (persönlichen
oder privaten; im letzten Fall durch Gegenüberstellung zweier Eigentümer von
gegenseitigen Interessen; Kap. II), so dass die Dingen sich kategorial dabei in
Waren verwandeln oder mindestens verwandeln können. Dazu Marx:
Ursprünglich erschien uns das Eigentumsrecht gegründet
auf eigene Arbeit. Wenigstens musste diese Annahmen gelten, da sich nur
gleichberechtigte Warenbesitzer gegenüberstehn, das Mittel zur Aneignung
fremder Ware aber nur die Veräußerung der eigene Ware, und letztere nur durch
Arbeit herstellbar ist. Eigentum erscheint jetzt auf Seite des Kapitalisten als
das Recht, fremde unbezahlte Arbeit oder Produkt, auf Seite des Arbeiters als
Unmöglichkeit, sich sein eignes Produkt anzueignen. Die Scheidung zwischen
Eigentum und Arbeit wird zur notwendigen Konsequenz eines Gesetzes, das
scheinbar von ihrer Identität ausging. (S. 609-10)
Ich-Bezogenheit an Dingen,
besonders im Bezug auf ihrer Herstellung (Bearbeitung), bestimmt die
p-Form des Werts auch im ökonomischen
Sinne; solche Gattungsaktivität wird dann von Marx als verflossene Arbeit
betrachtet. In diesem Fall ist dann von Ich-bezogenen, äußerlichen, bzw. veräußerlichen
Dingen (privates Eigentum) die Rede. Hiermit ist generell der Gegensatz von
Mensch und Ding (als Element der Umwelt) explizit geworden. Da bei Sklaverei und
in den Manufakturen (bzw. unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen)
sogar die menschlichen Bewegungs-, Verhaltens- und Arbeitsweisen als solche veräußert
sind ( v ), hat sich auch der Gegensatz „Ich“-Körper manifestiert. Der
Raum, in dem sich diese Bewegungsformen abspielen, ist dabei abstrakt, homogen,
„geistlos“ geworden.
Im Gegensatz zur primordialen f-Form
des Bewusstseins, das immer mit dem „Raum“ als „(Um)Welt“ eine Ganzheit
bildete, bedeutet diese p-Form der
Elemente, dass auch (gesellschaftliche) Beziehungen zwischen Menschen notwendig
expliziert werden; auch die Anderen gehören eben zur Umwelt. So können diese
auch zum individuellen Problem werden, z.B. wenn ihre „Ich“-Beziehungen sich
irgendwie kreuzen, so dass eventuell auch die Umgangsformen unter ihnen in
verschiedener Weise geregelt werden müssen. Diese besondere Bewusstseinsform
entwickelt sich somit in Intersubjektivität, und man fragt sich folgerichtig,
wie auf dieser Grundlage die „Gesellschaften“ sich entwickeln können.
Das entscheidende der Beziehung Mensch-Ding ist, dass Dinge als solche
den Menschen immer äußerlich sind (heute können sogar menschliche Organe als
besondere „Dinge“ veräußert werden), die dann durch Gebrauch und andere
Formen von Konsumtion wieder „verinnerlicht“ werden. Das bedeutet dann auch
weiter, dass verschiedene Menschen, die sich natürlich zu einem gegebenen Ding
äußerlich stehen, gleichzeitig aber auf dasselbe Ding beziehen können. Das
kann dann z.B. zum Warentausch führen. Dabei ist wesentlich, dass jede „Ich“-Bezogenheit
ein ganzes Spektrum von Dinge umfasst, auch dass mehrere „Ichs“, auch im Fällen,
wo keine Symmetrie dieser Bezogenheiten, sozusagen eine „Inter-Ich“-Bezogenheit
entstanden ist, sich auf die gleichen Umweltelemente bezogen fühlen.
2. Aufhebung der „Ich-bezogenheit“: t/m
7. Mit der Herstellung von und Arbeit an Dingen hebt der
Arbeitende nicht nur seine Ich-Bezogenheit als Werterfahrung auf, dabei aber
diese Dinge als solche formt, indem sie ihnen ihre spezifischen real-dinglichen
Ausstattung gibt, ohne welche wir von keiner „Produktion“ überhaupt reden könnten.
Nebst ihrem Ich-bezogenen Wert p wird diesen Dingen (Waren usw.) also auch ein äußerliches
Moment q = p × t/m zugeschrieben, die sie erst zu denen machen, was sie sind. Ökonomisch
geht es hier also primär um den Gebrauchswert.
Die Kategorieform q mit der Zeitdimension
n = 2 ( q = vt ) weist auf diese Zustandsform hin.
Wenn ein Ding oder eine Ware für späteren Gebrauch bereit gestellt ist, sind
alle Aktivitäten mit und um ihn abgeschlossen (abgesehen vom eventuellen räumlichen
Transport, der in sich sowohl Wert als Gebrauchswert produziert). Sohn-Rethel
sprach in diesem Zusammenhang vom „Gebrauchsverbot“ am Markt.
Widersprüchlich ist diese
Form aber gerade für Dinge, insofern diese in dieser Form als Waren veräußert
werden sollen. Weder das Wertmoment p
( n = 1) noch das
Gebrauchswertmoment q
( n = 2)
hebt diese Veräußerlichkeit auf. Im Gegenteil. Wenn ein Ding Ware ist,
besteht sein Sinn und Wesen eben in dieser Veräußerlichkeit am Markt,
d.h. die Möglichkeit des Eigentumswechsels. Die Wirklichkeit einer Ware
ist somit eine abstrakte (formale, potentielle). Sie definiert die Ware (sowie
alle andere manipulierten Umweltelemente) widersprüchlich als p × q .
n =
2: mq
Restitution
der Ich-Bezogenheit. Übergang zur Wir-Bezog-
enheit
8. Die so bestimmte abstrakte (formale) Wirklichkeit eines
äußerlichen Dinges, bzw. einer Ware, die jetzt schon verkauft ist (und also
dann im stricktem Sinne überhaupt keine Ware mehr ist). Hier geht es somit primär
um die Realisierung von der Form q (bei Waren der sog. Gebrauchswert), der nach dem
Beziehungswechsel für den neuen Eigentümer sich nun Ich-bezogen in Form von Nützlichkeit
verwirklichen soll (neuer Faktor m:
q ´ m = mq
, „Nutzen“[1]).
Im Gegensatz zum oben Erwähnten sehen wir hier, dass Eigentümer (persönliches
Eigentum) und Nutznießer kategorial ineinander zusammenfallen.
Dies gilt allgemein. Hier geht es jedoch nicht mehr um individualistische
p-Werte angeeigneter Dinge, sondern um
die Kategorie des Nutzens, die allgemein-gesellschaftlichen Charakter hat. Es
geht hier um den für alle oder mindestens für viele gültigen Sinn von Sachen,
also um eine weitere Form von Subjektivität. Diese können wie als
gesellschaftliche „Wir“-Bezogenheit betrachten. Semantisch-sprachliche
Formulierbarkeit heißt in diesem Zusammenhang auch gemeinsames Verständnis
durch Gesellschaftlichkeit der Denkformen. Wo die p-Form eine
individuelle Ich-Bezogenheit repräsentierte, repräsentiert die mq-Form ein
gesellschaftliches, kommunikatives, allgemeines Moment dieser Sachen und des
durch sie vermittelten Verhaltens der Menschen untereinander in ihrer
menschengestalteten Umwelt.
3. Aufhebung der „Ich“/„Wir“-Bezogenheit“:
t/m
9. So wie jedes Ding von der Form p
mit seiner q-Gestaltung
(also von der Wirklichkeit p × q ) im allgemeinsten Sinne sowohl materiell als ideell
betrachtet, nachgedacht und angeeignet wurde, um endlich benutzt zu werden, so
prägen und beeinflussen Bestimmungen der Form
mq mit seiner besonderen qt-Gestaltung
( mq × qt ) das ganze
gesellschaftliche Verhalten und das Bewusstsein, was in sich auch eine Veräußerung
dieser Gedanken (z.B. als Themen von Gesprächen) einschließt. Momente, die in
dieser Weise mit dem „Ich“ in Berührung kommen, treten dann selbst
(kommunikativ) als „Anderes“ hervor, das eine besondere Form von
allgemein-semantischer (nichtökonomischer) „Wertrepräsentation“ darstellt.
Im ökonomischen Sinne haben
wir schon die mq-Form
des Geldes dargestellt (d.h. als Maß der Werte [M*]). Seine semantisch
explizierte, selbstreferentielle Form als Münze durch die geprägte Ausformung
( qt = mq × t/m, d.h. als Maßstab der Preise
[M!]), allgemein als Vergleichs- oder Messmitteln anderen Dingen gegenüber
bedeutet, dass diese Maßstäbe – alle in der Existenzform mq × qt – gesellschaftlich funktionieren, d.h. einen bestimmten
allgemeinen Sinn realisieren. Ihre explizite, institutionalisierte „Wir“-Bezogenheit
geht eben alle an, die mit solchen Dingen zu tun haben, über sie nachdenken,
kommunizieren usw.; ihre Dimensionen (Aristoteles: Akzidensen, „wie groß“,
„wie lang“ usw.) sind alle allgemein bekannte Begriffe und Verhältnisse.
Die Messdaten (nM) repräsentieren als solche eine noch weitere
Veräußerlichung der Dinge und heben somit in sich das
m-Moment auf, indem diese in
der Kommunikation als bloß vorgestellte Größen (Objekte) auftreten. Ohne ein
gesellschaftliches „Wir“ für solche Kommunikationen wäre jede
Wertekalkulation und jede mathematische Wissenschaft unmöglich (darunter z. B.
Ökonomie und Physik. Aufgrund einer zusätzlichen
Ich-Bezogenheit als mqt
werden diese Messdaten sogar selbst oft als manipulierbare Dinge
betrachtet.)
Die
mq×qt-Dinge müssen klar von
p×q- und anderen Sachen zu unterscheiden sein, was eben durch
ihre besonderen Ausformungen als Messmittel, bzw. allgemein als Erkenntnismittel
gesichert wird. So treten ihre spezifischen gesellschaftlichen Bedeutungen, ihre
besonderen Bezogenheiten unmittelbar (sogar institutionalisiert) in Erscheinung.
Die
mq-Wertformen mit ihren „hyperperfekten“
Ausstattungen erhalten also (wieder durch den
t/m-Faktor) ihren spezifischen
inneren selbstreferentiellen Widerspruch. Auch hier gilt, dass alle Kategorien
der mq×qt-Form (z.B. auch rituelle) zwar gesellschaftlich „Wir“-bezogen
sind, nicht aber auch unmittelbar „Wir“-bezogen hergestellt werden können
– kein „Wir“ als solches haben solche qt-Ausstattungen
hergestellt; sie müssen immer von einem besonderen Individuum als „Wir“-Repräsentanten
hergestellt sein, der dann als Traditions- oder Institutionsstifter betrachtet
wird. Diese qt-Ausstattungen erscheinen also irgendwie als immer-dagewesene, von
dessen Ursprüngen es meistens keinen Sinn haben würde, zu fragen (vgl. auch
IV. 16 und 17).
Nach besonderen Personen zu
fragen wäre also für den allgemeinen Umgang mit den mq-Sachen gleichgültig.
Wer hat den Meterstock erfunden? Wer hat die ersten Münze geprägt? In letzten
Fall lautet die Antwort wahrscheinlich „Der Lydische König ung. 600 v.u.Z.“,
aber auch dies ist nebensächlich, wenn wir irgendwo mit einem 10 € Schein
zahlen wollen. Interessant ist in der Tat nur, wenn ein Falschmünzer die
Scheine privat gedruckt hat; dann haben wir nämlich wieder das Epimenidische
Paradox: „Dieser Schein, der wie ein 10 € Schein aussieht, ist nicht 10 €
wert.“ Oder vielleicht: „Ich bin gar nicht, was ich angebe.“ Oder gar, wie
Epimenides selbst sagte: „Als Kreter ist alles, was ich sage, Lüge!“ Ein
solcher Übeltäter muss dann gestraft werden, einfach weil er das
gesellschaftliche Prinzip (die gesellschaftliche Institutionen) in
individualistischer Absicht usurpiert hat.
Dieser besonderen Materialität
und gesellschaftlichen Bedeutung wegen werden solche mq-Dinge (auch Ereignissen usw.) deshalb als
Immer-dagewesenes in der zweiten Runde neuer menschlicher Bezogenheiten
unterworfen (neuer m-Faktor). Wir
erhalten dann die Form der letzt möglichen, gewiss auch ziemlich mysteriösen
Wertform mqt , der dann auch den Kategorienzirkel abgeschließt.
n =
3 ≈ 0: mqt
≈ f Übergang zum kollektiven, archetypischen Ich-
Bewusstsein, kulturelles Selbstverständnis
10. Wie nimmt
das Bewusstsein der Menschen die Wertform mqt auf? Was drückt
sich in dieser Bezogenheit aus? Wie erscheinen solche gesellschaftliche
mqt-Wirklichkeiten?
In mq
kamen Werte der allgemein gesellschaftlich handelnden Personen als
Glieder ihrer ganzheitlichen Gattung zum Ausdruck („Wir“-Bezogenheit).
Welche Bedeutung hat hier eine mqt-Form für das
gesellschaftliche Individuum, die t
‑3-reduziert in die ursprüngliche
f-Form des „Ichs“ als Bewusstsein (wieder im weitesten Sinne des
Worts!) quasi-identisch zurückfällt? Um welches „Wir“ geht es denn überhaupt,
das sich scheinbar in ein jetzt kollektives „Ich“ transformieren lässt?
Mehr noch. Wir haben jedes Mal gesehen – und auch für diesen Fall
wieder angedeutet – dass unsere kategorialen
m-Formen sich unmittelbar mit
ihren t/m-Derivaten verbinden, um überhaupt
gesellschaftlich aktiv, funktionsfähig zu werden. Es meldet sich schon die Möglichkeit
eines notwendigen Scheins der Form qt2,
der dann aber nicht weniger „mysteriös“ wäre als die erwähnte Form mqt. Wir müssten
also konsequenterweise eine Wirklichkeitsform
mqt × qt2
voraussetzen. Wir nähern uns hier, was wir oben als „Schranke“
unserer weiteren Kategorieanalyse angesehen haben. Was das bedeuten kann, wird
unten weiter diskutiert.
11. Das eine Problem war, dass man nie wissen konnte, wer
diese (scheinbar immer-dagewesenen) mq∙qt-Dinge
(oder entsprechenden Erscheinungen) hergestellt oder herbeigeschaffen hatte.
Eben weil schon diese Frage nach dem früheren Wer so unmöglich erscheint, um so mehr müssen wir vorsichtig sein, wenn
hier von einem Was
gefragt wird. Was könnten diese mqt×qt2-Dinge sein, was könnten sie bedeuten? Formal
reduzieren lassen sie sich in die wirkliche Existenzform eines
gesellschaftlichen Menschen f×v , wobei der Mensch in der Tat
seine Gesellschaftlichkeit, die „Wir“-Bezogenheit der mat-Form
dialektisch aufhebt, gleichzeitig aber für sich ihren (kollektiv-„geistigen“
usw.) „Sinn“ behält, nur in persönlicher Form. So ist dieser „Sinn“
eben kollektiver Besitz jedes einzelnen Menschen (man könnte vielleicht
sagen: in archetypischer Form). So drückt dieser subjektiven Inhalt sich
in gesellschaftlicher Form des Lebens, Sittlichkeit usw. aus.
Der dialektische matn ´ atn+1-Widerspruch
und seine Aufhebung
12. Wir haben oben den Waren, dass sie ihre
gesellschaftliche Aufgabe auf dem Markt erfüllen können, die doppelte Form p
× q (oder p·q )
zugesprochen, wobei der erste Term kategorial das (abstrakt) substantielle
Moment der Sache, der zweite die akzidentellen, phänomenalen Momente derselben
angibt, sozusagen als die „verkleidete Existenzweise“ (atn+1)
dieses substantielle
Moment (vgl.
S.67). So wird
– als „daseiender Widerspruch“ (Hegel) – der innere Widerspruch
zwischen Wertding und Gebrauchswertding, zwischen „Substanz“ und „Akzidenz“
angegeben. Der Übergang oder die Beziehung zwischen diesen Formen wird wie
immer durch den Quotienten q/p = t/m ausgedrückt.
Generell definieren wir also
den wirklichen, „daseienden“ Widerspruch als das Produkt matn ´ atn+1 . Diese zwei Terme – einander als Kontrapositionen gegenübergestellt
(vgl. Ruben, Einleitung, Pkt.
25) –
bedingen sich gegenseitig, schließen einander also nicht aus. Durch den
gemeinsamen Term a
als Potential sind diese Terme real konjugiert (eben wie z.B. Wert und
Gebrauchswert in der einzelnen handgreiflichen Ware; vgl. in der Physik „kanonische“
Konjunktion).
So wäre auch die negativ unterscheidende Formel ØS/Îp Ù ØS/Î~p
(vgl. Ruben, a.a.O.) als Wertausdruck logischer Unentschiedenheit mit dem
einheitlichen Widerspruchsausdruck !S/Î(p & ~p)
äquivalent, einheitlich zu sehen (sie biimplizieren einander, Û ). Wäre dieser letzte Ausdruck einfach als falsch zu bewerten, würden
diese beiden Prädikative nicht gleichzeitig reales angeben können. Ihre
dialektische Widersprüchlichkeit wird dagegen formell durch die verschiedenen
t-Potenzen angegeben, die in verschiedenen, aber gesellschaftlich
verbundenen Sphären zu realisieren sind.
Dabei bemerken wir ein weiteres wesentliches Moment. Bei
dem allgemeinen Übergang matn ×
atn+1 ® matn+1
(n = 0, 1, 2) fällt der Widerspruchsausdruck in der Tat als
solcher weg. Im Fall des Geldes als [M*] ( mq , n = 2),
wenn wir also seine Prägung und alles was daraus folgt (bes. die
Selbst-Referenz) außer Acht lassen, können wir überhaupt nicht von einem
dialektischen Widerspruch in diesem Sinn des Worts sprechen! Also, „Geld“
hebt (nach Marx) den Widerspruch des Warenseins auf (als die Form, in der sich
die Widersprüche bewegen können)![2]
Tatsächlich war auch in vielen Situationen seine materielle Ausformung ganz
gleichgültig (Papirgeld!) und konnte sogar als nur ideelles Rechengeld (nM)
funktionieren – was also erst in Krisensituationen zum
wirklichen Problem wurde. Wie gezeigt hat Marx dies klar gesehen, so auch die
beiden Formen [M*] und [M!] in seine Darstellung einbezogen, jedoch ohne die
sich daraus ergebenden formalen Konsequenzen zu ziehen.
Was ist aber bei dieser Aufhebung des Widerspruchs geschehen? Betrachten
wir nochmals den Übergang matn × atn+1
® matn+1.
Hier stellt der Faktor t/m die Erste Negation
dar, d.h. die Aufhebung des m-Moments
und Veräußerung der Sache. Der neue m-Faktor, der dann zu matn+1
führt, ist die Zweite Negation, die dabei als Vereinheitlichung diese Veräußerung
aufhebt. Dabei bleibt aber alle voraus gegebene Momente
m, a, und
t (und zwar in höchster Potenz)
aufgehoben. Die Doppelte Negation bedeutet also, dass das m-Moment
in die zeitdimensional nächste Sphäre überführt wird. Dieses dialektische
Negieren (mit den Reduktionen) setzt sich nun zyklisch-„ewig“ fort und
realisiert somit das sich generativ unendlich fortsetzende gesellschaftliche
Leben. Nichts geht dabei verloren, aber ständig entsteht Neues. Alles zwar
negiert, alles aber auch aufbewahrt!
13. Der gemeinsame mittlere und verbindende Term dieser
Ausdrücke ist also die funktionsbestimmte Potentialität
a , von der die Zeitpotenz
tn die
betreffende gesellschaftliche Dimension oder Sphäre angibt, in der das
„substantielle“ m-„Bein“ des Elements sich befindet, das sich mit dem anderen,
„akzidentellen“, erscheinenden „Bein“ aber schon in der nächsten
t-„Sphäre“ (n
+1) steht. So sind auch die dialektischen Widersprüche dadurch
charakterisiert, dass sie sich mit ihren „Beinen“ in temporal-dimensional
verschiedenen Lebenssphären befinden.
Insofern können wir also sagen, dass die ökonomische „Welt“ vom
Marx sich bis zu n
= 1+1 erhebt (ohne die Potenz von n
= 2 endgültig zu bestätigen und so eine offen zweidimensionale Welt als
kategoriale „Fläche“ dargestellt ist.
Diese „Zeit-Fläche“ wird nun durch das m-Moment
als (primäre) „Ich“-Bezogenheit oder – mit dem
a zusammen – als „Ich-bezogene (menschbezogene) Potentialität“
definiert. Als solche ist sie subjektiv erfahrbar (ideell, wenn nicht zugleich
phänomenologisch) und so für das „Ich“, den Mensch selbst, (objektiv!)
existent. „Von außen“, von einer Dritte-Person betrachtet, sind die
m-Formen aber unsinnlich,
abstrakt. Man „sieht“ nicht das Bewusstsein des Anderen, nicht den Wert der
Ware usw., bezweifelt aber nicht, dass solche Momente tatsächlich existieren,
wenn die Elemente sich sonst „normal“ verhalten (was sie aber in
Krisesituationen eben nicht tun!). Dies zeigt jedoch auch, dass
m-Momente in sich einen
Widerspruch enthalten, der weiter unten genauer zu analysieren wird.
14. Eine ganz analoge Schwierigkeit ist zu bemerken bei
der hier vorgelegten kategorialen Gesellschaftsanalyse. Hier ist die
Kategorieform bis zu mat3 definiert
(oben sogar als „mysteriös“ bezeichnet!) mit der vorläufigen Einbeziehung
des Widerspruchsausdrucks mat3 ´ at3+1; zu einer wirklichen
Einbeziehung einer
Kategorieform mat4
ist es aber nicht gekommen – wird es auch kaum! In diesem Sinne stehe
ich in der gleichen Situation wie Marx: Dieses Genie schaffte es nicht die Form
mat2 zu bestätigen, bzw. klar zu definieren und nach meiner Kenntnis nie diese
Versagung selbst direkt kommentiert. Und so bin ich hier in genau derselben
Situation; nur ist es mir möglich, die jetzige ganz analoge Situation
klarzustellen – und zwar gerade auf Grund der Analyse dieser Marxschen
Begrenzung, durch die diese kategoriale Schranke ins Klaren gekommen ist. Ich
sehe mich also gezwungen, die Existenz dieser t4-Schranke explizit zu bestätigen.[3]
Das soll nicht bedeuten, dass diese neue Schranke nicht einmal zu überschreiten
wäre; nur muss man in diesem – zwar ganz hypothetischen Fall – vermuten,
dass dann wieder eine neue historische Ära mit wesentlichen gesellschaftlichen
und kulturellen Veränderungen – analog zu den Tagen Marxens – entstanden
seien müssten, in der in der Tat die Voraussetzungen einer neuen Struktur des
Kategoriensystems überhaupt entstehen könnte. In einer solchen neuen Zeitära
wäre es also theoretisch denkbar, dass solche hochdimensionale Kategorien im
gesellschaftlichen Leben sich einwurzeln könnten; in dem Fall würde auch die
allgemeine Denkmatrix sich entsprechend geändert haben, um neue Aspekte des
Lebens und der Erkenntnis zu fassen. Das aber ist alles Zukunftmusik.
Bis dahin müssen wir m.M.n. bei dem Weltbild stehen bleiben, das zunächst
aus einer (offen-)zweidimensionalen „Zeit-Fläche“ (z.B. der Marxschen Art
mit den Dimensionen 0 - 2) besteht. Wenn dazu noch eine weitere 2-dimensionale
Weltfläche der Dimensionen 2 - 4 gäbe, dann würde dies zu der vielleicht überraschenden
Konsequenz führen, dass das hier dargestellte Kategoriensystem eine imaginär
vierdimensionalen „Welt“ darstellt, kategorial sozusagen eine „Zeit-Fläche“
in zweiter Potenz, eine Fläche2.
[4]
Diese Konsequenz widerstreitet aber, was wir oben im Kategorienzirkel (Figur
III.1) als dreidimensional dargestellt haben. Auch diese Schwierigkeit
wird uns noch zu tun geben.
15. Der „Sinn“ der Sachen hat immer mit der
gesellschaftlichen Ich-, Du- oder Wir-, oder sagen wir lieber mit
Menschenbezogenheit ( m )
im allgemeinen, zu tun. Der individuelle Mensch der Form
ma×at (= f×v ; n
= 1, Dimension „Leistung“) leitet wie auch immer zur Entstehung von „wert“-vollen
p-Formen, deren Ergebnis
allgemein den konkreten Sinn des ganzen Vorhabens ( p×v ; n = 2, Dimension „Energie“) bestätigt. Das menschengeschaffene, hergestellte oder produzierte Ding
oder Phänomen, sinnlich-materiell als mv×vt (=
p×q ; n
= 3, Dimension „Wirkung“) gestaltet, bestätigt seinen gesellschaftlichen mq-„Sinn“ als
Nutzen-für-Jemand/Andere in der Aktivitätsform
qt , d.h. in der widersprüchliche
mq×qt-Form
(reduziert als „Energie“[5],
5 ≈ 2). Dieser leitet dann endlich zur Form gesellschaftlicher
Bezogenheit mqt , die in die elementare f-Form.
Als kollektive Aktivität geschieht dies konkret durch die neue Form mqt×qt2, die mit ihrer gesamten t-Dimensionalität
7 wieder auf 1 in die Leistungsform
f×v reduziert wird.
So haben wir wieder die drei dialektischen Genesen oder „Sprünge“
vor uns, ma×at ® p ; p×q ® mq
; mq×qt ® mqt
≈ f . Diese „Sinn“- oder
„Wert“-Genesen sind als die „persönliche“, die privat-„individualistische“
als Form der Gesellschaftlichkeit und die allgemein- oder „öffentlich-kollektive“
zu interpretieren. Diese Sinnebenen bedingen sich somit gegenseitig. Die persönliche
Sinnebene muss sich durch Geburt und Erziehung, Initiationsriten usw. in die
beiden anderen, die „individualistische“ und die „kollektive“
einverleiben – und umgekehrt müssen diese durch ihre aktive Eigen-Bezogenheit
die persönliche Sinnebene in sich aufnehmen.
Welche von diesen Sinnebenen
nun von aktuell dominierender Bedeutung wird ist eine historisch und kulturell
bedingte Frage. Wir haben gesehen, dass unter den Bedingungen der
kapitalistischen Produktionsweise die „individualistische“,
auto-referentielle, die dominierende wurde, während bei vielen fremden Völkern
wahrscheinlich die „gesellschaftliche“, bzw. die „kollektivistisch“-selbst-referentielle
die dominierende ist (obwohl diese gewiss in unseren „individualistischen“,
also nicht ausgeprägt „kollektivistisch“ eingestellten Kulturen schwieriger
zu verstehen ist, und umgekehrt).
16. Diese historisch-kulturelle Bedingtheit der
Ideologien, die für die verschiedenen Völker so große Rolle spielen, haben
oft sehr tiefe Wurzel; sie sind sozusagen für die einzelnen Völker weitgehend
prädestiniert. Als ein Beispiel möchte ich kurz die historisch-kulturellen
Voraussetzungen unserer eigenen westlich-christlichen Kultur erörtern. Da können
wir schon mit dem bekannten Schöpfungsgeschichte von Genesis
2 anfangen.
Dieser Mythus behandelt Probleme der Veräußerung verschiedener Art.
Erst wird Adam als körperlich-geistig Einheit geschaffen. Ihm veräußert kommt
Eva als sein Gegenstück zur Welt – ganz buchstäblich aus einer von ihm
herausgenommenen Rippe modelliert (aus eine Neumondform, vgl. auch Ochsenhörner,
beide weit verbreitete Symbole der Weiblichkeit), generiert aus seiner
materiellen Ausstattung. Diese ganze Situation bekommt also die Leistungsform
ma2t (= f×v)
(in der eben Arbeit und Kinder „geleistet“ werden). Der Schöpfungsakt
von Adam ist besonders durch das Einfließen des „essentiellen“ Geist Gottes
(das m-Moment) charakterisiert. Das Wesentliche bei Eva war eher phänomenologisch,
akzidentell erfahrbar durch die dingliche Rippe (in unserer Symbolik durch das
v repräsentiert). Sie ist somit vom Anfang an rangniedriger
eingestuft. Mit ihrer Ich-, bzw. m-lose
Form v ist sie Adams Andere,
seine Kontraposition (vgl. Ruben). Erst durch Wiedervereinigung der beiden als
dialektisch-widersprüchliche Ganzheit, als „ein Fleisch“ konjugiert,
realisieren sie gemeinsam ihre generativen Potenzen.
Dieser Veräußerung der Frau folgen nun mehrere. Der mythischen Erzählung
zufolge essen beide von den verbotenen Früchte, und lernt dabei von Gutem (=
Geist) und Bösem (= Körper). Davon bekommen sie ihr Gefühl von Scham; d.h.,
ihre primordiale körperlich-geistigen Einheiten lösen sich dialektisch in
f
und v
auf; sie erkennen als „gottesbegabten Menschen“ ihren inneren
Gegensatz zwischen substantiellen m-Momenten
(das Männliche, geistige Moment) und ihrem akzidentellen, sinnlich-materiellen,
irdischen Körper vom aufgehobenen m,
der ihnen deshalb als fremd und äußerlich (sogar böse) erscheint (das
weiblich-körperliche Moment derbeiden). Mehr noch, diese innere kategoriale
Widersprüchlichkeit der einzelnen Menschen wie der Menschheit als Ganzes wird
„bestraft“ (der Veräußerung selbst wegen), indem Adam und Eva aus dem
Garten von Eden verwiesen werden, wo es ja nur
„m-Substanzen“ geben sollte
(wobei schon die weibliche Form davon ja problematisch war[6]).
Dementsprechend wird auch ihre materielle Wirksamkeit als Arbeit und Geburten ( v
) „verflucht“ (dabei natürlich auch die weibliche Sexualität im
allgemeinen).
Adam muss sich jetzt
entsprechend auf den Boden beziehen, den er fruchtbar zu machen hat ( v ),
um Brot zu erwerben, wie er sich auch auf Eva beziehen muss, um auch sie
fruchtbar zu machen (Aufhebung der äußerlichen Zweiheit: „Leistung“
f×v ), indem er sein eigenes
m-Moment auf das
v von Eva überführt,
veräußert, mv = p ). Er muss sich aber mit Schweiß sein Brot verschaffen, Eva
ihre Kinder im Schmerz gebären. Dadurch werden ihre Existenzformen im Übergang
® p realisiert, obwohl eben verflucht und bestraft (auch wenn
diese Formentwicklung die ganze elementare Lebensgrundlage des Lebens im
Allgemeinen und der betreffenden Landwirtschaftskulturen im Besonderen war und
ist). Obwohl beide Partner also „verflucht“ sind, ist besonders die
patriarchalische Rangniedrigkeit der Frau eklatant. Das besondere historische
Problem solcher Kulturen wird demgemäß, irgendwie diesen Fluch aufzuheben.[7]
Ein analoges Problem haben wir
in der Tat bei der Bestimmung der Sklaverei, deren Wesen, wie in Einleitung bemerkt, durch Orlando Pattersons Buchtitel Slavery as social Death
(1982) charakterisiert wurde. Der Sklave ist „gesellschaftlich tot“, sein
jedem menschlichen Individuum inhärentes m-Moment auf seinen Herrn übergangen;
alles seinige ist nur der m-loser
Körper (er hat sein Leben nur „geschenkt“ bekommen), eben die Seinsform,
vor der sich Adam und Eva „schämte“.[8]
17. Im gleichen Maße kann man aber auch die m-lose Arbeit des rangniedrigeren Lohnarbeiters als ein „Fluch“
benennen, der das Maschinen-„Anhängsel“ zu Teil wurde, der überhaupt auch
nur durch eine gewisse Lohnzahlung (ein p-Moment)
ertragbar zu machen scheint. (Könnte das z.B. auch der Grund dafür sein, dass
viele Lohnarbeiter sich heute schämen, „Arbeiter“ bezeichnet zu werden –
bzw. die Dialektik als solche sogar unter vielen Philosophen beinahe als „verflucht“
gilt?)
Mit der Schaffung der durch
die „verfluchte“ Arbeit hergestellten Produkte
p×q begann die
neue Form von Sinnerfüllung, die der Formentwicklung ( mv×vt ® mvt
) = ( p×q ® mq ), mit der wir uns schon so intensiv beschäftigt haben. Es ist jedoch, als
ob der Fluch hier tüchtig weiterlebt. Die Warenform p×q fordert (unter kapitalistischen Bedingungen) nebst Nutzen auch
Geld, beide sich kategorial auf der sinngebenden Wertform
mq
gründend, die jedoch ökonomisch nur wenig zur Kenntnis genommen wird,
so dass scheinbar nur die autoreferentielle (die nicht-selbstreferentielle)
Bewegungsform hier als Ideal gilt. Man könnte gewiss argumentieren: Die
sinnrealisierende Vereinigung dialektisch widersprüchlicher Momente (mit Überführung
des m-Moments)
erscheint also in sich „verflucht“, tabuiert, eben weil schon ihre notwendig
vorausgehende, dialektische Veräußerung „verflucht“ war. So wird überhaupt
ihre reale Betätigung ethisch-moralisch tabuisiert. Spukt hier wieder die
kategoriale Schranke des unaussprechbaren – und damit das
Nicht-Selbstreferentielle? Bekanntlich sollte ja nicht vom Unaussprechbaren
geredet werden!
So wird in unserem Kulturkreis
konsequenterweise auch die dritte Sinnebene wenn nicht ganz verschwiegen so doch
unterbetont. Hier heißt die Sinnrealisierung mq×qt ® mqt ≈
f , mit welcher – und wohl ganz besonders mit der
semantischen (Ver-)Äußerungsform qt
– unsere westliche Kultur in vielen Gebieten nicht viel anzufangen weiß. Und
so kann sie auch nicht die elementare existentielle Frage nach der
gesellschaftlichen Stellung des menschlichen Individuums innerhalb der
westlichen Kultur sowie die Frage seiner substantiellen und akzidentellen
Momente beantworten (wo ja schon die menschliche Selbst-Referentialität mit
ihrem „Körper und Seele“-Widerspruch unlösbare Probleme gegeben hat), u.a.
weil echte und offen getriebene Kollektivität als eine ziemlich ungewohnte
Verhaltensweise erscheint (Kollektiveigentum ist somit auch für die
Marktfunktion prinzipiell ausgeschlossen).
So ist der Sinn der einen
Formentwicklung immer durch die Genese oder Reetablierung des nächsten
m-Moments bestimmt (die „dialektischen
Sprünge“); aber auch dieser Sinn ist nicht vollbracht, bevor die nächste
Formentwicklung mit ihren Erscheinungsformen durchgelaufen ist. Erst so werden
wir (unter den historisch gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen) den
grundlegenden „Sinn des Menschen und des Lebens überhaupt“ bestätigen können,
was letzten Endes Kollektivismus als Ausdruck gesellschaftlicher Ganzheit
beinhaltet.
18. Dinge sind immer dem Menschen äußerlich und veräußerlich
(Widerspruch der Beziehung des Menschen zum eigenen Körper, zum Boden, zum
Eigentum usw.); auch Menschen untereinander sind sich (ver)äußerlich und
unterscheiden sich in wechselnden Ich-Du-Verhältnissen. Entzweiung und
Unterscheidung sind analytische Ergebnisse; synthetische Einheit/Vereinigung
(„ein Fleisch“ werden in der Doppelten Negation) meint Sinnerfüllung (auch
wenn nur unter der Bedingung des vielleicht dazu notwendigen institutionellen
„Erlaubnis“, um das „Tabu“ usw. gelegentlich aufzuheben). Die
Sexualmoral weist in unserer säkularisierte Kultur überhaupt sinnvolle
Vereinigungen ausschließlich dem persönlich-privaten, nicht dem öffentlichen
Raum zu (anders in Kulturen mit ausgesprochener Fruchtbarkeitsrituale,
Tempel-„Prostitution“ usw.), wo z.B.
die Eucharistiefeier im kirchlichen Raum in der Tat analoges darstellt. Hier
wird die symbolische Einheit der christlichen Gemeinde („Christi Braut“) mit
dem Leib Christi durch genau dieselbe Doppelte Negation repräsentiert, wobei
das m-Moment
durch Brot und Wein auf die Teilnehmer überführt wird. Eine solche Aufhebung
des Widerspruchs (als mqt )
wird eben im Sinne der Tabu-Aufhebung als „heilig“ dargestellt.
In anderer Hinsicht scheint mir doch die Biblische Erzählung im stärkeren
Maße widersprüchlich. Dies betrifft die Figur des Jesus Christus als Sohn
Gottes und seine Auferstehung.[9] Alle Menschen müssen
sterben. Das in sich kann wie ein Fluch – vielleicht sogar der entscheidende
– des ganzen Geschlechts aufgefasst werden, durch die Auferstehung Jesu jedoch
aufgehoben. Die kategoriale Struktur dieser ganzen Erzählung scheint mir eine
genauere Analyse bedürftig.
Wie steht es eben mit dem Verhältnis von Gott Vater und Gott Sohn? Einen
Ausdruck von mir paraphrasierend schreibt Walter Rella in einem Brief: „Aber
der impotente Vater hat doch einen Sohn gezeugt, der als „neuer Adam“
(Paulus) den Fluch im Umweg über Kreuz und Auferstehung aufgehoben hat,
freilich um den Preis der Unvorstellbarkeit.“ Ich weis nicht, ob dies die
offizielle Theologie der katholischen Kirche entspricht. Wie hier ausgedrückt
muss aber der Sohn als „neuer Adam“ durch Veräußerung des Göttlichen
gezeugt sein (als eine Form atn+1
); als solcher ist er dann natürlich „verflucht“ und muss sterben,
denn erst durch seine Auferstehung wird dieser „Fluch“ aufgehoben, so dass
er (wieder? – das widerspricht aber seine Göttlichkeit auf Erden…) am
rechten Hand seines Vaters das göttliche m
verliehen bekommt.[10]
Dies scheint mir die umgekehrte Ödipus-Konstellation darzustellen. Die
klassische Konstellation von Sophokles war durch die Mutter Iokaste vermittelt.
Hier übernimmt – zwar mythisch, aber doch in zeitlicher Darstellung – Ödipus
(nachdem er seine außerordentliche Fähigkeiten dem Sphinxen gegenüber bezeugt
hat) durch seine Ehe mit Iokaste die königliche Würde und damit das m-Moment seines
Vater Leios’ und wird somit selbst König gemacht. Die vermittelnde Bedeutung
der Mutter unterstreicht das matriarchalische Aspekt dieses verbreiteten Mythos
(Freud). In der umgekehrte Ödipus-Erzählung der Bibel ist aber die
Mutterfunktion durch die Jungfraugeburt unterdrückt (woher stammt diese
Jungfrau?), und man muss also (mythisch gesehen) vermuten, dass der Sohn genau
so „impotent“ ist wie sein Vater.[11]
Mehr noch, die Überführung des entscheidenden
m-Moments verläuft hier ganz
außerweltlich, außerhalb Raum und Zeit, eben da wo das abstrakte Identitätsdenken
seine „Wahrheit“ findet, und wo also kein reales Leben und keine Entwicklung
mehr möglich ist – „freilich um den Preis der Unvorstellbarkeit.“
Eine endgültige – und zwar
reale – Aufhebung des allgemeinen Fluchs wird jedoch erst durch eine echte
gesellschaftliche Synthesis im Sinne Kollektivität mq×qt ® mqt » ¦ möglich, was in vielen
traditionellen Fällen z.B. durch orgiastische Riten mindestens symbolisch
realisiert wird. Real wird diese Aufhebung jedoch erst möglich, wenn irgendwie
die kategoriale Zyklizität auch im säkularen Leben
gesellschaftlich-institutionell Bestätigung erfährt. Was dazu notwendig ist,
ist vielleicht zunächst eine ethisch-moralische Aufhebung jedes atn+1-Tabu (Erste Negation) – z.B.
die entsprechenden Momente der
Ersten Negation hierarchisch ranghöher einzustufen. Das würde z.B. bedeuten,
das Hauptgewicht von Adam auf Eva hin zu verschieben (vgl. Lilith, die erste
Eva), um somit langsam das historisch eingewurzelte Patriarchat aufzuheben. Die
Erste Negation (die atn+1-Momenten)
ist und bleibt doch Voraussetzung jeder realen Negationsprozess, jeder
Wirklichkeitsbewältigung überhaupt. Eine echt lebensfördernde Ideologie
fordert somit hierarchische Umbewertung der matn- und atn+1-Momente, was
jedoch keine rein abstrakte Angelegenheit ist. Im Gegenteil; es würde sämtliche
soziale Relationen und Beziehungen umstülpen, einfach „Revolution“ bedeuten.[12]
19. Alle Sinnrealisierungen sind allgemein so dargestellt:
matn ´ atn+1 ® matn+1 (n
= 0, 1, 2, 3, wobei n = 3 problematisch ist); d.h., alle sind analog und müssen
insofern analog behandelt werden. Wir werden deshalb einen weiteren Formalismus
einführen, um diese Forderung zu genügen. Als ein solcher sollen Elemente des
sog. Quaternions von Hamilton dienen. Dabei wird es zugleich möglich, auch die
Kategorie Information in diese Untersuchung einzubringen, die dann in ihrer
modernen durch die Quantenphysik inspirierten Form definiert werden muss.
Ein Quaternion ist eine mathematische Struktur aus vier
realen Zahlen bestehend, a, b, c und d, und dazu noch drei imaginären
Operatoren, die Hamilton i, j und k genannt hat.[13]
Ein vollständiges Quaternion q
hat somit die Form: q = a + ib + jc + kd. Die drei
imaginären Operatoren definieren hier drei imaginäre Vektorebenen. Diese
Operatoren haben jedoch nur Sinn kraft ihrer gesamten triadisch-relationalen
Struktur, denn mit den Einheitswert (e,
oder 1) zusammen bilden sie eine vollständige mathematische Symmetriegruppe; so
und nur so definieren sie sich gegenseitig als Glieder einer bestimmten („Gattungs“‑)Struktur; so kann nichts davon ausgelassen und
nichts hinzugefügt werden.
Es ist jedoch zu unterstreichen, dass hier nicht mit den
Quaternionen als solchen operiert oder rechnet werden soll. Quaternionen werden
gebraucht, um eine mathematische Beschreibung raumzeitlicher Schwingungen,
Drehungen oder Pulsationen (im 4-dimensionalen Raum) darzustellen. Wir wollen
keineswegs unsere kategorialen Analysen auf solche Darstellungen reduzieren. Hier
soll ausschließlich mit dem „Einheitsmaß“ (e) des Quaternions
operiert werden, das aus der Einheit selbst (1) und dem Produkt der drei imaginären
Zahlen (Operatoren) besteht.
Die imaginären Operatoren i, j und k
stehen im folgenden Verhältnis zueinander. Zunächst gilt: i2
= j2 = k2 = -1. Weiter haben
wir: ij = k, jk = i und ki = j.
Als Konsequenz ergibt sich daraus: ij = j-i = -ji usw. sowie auch ji
= ‑k, kj = ‑i und ik = ‑j.
Endlich haben wir: ijk = -1 und kji = 1. (Alle Operatorprodukte werden
hier ohne Parenthese geschrieben.)
Diese Verhältnisse können wir paarweise im folgendes
Schema zusammenschreiben, wo e als Einheit die Zahl Eins bedeutet:
|
|
e |
i |
j |
k |
|
e |
e |
i |
j |
k |
|
i |
i |
‑e |
k |
‑j |
|
j |
j |
‑k |
‑e |
i |
|
k |
k |
j |
‑i |
‑e |
Die
Vektorebenen sind syntaktisch homolog und lassen somit zunächst jede Semantik
außer Sicht. So gelten dieselben Quaternionformalismen wie auch dieselbe
abstrakt-triadische Argumentationsform, die wir für alle drei Sphärenanalysen
benutzt haben, was natürlich ihre Darstellungen sehr erleichtert. Ihre möglichen
semantischen Aspekte können deshalb nur gegenseitig unter sich bestimmt werden.
Der grundlegenden inhärenten Antizipation der Subjekte wegen sind solche
semantische Aspekte auch nur Kraft ihrer Stellung in der ganzen aktuellen
Kategorienentwicklung der Sphären zu unterscheiden.
20. Was dem
Informationsbegriff betrifft, möchte ich hier auf Thomas Görnitz (1999, 2002)
rekurrieren, der darauf hinweist, dass alle klassische Information (K-Information) einen materiell-energetischen Träger fordert (ein m-Moment)
mit einer spezifischen strukturellen Ausformung der Form
atn+1 (z.B. in Form
von DNA-Strängen), um realisiert zu werden, wobei diese spezifische Struktur
auch weiter kopiert (repliziert) werden kann. Im Gegensatz dazu weist Görnitz
auf die quantentheoretisch definierte Information (Q-Information), für die, wie
er sagt, es ein „No-Cloning-Theorem“ gibt. Diese Q-Information ist nun an
der imaginären Vektorebene gebunden, in der der entsprechende Operator rotiert.
Diese Vektorrotation definiert die große Menge möglicher (potentieller) Information
des Systems, eben die Q-Information, und bedingt somit den objektiven Zufall,
der allen solchen Systeme inhärent ist.
Um
daraus eine Ja/Nein Antwort (Bestimmung, ein ausschließendes Entweder-Oder) zu
erhalten, muss das System „befragt“ werden, was jedoch nur getan werden kann
mittels einem subjektiven, Ich-bezogenen (dem Erkenntnismittel zugehörigen)
m-Moment; dieses wird durch
Antizipationsvermögen definiert, das allen Menschen/Organismen inhärent ist.
Bei jeder „Befragung“ geht dabei aber eine große Menge dieser möglichen
Q-Information verloren, um den Rest nutzbar zu machen, der sich real in
K-Information realisiert.
21. Wie oben dargestellt, sind die
m-Momente sowohl Ausgangs- als
Endpunkt jeder Kategorienentwicklung matn×atn+1 ® matn+1.
Die a-Kategorie,
Potentialität als offenes Möglichkeitsfeld, repräsentiert dabei die mögliche
Information, die (subjektiv unter der Bedingung der Antizipation) realisiert
wird, bzw. werden kann, indem sie sich als Q-Information in K-Information
transformiert (reduziert). Die betreffende t-Potenz
indiziert die Sphäre, in der wir uns aktuell bewegen.
Wir gehen also vom subjektiven m-Moment
von matn aus,
das durch das t-Moment die
weitere Entwicklung des Systems bestimmt. An dieser Ebene der a-Potentialität
ist zunächst der Operator i als existentielle
Bestätigung dieses m-Moments
geknüpft. Jedes derartige System befindet sich also nun in seiner Umwelt bestätigt,
wird aber von dieser ständig befragt. Wir müssen dies im Sinne der Marxschen
Wertformen I und II verstehen. Das System (z.B. Leinwand am Markt) „befragt“
nun den Markt, muss ihn analytisch „scannen“,
um sich eine bestimmte Marktorientierung „auszuwählen“, sich also (antizipatorisch)
auf eine gewisse Wahl festlegen, d.h. für sich ein Tauschobjekt (z.B. einen
Rock) subjektiv aussuchen, „synthetisieren“.
Feilschen wäre an und für sich in genau dergleichen Weise zu
beschreiben. Dieser „Synthetisierungsvorgang“
muss – um im Bild der Marxschen Wareanalyse zu bleiben – in einer Einigung
der beiden Marktpersonen über das Tauschverhältnis enden. Wird dann der Tausch
realisiert, ist das Verfahren existentiell von den Teilnehmern „bestätigt“ – und eine neue „Marktanalyse“ kann ihren Anfang
nehmen. Wie der Tausch nun wirklich realisiert wird, braucht nicht entscheidend
zu sein; im Fall eines Kreditkaufes wird die endgültige „Bestätigung“ auf
einen späteren Zeitpunkt verlegt – was aber zu diesem Zeitpunkt geschieht,
ist eine ganz andere Frage!
22. Wir werden nun versuchen unter dem Aspekt diesen
elementaren Marktvorgang diesen Hamiltonschen Operatoren semantisch zu belegen.
Wir gehen dabei von dem Faktum aus, dass ihre mathematisch gegebene Reihenfolge
– sowie auch die des Marktverkehrs – wesentlich ist. Wir haben in der Tat
genau drei Operatorfunktionen dargestellt: 1. Eine existentielle Bestätigung, 2. eine analytische
„Scannung“, 3. eine synthetische
Auswahlhandlung – und abschließend nochmals eine existentielle Bestätigung
(1.). Unter diesem semantischen Aspekt werden wir im folgenden die drei
imaginären Operatoren folgendermaßen interpretieren:
Hier kommt jedoch noch einmal
der innere Widerspruch der m-Terme
zum Ausdruck. Diese matn-Terme
werden zunächst k-synthetisiert,
danach auch i-bestätigt. Genau diese
letzte Operatorfunktion wird z.B. bei dem Übergang
qt ® mq realisiert – oder kann
realisiert werden, was eben notwendig ist, um vollständige Selbst-Referenz zu
realisieren. Stockt aber die Entwicklung bei der vorbereitenden k-Synthese (wie in der Marxschen Geldanalyse), lässt sich nur
Autoreferenz realisieren (mit der Möglichkeit von Krisen). Das bezeugt den
Widerspruch des m-Moments, wie wir es bisher behandelt haben – und damit auch das
eigentlich formale Problem der Schranke. Wir müssen also unterscheiden zwischen
einem nur k-synthetisierten oder
einen auch i-bestätigten
m-Moment. So können wir auch
die Schranke als solche formal definieren: bei ihr ist es zwar möglich das
m-Moment zu k-synthetisierten,
es nicht aber auch zu i-bestätigten.
Was die Probleme des t-Moments
angeht, werden wir weiter unten zu sprechen kommen.
23. Aus der oben dargestellten Interpretation folgt nun,
dass der Modellvorgang, der zum Sphärenübergang führt, folgendes Ergebnis
hat: ijk = ‑1. Dies fordert
notwendig eine Fortsetzung. Wir brauchen einen Durchlauf in einer zweiten Sphäre,
die uns in gleicher Darstellungsweise zum Ausgangspunkt zurückführt: ‑ijk = 1. Wir haben also den Vorzeichenwechsel + ® – ® +. Dies schließt in der Tat
das vollständige Marxsche Kategoriensystem ein, so dass wir mit diesen Symbolen
leicht und widerspruchsfrei alle Funktionen unserer ganzen Marxschen
„Kategorienfläche“ (n = 0, 1)
darstellen können. Das einzige Problem dabei ist nochmals, dass die endliche
Bestätigung der Kategorie mq
ausbleibt, denn mq
¹ f . Brauchen wir Marx vorwerfen,
dass er seine Gelddefinition nicht vollbracht hat? Im Gegenteil!
24. Nun besteht aber das Problem darin, dass unser
Kategorienzirkel mit drei Sphären und also drei Dimensionen operiert, obwohl
wir uns schon oben sogar der Frage einer vierten Dimension genähert haben.
Andererseits ist schon bemerkt, dass Hamiltons Quaternionen die mathematische Beschreibung vier-dimensionaler Räume
erschließt. Was tun?
Gehen wir wieder von unserem Einheitsmaß e
= 1 aus, wäre für jede Dimension in der Tat von der vierten Wurzel
dieses realen Eins auszugehen. Hätten wir nur zwei Wurzeln zu suchen, wäre es
sehr leicht, denn √1 = ±1 (12 = (-1)2 = 1). Suchen
wir aber die vierten Wurzeln von 1, 4√1, müssen wir auch mit
der Wurzel von -1 operieren, die traditionell eben i
genannt wird: √-1 = i, wobei
aber auch √-1 = ‑i gilt. Alle vier Wurzel 1 wäre also gemeinsam als
±1√±1 zu schreiben. Oder ausgeschrieben, wenn wir davon ausgehen,
dass der Vorzeichenwechsel immer nur das eine Vorzeichen betrifft: +1, –1,
–√-1, +√-1. Und kürzer: 1, –1, –i,
i.[14]
Unter diesen Voraussetzungen – eben als „Setzungen“, können wir
nun das ganze Kategoriensystem „Hamiltonisch“ durchlaufen. Und das wird in
der Tat nicht ganz ohne Überraschung geschehen. Sehen wir uns die Sache genauer
an. Den Ausdruck (±Ö±1)ijk lösen wir nun als fortschreitende Vorzeichenwechsel folgendermaßen auf,
wobei wir also bei jedem Schritt jemals nur ein Vorzeichen ändern:
(I)
+1 ®
(II) –1
®
(III) (–1Ö–1) [= –i]
® (IV)
(+1Ö–1) [= i].
Die Punkte (I) und (II) sind
hier unproblematisch. Das Vorzeichen bei Punkt (III) ist aber hier ‑i;
danach wird wieder der Operator i
folgen. Da aber ‑ii = +1, kann die Operatorreihe „ungestört“ weitergehen:
+jk = i. Und dasselbe ergibt sich in der Tat auch aus Punkt (IV): Hier ist
das Vorzeichen schon i (= +i),
und wir sind schon dabei, Sphäre I neu anzufangen.[15] In beiden Fällen scheint
das Problem schon gelöst. So heißt die ganze Reihe des Kategoriensystems:
I+ijk
®
II‑ijk
®
III(‑i)ijk ®
IV=I(+)ijk…
Wir gingen von der Vorstellung
eines imaginären vierdimensionalen Raumes aus, dimensional als Fläche2. Durch Verwendung dieses Hamiltonischen
Operatorformalismus hat sich aber dieser Raum „vom selbst“ auf die drei
Dimensionen (die des Darstellungsraumes) reduziert. Der Widerspruch ist
aufgehoben. Danach kann der Kategorienzirkel wie in Figur V.1 dargestellt
gezeichnet werden.
Figur V.1 Quaternionzirkel
25. So ist wirklich dieser Quaternionformalismus, besonders das Einheitsmaß
der vollständigen mathematischen
Symmetriegruppe, als allgemeines Modell zyklischer Kategorienstrukturen
zu interpretieren, wodurch auch einwandfrei der vierdimensionale imaginäre Raum
(als Fläche2) auf die
Dreidimensionalität des vorausgesetzten Kategoriensystems reduziert wird. Damit
scheint die Hauptaufgabe dieser Arbeit gelöst. (Siehe hierzu doch auch Pkt.
29.)
26. Werfen wir jedoch noch einmal einen kurzen Blick auf
den Kategorienzirkel Figur III.1, indem wir dabei auch den besonderen Eins-Wert
√‑1 = i mit einschließen.
Wir haben gesehen, dass die m-Momente zunächst k-synthetisiert,
erst danach i-realisiert, d.h.
„bestätigt“, „existentialisiert“, „bewertet“ oder
„substantialisiert“ werden. Betrachten wir dazu die Produktionsschleife (Figur III.2 für die Pkt. III.27 und III.28), die das Produktionsverhältnis
zwischen Kapitalist (innerer Zirkel) und Arbeiter, bzw. Händler (zweiter
Zirkel), so erhalten wir ein Bild des Verhältnisses, das wir in Figur V.2 in
ganz allgemeiner Form darstellen können. Wir setzen in diesem ersten Fall [x] =
[1], [y] = [‑1] und [z] = [-i].
Die
f-Person des inneren Zirkels,
der Kapitalist (Pos. 11), leitet die Beziehung zum Arbeiter ein, der dann die
Bewegungsform v des zweiten Zirkels
einnimmt (Pos. 21). Der Vertrag führt für beide zunächst zur Entwicklung [1]i
(f) × j
(v) × k ( p
) = [-1] = [y] Für den j-analysierenden
Arbeiter (Pos. 21) bedeutet dies die k-Synthetisierung
seines p (Pos. 22), das ihm dann in
Form des ausbezahlten Lohn als der existierende Wert [‑1]i ( p ) bestätigt wird.
Auch der Kapitalist (Pos. 13) muss diesem
Lohn als [‑1]i = [y]i
( p ) bestätigen (bemerk hier das
„schräge“ „Gleichheitszeichen“ der Figur). Mit diesem Lohn muss nun der
Arbeiter zum Markt gehen, um dort die Angebote in Bezug auf Gebrauchswerte zu j-analysieren
(Pos. 23), wobei seine Wünsche sich in eine besondere Ware k-synthetisiert (Pos. 13; [y]k).
Diese Wahl bestätigt der Arbeiter in der Form von [z]i = -ii = 1. Dabei hat ja
der Kapitalist/Verkäufer (Pos. 13) sich den Wert von [‑1]i
= [y]i ( p’ ) angeeignet.

Figur V.2: „Schleife“
mit imaginären Operatoren
Wir sehen also, dass hier
Position 13 – von den beiden Standorten aus betrachtet – doppelt, d.h.
widersprüchlich bestimmt ist; einerseits von Seite des Kapitalisten/Verkäufers
als [y]i, andererseits von Seite des
rangniedrigeren Arbeiters/Käufers mit dem dritten Eins-Wert [z]i.
Dieses formale Problem ist jedoch vermeidbar. Wir definierten den Operator k
als Synthesis-Operator. Das Moment synthetisiert dabei für sich selbst als Person seine Substanz- oder Existenzbehauptung.
Dagegen könnte Aneignung jedoch sehr wohl als Synthesis für oder durch andere definiert werden; also können wir mit
gewisser Rechtfertigung in diesem Fall statt den Operator k nun auch den negativen Operator ‑k als besonderen Aneignungs-Operator
definieren. In dem Fall heißt die Positionsfolge 22-23-13 dann: [y]ij‑k
(= 1), und diese Folge führt dann zum ursprünglichen Initialwert, hier [y] =
‑1, zurück.
Im zweiten Fall, in der zweiten Schleife der Zirkulationssphäre (n
= 1; vgl. Figur III.3 zum Kreditkauf, Pkt. 29), haben wir im Prinzip den
gleichen Vorgang, nur mit neuen Eins-Werten [x] = [‑1], [y] = [-i]
und [z] = [i] = *i (wobei * das eins-ähnliche Vorzeichen (+) bedeuten soll). Der
Kapitalist ([x]i; Pos. 11) analysiert
die Verkaufsangebote (Pos. 21), die ihm preisbillig erscheinen ([x]j;
Pos. 22), braucht sie aber nicht sofort zu bezahlen, denn der Wert [-i]i
wird für ihn erst später bestätigt ([y]i;
Pos. 13), wenn diese Sachen ihren eigentlichen „Sinn“ als [z] = [i]
= *i (Pos. 13) durch ihre Aneignung
bestätigt haben. Dieses *i erscheint
hier wieder als [z] = *i, ist aber
kategorial nicht mit der Bestimmung [y]i
(Pos. 13) identisch. Wieder haben wir die Folge [y]ij-k = [y]i, und der
Widerspruch ist somit aufgehoben, insofern wir den negativen Operator -k
als Aneignungsfunktion auffassen; die auf Kredit gekauften Sachen haben dann
für den Kapitalisten ihren Nutzen schon bewiesen, wenn die Zahlung fällig ist.
In der dritten Schleife (n
= 2) mit den Eins-Werten [x] = [-i],
[y] = [i] und [z] = [+1], also bei der höheren Sinnrealisierung des
gesellschaftlichen Treibens [-i]i
( mq ) (Pos. 11) über (Pos. 21)
[-i]j
( qt ) zu (Pos. 22) [-i]k,
das als [+1]i ( mqt ) bestätigt (schräges
Gleichheitszeichen). So tritt wieder [y] = [z]i als Reduktion auf ( mqt
≈ f ). Die Form [y] ( mqt )
≈ [z]i ( f ) repräsentiert
also in sich die höchste imaginäre gesellschaftliche Sinnrealisierung, die
sich im kollektiven „Bewusstsein“ der neuen Generation in Form von
i ( f
) (= [+1]i) niederschlägt. Dagegen haben wir in Pos. 23 die Bewegungsform
[y]j ( qt2 ) = ij (≈
[1]j ( v )), die uns durch
die Synthese ‑k (Pos. 13) zu [j‑k
= ‑i] ( f ) zurückführen
sollte. Erlauben wir uns nochmals von der Vorstellung einer Aneignungsfunktion
auszugehen, heißt die Entwicklung der Positionsfolge 22-23-13 eben ij‑k
= +1. Die nächste Reihe ijk ist dann
identisch auch mit dem mit ausgeschriebene Vorzeichen (+)ijk.
Wenn ‑k-Synthese realisiert wird ist also zu schließen, dass der
betreffende Prozess nicht die einmal gegebene Sphäre verlässt; kein Sphärenübergang
kommt somit hier vor. Wir stellen uns nur vor, dass das neue Individuum ( f
) sich den ganzen kulturellen Sinn des Treibens seiner Gesellschaft (Stamm etc.)
„aneignet“:
[+1]ijk ®
[‑1]ijk ®
[-i]ijk ® [i]j‑k
= [+1]i…
Damit wäre also wieder das Problem gelöst. Man könnte jedoch fragen, ob es hier immer von „Aneignung“ im eigentlichen Sinn des Worts geht.
Nachtrag:
Statt den ”Aneignungoperator” als –k
zu betrachten, wäre es vielleicht besser ihn als dessen komplex konjugierten k*
anzugeben.
Anlässlich der Darstellung des Vogelflugs in der Fußnote
76 ließen sich entsprechend die in Praxis tatsächlich nur implizit bestätigten
Situationen (Tn,On) formal vielleicht als i*
anführen.
27. Damit scheinen sich sogar die leider nicht immer ganz
klar definierten Produkte matn
endgültig aufzulösen – und somit unser ganzes
mat-System! Wir haben uns mit
gesellschaftlichen, d.h. sozial lebenden Menschen in ihrer Umwelt, mit persönlichen,
individualistischen und kollektiven Beziehungen und Ergebnissen menschlicher
Arbeit – sowohl materieller als geistiger Art – zu tun; solche Themen liegen
jedoch außerhalb der Welt traditioneller Mathematik. Was bedeutet hier z.B.
„Ich-Bezogenheit“? Es gibt aber nichts in unserem Weltbild, das nicht ein
solches menschliches – und somit auch Ich-bezogenes – Ergebnis ist oder
mindestens werden kann. Und was es so nicht in unserem Weltbild geben kann und
somit auch nicht zu wissen ist, davon können wir gar nichts sagen! Es existiert
für uns, d.h. in unserer „Umwelt“ tatsächlich nichts, das nicht schon
irgendwie in unserem Bewusstsein existiert.
Jedes
m indiziert eigentlich nur diese besondere k-synthetische Existenzform eines solchen geistigen Ergebnisses des
Gattungslebens. Um aber auch begrifflich Existenz
für uns zu haben, wird noch der imaginäre i‑Operator
benötigt. Der bekannte „blinde Fleck“ unserer Kulturepoche ist vielleicht
eben das Problem dieser Doppelbestimmung der
m-Momente. Wie weit ist unsere
ganze gängige Erkenntnistheorie sich eigentlich klar, was den Begriff von einer
Anschauung unterscheidet? Das war ja immer das Thema dieser Untersuchung.
28. Was das noch
ausstehende Problem des Symbols t
betrifft, ist die Sache gewiss komplizierter. Auf der einen Seite
bedeutet das Symbol t
die „normale“, reale Zeitdimension wie z.B. in Ausdrücken wie
a×t = v, ¦×t = p,
v×t = q, wobei aber in den Fällen p×t = mq,
q×t = qt usw. die t-Faktoren
gleichzeitig kategorial auch als Sphärenindices gebraucht wurden. Da aber im
alltäglichem Leben die t-Zeit
auch die mittels einer Uhr (oder eines Kalenders) abgelesene Zahl bedeuten kann,
sind die t-Terme mehrdeutig, indem sie keine Sphärenübergänge zu
implizieren brauchen – wenn wir also nicht (z.B. durch einen Negativoperator)
in der gleichen Sphäre verbleiben und t
also nochmals als eine „Zeit“ zu interpretieren ist. Deshalb wurde
hier in Verbindung mit dem Hamiltonischen Operatorformalismus besondere Sphärenindices
eingeführt, und zwar die vier Eins-Formen
4√1 als
Vorzeichen +1 , –1 . –i und i. Das sollte dann die widersprüchliche
t-Symbole insofern als Sphärenindices
benutzt durch exakte mathematische Zeichen ersetzen.
Errata:
Grundsätzlich, so auch hier in 3. Zeile, scheint das
Wurzelzeichen im Drucksatz ausgefallen: „die viel Eins-Formen vierte Wurzel
von 1…“
Ähnlich auch Seite 234, 17. Zeile, und S. 238, 4. Zeile:
„Wurzelauflösung 1= (sechste Wurzel von 1) hoch 6…“ sowie auch in Fußnote
65: „1, -1, Wurzel 1 und Wurzel -1“.
Im nächsten Abschnitt sind auch die Zeichen für pi und
phi ausgefallen in (e, , usw).
29. Diese Überlegungen machen es
auch möglich, das Messergebnis nM
(z.B. als Preisangabe) zu j-analysieren.
Das M gibt an, welche Domäne analysiert wurde (in Hinsicht auf Ökonomie,
Länge, Schwere, Dauer, elektrische Spannung, Stromstärke etc.), wonach sich
die Messfunktion zum Resultat k-synthetisierte.
Das n repräsentiert hier die
numerische i-Bestätigung dieses
Resultats, die der Messende unternimmt (ganz wie der Weber und der Schneider am
Markt es tun – und mit genau denselben Risiken!). Demnach wäre zu vermuten,
dass sich Mathematik im allgemeinen Gebiet des
qt2
bewegt, wobei sich wieder besondere Konstanten sich an der
mqt2-Schranke k-synthetisieren
können, die wir dann die „transzendenten“ Zahlen nennen (e,
π, Φ usw.). Ich lasse die Frage offen stehen.
Endlich sehen wir, dass auch
die Notwendigkeit der nicht ganz ästhetischen
t‑3-Reduktion
aufgehoben ist; mit dem Vorzeichenwechsel des Quaterniumformalismus hat sich
dieses Verfahren erübrigt. Die Zyklizität ist schon mit dem neuen Formalismus
(den Vorzeichenwechsel) gegeben.
30. Übrig bleibt dann die sog. „Potentialität“, für
die wir das ständige a angeführt haben. Mit
der Einführung von Hamiltons imaginären Vektorebenen verliert jedoch auch das
a
als solches seine tiefere Bedeutung. „Potentialität“ haben wir
ja schon mittels der imaginären Q-informationellen Vektoren als deren Rotation
definiert, bis endlich sich eine bestimmte Einstellung des Vektors ergibt; jedes
Resultat drückt somit den ganzen komplexen ijk-Zyklus
aus. Auch diesen Term a als solchen haben wir
nicht mehr nötig; er ist schon in der Vektoranalyse enthalten.
31. In I.15 wurde an Hand eines Marxzitats (S. 27) die
Frage der Darstellungsweise erörtert. Diese muss sich „formell von der
[empirischen] Forschungsweise unterscheiden.“ Gelingt es aber, die wirkliche
Bewegung entsprechend darzustellen, so dass „sich nun das Leben des Stoffs
ideell wider(spiegelt), so mag es aussehn, als habe man es mit einer
Konstruktion a priori zu tun.“ Es fragt sich also, ob diese letzte
Darstellungsweise sich – mindestens für unseren Kulturkreis – als eine
solche „Konstruktion a priori“ aufzufassen ist.
32. Eine letzte Bemerkung hier soll die wesentliche Kategorie „Gattung“
als solche behandeln. Wir haben – weitgehend der Marxschen politischen Ökonomie
aus Das Kapital folgend – die
kapitalistische Gesellschaftsformation unter dem Gesichtspunkt ihrer
Gattungsform (als Gattungsformation) analysiert. Dabei haben wir eine Reihe
dieser Marxschen Kategorien herausdestilliert, was dazu geführt hat, dass diese
selbst als theoretische Gattung auftreten. Damit ist gemeint, dass diese
Kategorien in sich nur gemeinsam in ihrem systemischen, sozusagen
zyklisch-folgerichtigen Zusammenhang zu verstehen sind; nur in einem solchen
Zusammenhang wird klar, dass sie einerseits nur gegenseitig definierbar sind,
andererseits nur zusammen ein zusammenhängendes theoretisches Gebäude bilden,
in dem sie zueinander in ganz bestimmten Beziehungen stehen. Allein von Werten
und Gebrauchswerte, ohne z.B. auch vom Nutzen zu sprechen, hat also wenig Sinn.
Meines Erachtens ist diese Einsicht philosophisch
entscheidend. Sie impliziert, dass die Ganzheit dieses Kategoriensystems vollständig
ist; so wäre es auch unmöglich weitere Kategorien in diese Ganzheit
hineinzubringen, ohne dabei weitere logische Probleme einzutauschen.
Andererseits ist es auch unmöglich von einer oder mehreren dieser Kategorien
abzusehen, um sie aus irgend einen Grund auszuschließen. Die Ganzheit würde
damit aufhören, ein Ganzes, eine vollständige Gattung zu bilden. Vergleich
dazu die Eins mit den drei imaginären Hamiltonischen Operatoren, die zusammen
eine vollständige mathematische Symmetriegruppe bilden, was eine ähnliche
Systembildung darstellt. Das bedeutet z.B. eben, dass die mögliche Verkürzung mq ® f in ihren Konsequenzen immer logisch unbefriedigend sein
wird.
Es fragt sich aber, wieweit es denkbar sei, dass ein
menschliches Gattungsleben unter anderen Existenzbedingungen als die unserigen
zu einem ganz anderen Kategoriensystem führen könnte als das hier
dargestellte? Die Frage ist hier nicht zu beantworten.[16]
o – 0 – o
Die Boysche Fläche
33. Der hier dargestellte Zusammenhang der drei Sphären könnte auch
bildlich und somit vielleicht leichter überschaubar dargestellt werden in Form
einer sog. Boysche Fläche. Diese wurde von Werner Boy 1901 entwickelt als
Projektion einer Fläche (Dimension 2) eines imaginären Raumes (von Dimension
4) in unserem 3-dimensionalen Darstellungsraum (vgl. hierzu Pkt.
25). Eine
solche Boysche Fläche ist überall „glatt“ (keine Singularitäten), dagegen
selbstdurchschneidend.[17]
Die Fläche besteht aus drei gleichgebildeten sich schneidenden Flächenteilen,
so dass dabei ein innerer Tripelpunkt als Schneidungspunkt entsteht. Die
Besonderheit dieser Fläche ist u.a., dass ein geschlossener Streifen aus diese
Fläche ausgeschnitten ein Möbius-Band darstellt. An dieser Boyschen Fläche
ist an und für sich das darzustellen, was in diesem Kapitel mit Operatoren
versucht wurde, jedoch nur in halb-empirischer Weise. Sie besitzt aber eine
unmittelbare Sinnlichkeit, die vielleicht das Verständnis der Sache erleichtern
wird, keineswegs aber die formale Stringenz einer Operatordarstellung.[18]
Ein Möbius-Band ist am leichtesten praktisch zu erklären.
Schneide aus einem Bogen Papier einen langen Streifen. Er wird die Form eines
Rechtecks haben. Leimt man die Enden zusammen, entsteht ein flacher Zylinder.
Seine Oberfläche hat zwei Kanten, und das Papier hat (natürlich!) eine
Innerseite und eine Außenseite. Scheide nun wieder diesen Streifen an einer
Stelle durch, vollführe mit den einen der Enden eine halbe Umdrehung und leime
die Enden wieder so zusammen. Wie viele Kanten hat das Papier jetzt? Versuche
die eine Seite des Papiers z.B. mit einem Bleistift durch eine durchgehende
Linie zu markieren. Es wird sich zeigen, dass diese Fläche nun nur eine Kante
hat, und dass es unmöglich ist, überhaupt von Innen- und Außenseite des
Papiers zu sprechen. Diese einkantige Fläche ist „unorientiert“ – was in
unserer Darstellung dem Hamiltonischen Operatorprodukte den Vorzeichenwechsel
entspricht. Dasselbe gilt von der ganzen Fläche als solcher: was hier „nach
außen“ gekehrt ist, kehrt sich dort „nach innen“.
Würde man versuchen, aus dieser Boy-Fläche einen
zusammenhängenden Streifen herausschneiden, der im gleichen Maße aus allen
Teilen der Fläche herausgenommen wird (oder sich eine Bahn vorstellen, die
gleichermaßen die ganze Figur durchquert), wobei man also auch Rücksicht
nehmen muss sowohl an die Orientierung ( + oder – ) als auch
Bewegungsrichtung, dann zeigt sich, wie Kompliziert diese Figur tatsächlich
ist.
In diesem Schema ist ein einziger solcher Streifen oder
eine solche Bahn mit seinen Orientierungen angegeben, + und – im Sinne des
oben angeführten Möbius-Bandes, wobei gleichzeitig die Pfeile → und
← die Orientierungsrichtung weg vom, bzw. auf dem „Pol“ hinzu, so dass
am Schema die fette Rechtspfeile die Bewegung vom „Pol“ weg auf der +-Seite
(„Oberseite“) bedeutet. Dazu kommt, dass es für jedes dieser 12 Schritte 2 Entscheidungsmöglichkeiten
gibt, z.B. von Teil A sowohl nach Teil B und C. Man bemerkt den Zusammenhang von
Dreier- und Viererschritte und so die ganze Einheitlichkeit dieser Boy-Fläche.[19]
Nochmals zum Problem der Schranken
34. Die Gödelsche Weisheit besagt auf der einen Seite, dass die Vollständigkeit
eines abgeschlossenen Systems nicht mit den Mitteln dieses Systems selbst
widerspruchsfrei zu beweisen ist; andererseits, wenn widerspruchsfrei, ist seine
mögliche Abgeschlossenheit nicht zu beweisen. Ich meine, diese Weisheit wurde
hier bestätigt. Ich habe Marxens Begriffssystem in seinen Augen als
widerspruchsfrei betrachtet, habe aber dann zeigen können, dass es nicht
abgeschlossen war. Diese beiden Gödelschen Behauptungen haben dazu geführt,
dass ich für das Marxsche Begriffssystem eine gewisse Schranke behauptet habe
und also auch zu bestimmen versuchte.
Die Widersprüche des Marxschen Begriffssystems haben weiter dazu geführt,
dass wir die Formen mq × qt bis zur Form
mqt
eingeführt haben, um den Übergang zum neuen
f realisieren zu können
– ohne doch die Möglichkeit von
mqt × qt2-Formen
auszuschließen. Dies erinnert an einen weiteren – noch nicht klar
ausgesprochenen – Widerspruch bei der Verwendung der Hamiltonischen imaginären
Operatoren, der jedoch auf die Dauer nicht unerwähnt bleiben darf (siehe dazu
aber noch den Dialog mit Walter Rella am Schluss des Kapitels). Obwohl aus drei
imaginären Operatoren bestehend, ist implizit doch in diesem System ein
vierdimensionaler Raum vorausgesetzt, den ich (an Peter Plichta anlehnend) als Fläche2
charakterisiert habe. Marx charakterisierte die erste, sozusagen „reale“
Fläche, wobei die zweite „imaginäre“ Fläche die „geistigen“ Formen
repräsentiert, weil ja vier „Vorzeichen-Wurzeln“ als Lösung des
vierdimensionalen e als „Einheitsmaß“
vorgeschlagen wurde, +1, –1, ‑i,
und i. Nur, dieses letzte
„Vorzeichen“ wurde nicht als solches benutzt. So stellt dieses
„Vorzeichen“ doch ein Problem dar! Oder eine formal neue Möglichkeit?
Was ist also von diesem letzten Vorzeichen zu sagen, wenn
wir doch von vier Wurzeln des e-„Einheitsmaßes“
ausgehen müssen? Nach Hamilton müssten wir das Vorzeichen nach jedem durchgeführten
Operatortripel wechseln, +, –. Nach dem zweiten Durchlauf aber müssten wir
schon das dritte Vorzeichen ‑i setzen,
und das nächste würde dann i
lauten. Das haben wir jedoch oben als den ganz „glatten“ Übergang ins neue,
positive Operatortripel interpretiert, also gar nicht als besonderes Vorzeichen
expliziert, was dann aber den vierten imaginären Operatorterm ausschließ. So
passt die Darstellung doch einigermaßen zu unserem normalen dreidimensionalen
„Weltbild“ als Darstellungsraum unserer Betrachtungen.
Wenn wir aber alle viel Vorzeichen benutzen, +, –, ‑i
und i, ist die Lösung dieses
Problems gewiss weniger klar. Das vierte Operatortripel würde dann IV[i]ijk
heißen. Dieser würde jedoch (wenn wir von der ‑k-Möglichkeit absehen) nicht unbedingt zum neuen V-I[+]-Tripel
führen, eher schon zum II[–]-Tripel, je nach Auffassung der
Vorzeichenfunktion. Bei der ersten Schranke haben wir ein analoges Problem
dadurch gelöst, dass wir statt [+] das Vorzeichen [–i] setzten. Können wir
hier bei der zweiten Schranke das Problem in gleicher Weise lösen, dass wir
also hier umgekehrt auch statt [–i]
das Vorzeichen [+] setzen?
Das würde dann, solange wir die Verbindung zwischen [+] und [‑i] und damit diese Setzungen
nicht expliziert haben, bedeuten, dass wir überhaupt die Schranken[20]
als solche als immer noch offenes theoretisches Problem anerkennen müssen –
und so auch das Problem der „Flächen“.
Man frage sich: Könnte es mehr als zwei solche geben?
So müssen wir mindestens auch anerkennen, dass in der Tat
die mqt
× qt2-Form aus dem System nicht ganz auszuschließen wäre,
obwohl eine Form mqt2 kategorial
nie zu „bestätigen“ sei. Das wäre im dreidimensionalen Darstellungsraum
nicht möglich. Das war auch das Problem der sich durchschneidenden Boysche Fläche.
Wollen wir unbedingt diese letzte dimensionale Form mit einbeziehen, werden wir
in dieselben Schwierigkeiten geraten wie früher schon Marx.
Also müssen wir auch im Sinne Gödels darauf vorbereitet
sein, dass, falls das hier dargelegte System kategorial widerspruchsfrei sein
sollte, dann tatsächlich auch unmöglich, einwandfrei eine Form
mqt2
kategorial zu definieren, um das System zu vervollständigen. Lassen wir
uns also gar nicht darauf ein! Diese Form muss also als die zweite Schranke
akzeptiert werden, die diesmal unser über-Marx-hinaus-gehenden System betrifft.
Die anschließende Diskussion zwischen Walter Rella und
mir hat jedoch zu einer überraschenden Erweiterung der ganzen Perspektive geführt.
Aber selbst damit ist gewiss noch nicht das letzte Wort gesagt!
o – o –
0 – o – o
An der Zweiten Schranke: Ist sie absolut?
Diskussion: Walter
Rella und Raymond Swing
RS: Im Zuge der dialektischen Entwicklung des matn-Systems sind zwei Schranken definiert. Die Erste
Schranke gilt für die t-Dimension n
= 2 und wurde von mir die „Marx’sche Schranke“ genannt. Sie hatte mit
dem gemünzten Gelde (der „Währung“) zu tun. Die Zweite Schranke gilt für n
= 4. Sie hat mit einer endgültigen Wahrheit zu tun, auf welche sich eine
Gesellschaft, will sie „ewig“ leben, verpflichten muss – ohne sie jedoch
endgültig bestimmen zu können. Beide Schranken sind mit dem
m-Moment belegt, zwar k-synthetisch
generiert, nicht aber fähig der i-Bestätigung.
So werden also die matn-Formen (n
= 2, die Marxsche Schranke; n = 4, die
Zweite Schranke) nur einseitig bestimmt, d.h. ohne sich gleichzeitig als
Grundlage der nächsten Sphäre weiter zu entfalten (z.B. ohne mögliche weitere
Ausdrücke, Bilder usw. von der Form at5).
Das meinte ich mit dem Bild, dass hinter diesen Schranken (wenn eben als
Schranken definiert) kein erfahrbarer „Beamter“ steht, der im Stande ist,
seinen „Klienten“ so zu informieren, dass diese sich quasi
selbstreferentiell informiert werden, so dass dadurch deren gesellschaftliche
Probleme aufgehellt wären. Vielmehr kann ein solcher „stummer“
(nicht-existierender) Staatsangestellter seiner Klienten-Gesellschaft höchstens
gewisse autoreferentielle Ideen nahe bringen, nie aber diese in einer wirklich
„bewerteten“ Form darstellen, die eben selbst entsprechende Erscheinungs-
oder „Träger“-formen erfordern müsste.[21]
Eine solche abstrakte, irgendwie allumfassende „Weisheit“, als die „Eine
Wahrheit“, als „Einz“ usw. aufgefasst – oder z.B. als religiöser
Ausdruck einer menschlichen Beziehung zu einer unbedingten (dann aber auch nicht
näher bestimmbaren) Instanz, z.B. als einen „Gott Vater“, würde sich eben
nie i-bestätigen lassen.[22]
Dazu ist wohl noch eines hinzuzufügen. Würde es einer
mat4-Form gelingen,
sich zu i-bestätigen, dann würde
daraus auch folgen, dass sich weiterhin die j- und k-Operatoren betätigen
würden. Wir erhielten dann eine mat5-Form
mit denselben Problemen wie vorher die mat4-Form,
und letztlich gelangten wir dann in einen unendlichen Regress von matn-Formen (n
= 6, 7, 8, …), der in sich jede Zyklizität ausschließen würde. So fühle
ich mich also wirklich gezwungen, diese Zweite Schranke nicht nur praktisch
sondern auch theoretisch als absolut zu akzeptieren.
WR: Ich sehe nicht ein, wenn es Dir möglich war, die erste (Marx’sche)
Schranke zu überspringen, warum es nicht auch möglich sein sollte, über die
zweite Schranke, die Du für absolut hältst, hinweg zu kommen. Zu diesem Zweck
sollten wir genau auf jene Voraussetzungen schauen, welche es Dir möglich
machten, über Marx hinaus zu gehen. Marx leitete das Geld aus dem einfachen
Tausch über mehrere Stufen (j-Analysen
und k-Synthesen mit ihren i-Bestätigungen)
bis zur Stufe des allgemeinen Tauschmittels ab. Grundlage jeden Tausches ist es,
durch Feilschen (zwischen Warenbesitzer und Kunden) Tauschwert und Gebrauchswert
einer Ware in Einklang zu bringen. Hinter diesem Prozess stehen eben die
Subjektivitäten. Marx betrachtete von seiner Voraussetzung her auch Gold als
Ware mit ihrem Tausch- und Gebrauchswert, und er hatte Recht: denn Gold hat als
Schmuck oder Kultgegenstand durchaus seinen Gebrauchswert. Bis hierher reicht
die Marx’sche Entwicklung. Du aber bist weitergegangen und hast aus dem Gold
das gemünzte Geld hergeleitet
Beim gemünzten Geld verschwindet die eine Ware kennzeichnende dialektische
Verknüpfung von Tausch- und Gebrauchswert: Der Gebrauchswert gemünzten Geldes
ist sein Tauschwert und sein Tauschwert ist der Gebrauchswert. Du hast auf
diesen Umstand hingewiesen (besonders in V.12) und Du hast auch nicht unerwähnt
gelassen, dass ob dieses Umstandes die materielle Ausformung des Geldes ganz
gleichgültig geworden ist und somit auch Banknoten wie ein ideelles Rechengeld
funktionieren können. In einer späteren Ergänzung hast Du die Dialektik
dieses Prozesses mithilfe des mat-Formalismus
elegant analysiert und gezeigt, dass durch die doppelte Negation das m-Moment
in die zeitdimensional nächste Sphäre überführt wird. Das nun ist der
entscheidende Schrankensprung, dessen Konsequenzen aber von Dir, wie mir
scheint, nicht vollständig bedacht werden. Was ist das für eine Subjektivität
(m-Moment), die in der nächsten Sphäre
auftaucht? Offenbar haben die Subjektivitäten von Produzent und Konsument,
welche hinter der Dialektik des Tausches standen, keinen Einfluss auf den Wert
der Münze oder des Geldes. Dieser Wert wird nicht durch Feilschen festgelegt,
denn dazu bedürfte es ja der dialektischen Differenz des Warenbegriffs. Dennoch
birgt auch die Münze eine dialektische Differenz in sich: Jede Münze besitzt
zwei Seiten: Auf der einen Seite steht ihr Wert (Gebrauchs- und Tauschwert), auf
der anderen Seite ist das Bildnis des Herrschers oder ein staatliches Logo
eingeprägt. Hier taucht eine ganz neue Subjektivität auf, die bisher mit dem
Marktgeschehen nicht das Geringste zu tun hatte: der Herrscher oder der Staat.
Er tritt als Garant für den Wert der Münze auf. Demnach gibt es ein Abkommen
zwischen dem Herrscher oder Staat als dem Wertgaranten der Münze und der
Gesellschaft, in welcher jene Münzen in Umlauf sind.
Man sieht also, dass das dialektische Verhältnis nun mutiert und auf eine
neue Ebene gehoben wurde. Keinesfalls scheint es so zu sein, wie Du meinst, dass
nämlich nur das eine – akzidentelle – Bein der ursprünglichen Subjektivität sich in der neuen Sphäre aufhalte.
Vielmehr sind diese ursprünglichen Subjektivitäten verschwunden und haben einer neuen dialektisch differenzierten
Subjektivität Platz gemacht…
RS: – aber das eben erst, wenn der Sphärenübergang auch subjektiv bestätigt
ist; vgl. den Unterschied zwischen Auto- und Selbstreferentialität!
WR: Diese Bestätigung liegt ja vor, in Form der historischen Differenzierung
von Herrscher und Untertanen. Es ist aber klar, dass diese neuen Subjektivitäten
nicht das Resultat jenes dialektischen Sprunges sind, aus welchem Münz- und
Rechengeld hervorgegangen sind. Vielmehr waren sie schon vorher da. Eben deshalb
waren sie in der Lage die notwendige i-Bestätigung
für den Sphärenübergang zu liefern. Entsprechend den geänderten Subjektivitäten
hat sich nun auch die „Ware“, um welche gefeilscht wird, geändert. Beide
Subjektivitäten feilschen miteinander um den Gebrauchs- und Tauschwert der Münze,
welche nun aber ein Äquivalent für den Wert gesellschaftlicher Arbeit
darstellt. Der Herrscher will einen möglichst hohen Tauschwert seiner Münze.
Das kann er unter anderem dadurch erreichen, dass er den Arbeitern einen möglichst
geringen Lohn bezahlt. Die Gesellschaft (die Besitzerin von Arbeitskraft)
hingegen ist an einem möglichst hohen Gebrauchswert der Münze (als Entgelt für
die Arbeit) interessiert. Dafür eignen sich unter anderen gewerkschaftliche
Strategien, welche allerdings erst durch die Aufklärung ermöglicht wurden. Die
schon vor der Aufklärung von den Arbeitern genutzte Strategie bestand in der
Etablierung von Zünften, welche sowohl als primitive Gewerkschaft, mehr noch
aber als Anwalt der Künste und Fertigkeiten funktionierten.
Das war aber nicht die einzige
Konsequenz, die sich aus der Prägung von Münzen ergab. Mit dem Verschwinden
der dialektischen Differenz von Tausch- und Gebrauchswert der geprägten Münze
war es nun möglich Geld zu thesaurieren. Im Unterschied zu Waren, die zum
Verkauf bestimmt sind, machte es nun mehr Sinn, Geld als Schatz anzuhäufen,
denn in ihm spiegelt sich jedweder Gebrauchswert. Ist das nicht der Ursprung des
Kapitals?
RS: Gewiss, denn die „sog. ursprüngliche Akkumulation“ forderte ein
Doppeltes: Erstens die Expropriation der selbständigen Bauern und Handwerker,
um sie für die neue ökonomische Entwicklung bereitzustellen, eben zu
„befreien“. Zweitens forderte diese Entwicklung eine neue Welle an
Investitionen in Fabriken und Maschinerie, d.h. große Mengen an Geld, um es
jetzt als Kapital anzulegen. Dieses Geld hatten z.B. die Engländer dadurch
erworben, dass sie die kolonialen Ökonomien brutal usurpierten...
WR: Mir geht es hier um den kategorialen Ursprung des Kapitals. Dass sich der
Kapitalist dessen bediente, um die Bauern und Handwerker, sowie die Kolonien,
auszubeuten und dass er es benötigte, um in Fabriken zu investieren, ist eine
andere Sache. Er könnte es nicht, wenn sich Münzgeld nicht dafür eignete zu
Kapital thesauriert zu werden. In der Tat geht es jedoch darum, beide
Konsequenzen gleichzeitig zu bedenken: Auf der einen Seite die Kapitalbildung,
auf der anderen Seite das Erscheinen der neuen Ware, die Marx „Arbeitskraft“
nannte. Vor der „ursprünglichen Akkumulation“ waren es Herrscher und
Untertanen, welche um diese neue „Ware“ feilschten. Nach der „ursprünglichen
Akkumulation“, nachdem also Münzgeld zu Kapital thesauriert war, waren
nunmehr die Arbeiter jene, die ihre Ware „Arbeitskraft“ anboten und die
Kapitalisten jene, die diese Ware kauften. Statt Staat (als Besitzer der Währung)
und Gesellschaft (als Besitzerin von Arbeitskraft) treten nunmehr Kapitalist und
Arbeiter als die eigentlichen Kontrahenten (Subjektivitäten) auf den Plan.
RS: Hierzu aber noch ein kleiner Einschub: Zur Bestimmung der Gesellschaft als
Besitzerin der Arbeitskraft wäre noch einiges zu überlegen, auch wenn im
Westen der Staat sich tatsächlich mit dem Kapitalisten solidarisiert hat. Es
scheint mir jedoch, dass Du hier das Wort Arbeitskraft im weiteren Sinn benutzt,
als es Marx tat, eher als die allgemeinste gesellschaftliche Fähigkeit als
solche. (WR: Du hast recht. Aber wenn
wir über Marx hinaus wollen, müssen wir m.E. auch seinen Begriff der
„Arbeitskraft“ erweitern) Andererseits unterstreichst Du, Walter, hier
selbst das Wesentliche dieser dialektischen „Mutation“, indem wir uns bei
jeder Form von Messungen (ökonomischen wie physikalischen u.a.) auf die dritte
„gesellschaftliche“ Sphäre erheben, wobei sich alle relevanten Elemente in
ideale Wertträger verwandelten („mutierten“).
WR: Kehren wir indes zurück zum „Sprung über die Schranke“, die Du ja
selbst so eindeutig vor Augen geführt hast. Schon der Sprung über diese erste
Schranke, welche mit der Etablierung geprägten Geldes verknüpft war, zeigt den
Weg, wie auch alle nachfolgenden Schranken zu überwinden sind. Die Regel
lautet: Suche nach einer neuen Subjektivität!
Ich bin zuversichtlich, dass solche neuen Subjektivitäten im rechten
Augenblick immer gefunden werden können.
Versuchen wir es nun mit der zweiten Schranke. Hier steht also nicht eine
Ware, aus welcher sich Münzgeld entwickelte, in der Mitte, sondern die
Arbeitskraft ist es, welche die Dialektik bestimmt. Dabei fällt auf, dass die
Arbeitskraft gegenüber der Ware (RS:
– eben als allgemein-generatives Moment…) ein „geistigeres“ Prinzip verkörpert,
oder, um es klarer auszudrücken, dass sie einen stärker informatorischen
Charakter trägt. So wie die Ware
besitzt auch die Arbeitskraft die Notation
p ´ q (Tausch- und Gebrauchswert), wie Du Dich auszudrücken
pflegst… (RS: gewiss –
theoretisch, aber praktisch heißt sie f ´ v [„Bewusstsein“
und Bewegung, Manipulation] – das ist eben in Bezug auf Ausbeutung der
besondere Widerspruch dieses Marx’schen Begriffs![23])
Ja freilich, Du hast recht! Ich habe
vergessen, dass wir uns ja in der nächsten Sphäre befinden.
Du hast nun selbst die weitere Entwicklung dieser besonderen Ware
dargelegt. So wie jede Ware aus Rohstoffen jeweils neu hergestellt wird, so muss
sich auch die Arbeitskraft regenerieren, um jeweils neu zur Verfügung zu
stehen. (RS: Ja, genau der Prozess,
der die ökonomische Bewertung der Arbeitskraft bestimmt!) Um diesen Kreislauf
darzustellen hast Du einen Sphärenzyklus hinzugefügt und diesen gegenüber den
darunter liegenden versetzt, um die Verschiebung der zugrunde liegenden Momente
zu zeigen. Die Geschichte hat indes gezeigt, dass die Entwicklung nicht in
dieser Zyklizität hängen bleibt. Du erwähnst, dass die Regeneration der
Arbeitskraft (vermöge körperlich-physiologischer Prozesse) die Marx`sche
Schranke überwinde. In Kap. I,11 kommst Du auf diese Regeneration zu sprechen.
Ich kann nicht verstehen, wie dadurch eine Schranke überwunden wird. Wir
bewegen uns mit dem Konzept Arbeitskraft = Ware doch in Theorie II. Die
Entfaltung der Ware zum allgemeinen Tauschmittel hingegen ist Theorie I. Beide
Theorien entfalten sich analog. Dass Waren (aus Rohstoffen) wieder hergestellt
werden müssen, diese Art Zyklizität ist ein wesentliches Element von Theorie
I. Infolgedessen ist auch die Regeneration von Arbeitskraft ein wesentliches
Element von Theorie II – da wird gar keine Schranke gesprengt, sondern im
Gegenteil bloß eine elementare Zyklizität, ohne welche Theorie II nicht
funktionieren könnte, etabliert. Marx erwähnt sie nicht. Das ist gewiss ein
Mangel an seinem System, den Du ausgleichen und so sein System (das nunmehr
Deines ist) vervollständigen konntest. (RS:
Eben, die Regeneration vom „Bewusstsein“ liegt außerhalb seiner Theorie.
Diese Vermischung von Theorie I und II durch „Nutzen“ ist genau der
Widerspruch, den er m.E. in Kapital
eben nicht auflösen konnte!). In
der Tat entfaltet sich die individuelle Arbeitskraft ganz analog der Ware, hin
zu einer „allgemeinen Arbeitskraft“, um schließlich in einer „gemünzten
Arbeit“ zu enden …
RS: Marx nennt sie
„wissenschaftliche Arbeit“ (siehe Ausblick).
WR: Ja, Du erwähnst das auch
schon in Kap. I,7: „Wissenschaft als selbständige Potenz hat seine
Arbeitsbedingungen verunstaltet“. Heute würde man „wissenschaftliche
Arbeit“ positiver bewerten. Marx verstand unter „wissenschaftlicher
Arbeit“ offenbar eine solche, die nach unmenschlichen Kriterien der
Kosteneffizienz organisiert war – etwa so wie heute noch da und dort qualvolle
Massentierhaltung betrieben wird. Jedenfalls erleidet diese sog.
„wissenschaftliche“ Arbeit nunmehr dasselbe Schicksal wie die gemünzte
Ware: In ihr verschwindet die dialektische Differenz zwischen Tausch- und
Gebrauchswert, sodass sich einerseits – wie bei der Ware – die zugehörigen
m-Momente verwandeln und andererseits eine Thesaurierung von (RS:
„geistiger“) Arbeitskraft möglich wird. Der Motor dieser Fortentwicklung
beruht auf der Gleichsetzung von Arbeitskraft und Arbeitsentgelt. Die vollständige
Gleichschaltung jeglicher Arbeitskraft ist dann erreicht, wenn nicht mehr die
Arbeit dieser oder jener Art bzw. dieser oder jener Person vergolten wird,
sondern nur mehr die Arbeitszeit.
Damit versinkt die Subjektivität des Arbeiters vollends im gleichförmigen und
allgemeinen Fluss der Zeit. Solche Arbeit ist „gemünzte“ Arbeit. Auf der
einen Seite dieser „Münze“ ist die Zeit eingetragen (zB. 1 Denar = 1
Tageslohn), auf der anderen Seite der Arbeitgeber, dessen Subjektivität nun
nicht mehr durch den Herrscher oder den Staat, sondern durch den Dominus,
im Sinne eines Hausherrn und Eigentümers von Arbeitszeit repräsentiert ist. In
dieser Situation ist der Arbeiter gänzlich expropriiert und gänzlich – mit
seiner Lebenszeit – auf seinen Herrn angewiesen. Von „Leben“ im
eigentlichen Sinn ist hier indes gar keine Rede mehr, denn dieses würde für
den Arbeiter einen Rest an Individualität implizieren. Vielmehr ist auch das
Leben des Arbeiters – vom Kind bis zum Greis – gleichgültig geworden und
nur mehr die (versklavte) Arbeitszeit an ihm von Bedeutung. Die derart gemünzte
Arbeit konnte von ihren Herrn gehortet werden, sodass jeder Herr, wenn es ihm
beliebte, über Heerscharen expropriierter Arbeiter verfügte….
RS: Was Du hier beschreibst ist
eben die „Mutation” der Subjektivität von ihrer individuellen zur
gesellschaftlichen Form. Gleichzeitig ist dann auch die Form der Zeit
„mutiert“ und in ihre historische Form übergangen.
WR: Ja, diese Mutation der Zeit begleitet den Sprung über die zweite Schranke.
Die Geschichte hat indes gezeigt, dass dieser Sprung im Abgrund geendet hat. Die
i-Bestätigung des Dominus (bzw. des
Kapitalisten) scheiterte an der Freiheit
des Anderen (des Arbeiters). Der Dominus mag den Leib des Arbeiters besitzen,
seine innere Freiheit indes vermag er nicht aufzuheben. Das ist der praktische,
historisch belegte Grund für die Unmöglichkeit, diese Zweite Schranke zu überspringen.
Marx hat davon gewusst und bewusst in seinem gemeinsam mit Engels verfassten Kommunistischen
Manifest vom Moment der Freiheit des Arbeiters Gebrauch gemacht und sich auf
diese bezogen. Das war der Anfang der kommunistischen Revolution. Mit dem
Scheitern an der Freiheit des Anderen scheiterte auch die Mutation der Zeit. Die
Zeit bleibt, solange der Arbeiter frei ist, immer sein Eigentum. Niemand kann
sie ihm entwenden.
RS: Hier muss ich doch – trotz dem schönen (und ganz richtigen) Hinweis auf
die Freiheit – wieder einen kleinen Einspruch erheben. Was Du hier beschreibst
ist m.M.n. der (auch problematische) Übergang von der dritten zur vierten Sphäre.
Da aber wiederholt sich genau, was Du die gescheiterte i-Bestimmung
der Freiheit nennst. Und das ist eben der Grund, warum diese Zweite Schranke uns
dermaßen quält.
WR: Ja, die dritte Sphäre (Konkurrenz der Kapitalien, Gesetz der fallenden
Profitrate…) habe ich für diesen Dialog bewusst ausgeklammert. Entscheidend
ist die gescheiterte i-Bestimmung der
Freiheit. Deshalb muss ich Dir also doch Recht geben, Du lieber
Schrankenskeptiker: Aufgrund der Voraussetzungen Deines eigenen Systems können
Du und ich die zweite Schranke nicht überwinden. Die Freiheit, steht einem
solchen Versuch entgegen. Noch will ich mich aber nicht ganz geschlagen geben.
Wie wäre es, wenn wir von Voraussetzungen ausgehen, welche die Freiheit des
Anderen explizit einschließen? Könnte so die Entwicklung nicht weiterlaufen
und sich neue Horizonte auftun?
RS: Ja, die „Freiheit“! Die hängt
aber immer mit einer Form von Entscheidung zusammen, und ist für jeden Sphärenübergang
notwendig – ist vielleicht sogar mit der Möglichkeit der Entscheidungen
identisch? Also geht es wieder um i-Bestätigungen, um Formen der Bewertung, von denen ja schon viele
Arten diskutiert wurden (Vergleichswerte (Wertform III); Maßstäbe (Wertform
V)/Messwerte/“Nutzwerte“; „höhere Werte“ usw.). Aber Du sprichst ja
auch von „Freiheit des Anderen“…
Vielleicht wäre es aber nützlich, zunächst zu der Marx’schen Schranke
zurückzukehren, um das Schrankenproblem nochmals ganz allgemein zu betrachten,
darunter ganz besonders, wie Du auch sagst, nach den Voraussetzungen dieser spezifischen Schrankenüberschreitung zu
fragen.
Die implizite Voraussetzung der ganzen Analyse war, dass es überhaupt ein
intelligentes Wesen in der Welt in Form von Homo
sapiens gibt, das nicht nur die Fähigkeit hat, ein „menschliches“
Gattungsleben zu gestalten, sondern auch imstande ist, dieses sogar selbst in
kategorialen Termen zu analysieren. Also muss doch ganz explizit gefragt werden,
welche Voraussetzungen und Bedingungen einer solchen Intelligenz wirklich
zu Grunde liegen. In der Tat habe ich diese realen Voraussetzungen meines
eigenen Systems bisher zu wenig expliziert; denn nur um Verdauung kann es ja
nicht gehen! Fragen wir also zunächst, was überhaupt mit dem Ausdruck „ein
intelligentes Wesen“ gemeint sein kann.
Die allgemeine Voraussetzung für eine solche Intelligenz, die sich schon im
Tierreich durch Formen von Selbstreferenz und letztendlich als Bewusstsein
realisiert, ist die Fähigkeit zur Antizipation (siehe oben V.26). Verschärft könnte
man sagen, dass Antizipation die Grundlage aller Auto- und Selbstreferenz ist.
Schon in Einleitung wurde auf Rodney
Cotterill hingewiesen, der dargestellt hat, wie ein (wirbel)tierischer Körper
mittels eines besonderen Gehirnzentrums im Stande ist, durch Selbstreferenz
schon vorher auf potentielle Schmerzempfindungen zu reagieren. So kann der
Organismus „falsche“ Reaktionen voraussehen und durch sofortige
Wahlhandlungen, elementare Entscheidungen (veto-on-the-fly) entgehen. So
informiert das Individuum sich selbst auch um zukünftige Ereignisse durch
Antizipation, sogar in der Form
gewollt hervorgerufenes probe-by-proxied-movement[24]
„selbstbewusst“.
Das dabei entstehende Zeitproblem hat uns schon in Verbindung mit dem
synthetischen k-Operator beschäftigt
(V.26 mit der „Schleifen“-Figur V.2). Das Problem wurde so gelöst, dass der
synthetische k-Operator durch den
negativen Operator ‑k ersetzt
wurde, eben für „höhere Sinnrealisierung“ (gegebenenfalls als Aneignung)
durch Synthese für oder durch andere,
letztendlich also wieder auf Grundlage der Antizipation. Eine solche
Sinnrealisierung zeigt sich genau dadurch, dass Zukünftiges (mindestens als Möglichkeit,
potentiell) präsent wird. Die „informationstechnologische“ (Gehirn- oder
andere) Gestaltung der höheren Tiere erlaubt ihnen Erfahrungen aus der
Vergangenheit (z.B. genetisch oder neurologisch gespeichert) in die Zukunft zu
projizieren, um diese dann im präsenten Erlebnis weiter zu verarbeiten
(gegebenenfalls bis hin zur bewussten Bestätigung durch den neuen i-Operator).[25]
Wie diese Fähigkeit zur Antizipation sich konkret im Tierreich entwickelt
hat, wird auch von Cotterill im Buch Enchanted
Looms (1998) dargestellt. Wenn es auf Grundlage der entwickelteren probe-by-proxied-movement diese
Funktion gelingt, die i-Bestätigung
als f
zu realisieren, ist das
„Ich“-Bewusstsein realisiert und so die Tür zum gesellschaftlichen Leben
aufgeschlagen, zum Du. Können wir also davon ausgehen, dass unser
Bewusstsein durch i-Bestätigung
dieser allgemeinen Funktion beruht,[26]
haben wir schon eine antizipierende Funktionsstruktur vorausgesetzt, die dann für
alles Leben charakteristisch sein muss.
WR: Jetzt sind wir an einem wichtigen Punkt angelangt: Die Stichworte
„Freiheit“, „Entscheidung“ und „Antizipation“ (bzw.
„Intelligenz“ als ihre entfaltete Form) sind gefallen. In der Tat sind es
diese drei Momente, welche das „Ich“-Bewusstsein konstituieren und
realisieren. Das Moment der Antizipation hast Du bereits – u.a. unter Berufung
auf Cotterill – sehr gut ausgearbeitet und dargestellt. Beim Menschen hat sich
diese Fähigkeit zum Denken hin entfaltet. Dieses spielt sich ausschließlich in
einem imaginären Bereich ab. Es war daher ein genialer Gedanke von Dir (RS: Ich danke!), diesen imaginären Bereich mit den Hamilton`schen
imaginären Zahlenreihen i, j
und k zu verknüpfen, wobei im Einzelnen „i“ für die analytisch-abstrahierende Funktion, „j“
für die synthetisch-urteilende Funktion und „k“
für die antizipierend-schließende Funktion des Denkens stehen könnte. (RS:
Ich bemerke deinen terminologischen Änderungsvorschlag.) Das Moment der
Entscheidung bedarf in sich wohl keiner weiteren Erläuterung. Die eigentliche
Problematik und der Springpunkt des Schrankenübergangs liegt hingegen im Moment
der Freiheit verborgen. Dieses Moment möchte ich nun näher unter die
Lupe nehmen.
Zunächst liegt auf der Hand, dass von „Freiheit“ nur die Rede sein
kann, wenn die antizipierend-schließende Funktion und der Moment der
Entscheidung dem natürlichen Kausalgeschehen vorauseilt. So hat zB. eine Gämse
nur dann die Möglichkeit (i.e. „Freiheit“) ihr Leben vor herabdonnerendem
Steinschlag zu retten, wenn sie in der Lage ist, das noch ferne Donnern korrekt
zu interpretieren (zu „antizipieren“) und rechtzeitig sich für die Flucht
in die richtige Richtung zu entscheiden. Frei zu sein heißt, ganz allgemein, der
Zwanghaftigkeit natürlicher Kausalität nicht unterworfen zu sein (meine
Hervorhebung; RS). Letztlich besteht die „Zwanghaftigkeit natürlicher
Kausalität“ in der Zunahme von Entropie und diese hängt, wie Boltzmann
zeigen konnte, von der Wahrscheinlichkeit möglicher Zufälle ab. Frei zu sein
heißt also, dem Zufall nicht ausgeliefert zu sein oder, anders ausgedrückt:
den Zufall zu beherrschen. Das Leben hat im Wesentlichen zwei Strategien
ausgebildet, um den Zufall zu beherrschen: „Copying“ und „coding“. Beim
„copying“ beherrscht ein Molekül den Zufall an
sich, d.h. ein Molekül stellt eine Kopie von sich selbst her, bevor
es durch den Zufall zerfällt. Beim
„coding“ beherrscht ein Molekül den Zufall an
anderen , d.h. ein Molekül (Enzym genannt) verknüpft zwei andere
Substanzen bevor sie durch den Zufall
bloß sinnlos kollidieren. Ursprünglich konnten RNA-Moleküle (sog. Ribozymes)
beide Strategien mitsammen realisieren, später haben sich spezielle Moleküle
(DNA, Proteine) auf je eine Strategie spezialisiert, was eine enge Kooperation
von DNA und Proteinen (in Form des Eigen`schen Hyperzyklus)
erforderlich machte.
Im Endeffekt läuft die Beherrschung des Zufalls darauf hinaus, die mit M
(dem Prigogine`schen Entropieoperator[27])
verknüpfte Operatorzeit T
umzukehren, indem ihr eine mit ‑M
verknüpfte Operatorzeit ‑T
entgegengesetzt wird. Der Ursprung
dieser negativen Operatoren ist imaginärer (soll heißen: strukturimmanenter)
Natur. Es scheint mir daher Dein Versuch gut geglückt, sie mithilfe des
Hamilton`schen Quaternionformalismus herzuleiten.
Nun haben wir also mit dem Leben ein System vor uns, das für sich
beanspruchen kann Freiheit zu besitzen weil es den Zufall und mit ihm, um mit
Hegel zu sprechen, die Zeit getilgt hat. Das Schicksal des Lebens, seine
Verwirklichung, hängt davon ab,
wie es mit seiner Freiheit umgeht, welche Entscheidungen es also fällt. In der
Regel werden die Entscheidungen entsprechend einer bestimmten Wertungshierarchie
fallen. An oberster Stelle der Werte steht bei den Tieren die Erhaltung der Art.
Ihr ist die Selbsterhaltung untergeordnet. Beim Menschen besitzt jedes einzelne
Wesen unschätzbaren, weil unwiederholbaren Wert.
Zurecht erachtet daher jeder Mensch sein eigenes Leben für den höchsten
Wert und fällt seine Entscheidungen in entsprechender Weise. Der Preis dafür,
das eigene Leben für das Höchste zu halten, besteht darin, folgerichtig das
Leben der Anderen geringer zu achten. Das ist der tiefste Grund dafür, dass
Menschen sich gegenseitig missachten und dazu neigen, Andere ihrer Freiheit zu
berauben.[28]
Dies ist der Motor für die in den meisten menschlichen Gesellschaften
entstandenen Unterschiede, seien es Klassen, Rassen oder Kasten. Lediglich die
Mittel, mit welchen diese Unterschiede herbeigeführt wurden, sind verschieden.
Im Europa des 19. Jahrhunderts waren diese Mittel vorzüglich ökonomischer
Natur, hervorgerufen durch die Entwicklung der Geldwirtschaft und Industrie,
welche es aufgrund der ihnen innewohnenden Dialektik gestattete, enorme Mengen
an Kapital und Arbeitskräften zu horten, mit deren Hilfe Menschen ausgebeutet
und unterdrückt wurden.
Wie oben gezeigt, scheitert aber die endgültige i-Bestätigung einer solchen Gesellschaft, welche in der ein oder
anderen Form dem Menschen Gewalt antut, an der Freiheit des Einzelnen. Eine
solche Gesellschaft kann daher nicht von Bestand sein. Sie zerschellt an der Schranke der Freiheit des Anderen (meine
Hervorhebung; RS). Um diese Schranke
zu überwinden, habe ich vorgeschlagen, die Freiheit des Anderen explizit in die
dialektische Entwicklung einzubeziehen. Dies läuft darauf hinaus, nicht die
eigene Freiheit für den höchsten Wert zu halten, sondern die Freiheit des
Anderen. In der Tat ist der Mensch auch frei, mit seiner eigenen Freiheit
umzugehen: Er ist frei, seine Freiheit (das heißt: sein Leben) zu verschenken.
Das ist die ultimative Entscheidung (i-Bestätigung),
zu welcher der Mensch fähig ist… (RS:
was im äußersten Fall auch den Revolutionär auszeichnen kann.)
In ihr liegt der Ursprung einer neuen Form des „Ich-Bewußtseins“.
Bisher hast Du, lieber Schrankenskeptiker, das Ich-Bewußtsein
selbstreferentiell definiert. Ich möchte dafür den Ausdruck „idioreferentes
Bewusstsein“ prägen. Es ist dadurch gekennzeichnet, dass es die eigene
Freiheit und das eigene Leben für das Höchste hält. Alles andere ist von
niedrigerem Wert. Es definiert sich daher aus der Unterscheidung Ich – Es. Die
Entfaltung dieses Bewusstseins endete, wie sich gezeigt hat, logisch in einer
Aporie und historisch in einer Sackgasse (bzw. in kriegerischen
Auseinandersetzungen). Was nottut
also ist ein neues Bewusstsein, das die Freiheit und das Leben des Anderen für
höher schätzt als das eigene. Dafür möchte ich den Ausdruck „alloreferentes Bewusstsein“ prägen. Es definiert sich (beim
Menschen) aus der Unterscheidung Ich–Du. Ein solches Bewusstsein ist keine
Utopie oder eine bloße Erfindung „ad hoc“, um der Aporie zu entfliehen. Dafür
möchte ich einige Argumente bringen und Dich hernach fragen, was Du dazu zu
sagen hast. (RS: Zunächst: Deine
Idee, wie Du sie hier darstellst, scheint mir tatsächlich nicht meine eigene
von der „Liebe“ ganz befremdet zu sein; siehe Ausblick 20.)
Schon bei den Tieren finden wir die beiden Formen des idio- und
alloreferenten Bewusstseins. Das erste agiert in der Auseinandersetzung mit der
Umwelt, ist tätig bei der Suche nach Nahrung und bei der Vermeidung bzw.
Beherrschung von Gefahren. Das zweite agiert in der Auseinandersetzung mit
Individuen der eigenen Art, ist tätig im sexuellen Verkehr und bei der Aufzucht
der Jungen. Ich habe schon erwähnt, dass bei Tieren der Wert der Arterhaltung
vor jenem der Selbsterhaltung bzw. Selbstbehauptung rangiert. Entsprechend tritt
das schwächere gegenüber dem stärkeren freiwillig zurück, opfern sich
Alttiere für ihre Brut oder füreinander bei der Verteidigung gegen
Aggressoren.
Diese Formen des Bewusstseins sind aber nicht erst im Tierreich aufgetaucht.
Vielmehr finden wir deren Äquivalente auch auf anderen Stufen des Daseins. Ich
möchte hier in einem allgemeinen Sinne von antizipatorischen
und partizipatorischen
Wechselwirkungsmustern sprechen. (RS:
Auch hier sind wir einer Meinung!) Auf der Ebene der Einzeller schon finden wir
Verhaltensmuster, die einerseits antizipatorisch der Auffindung, Einverleibung
und Verdauung von Nahrung dienen, andererseits solche die partizipatorisch dem
Austausch genetischen Materials dienen. Noch früher dürfte vorwiegend das
partizipatorische Element dominiert haben: Die sog. „Ursuppe“ und die oben
angesprochene Welt der Ribozyme waren gewiss primär von partizipatorischem
Charakter, vergleichbar einem einzigen weltumspannenden Organismus ohne innere
Differenzierung stabiler Entitäten. – Das Wasser überhaupt kann als
Paradigma eines partizipatorischen Wechselwirkungssystems gelten, während
Stoffe, die in ihm gelöst sind – insofern sie Ihre zeitliche Identität
bewahren – als antizipierende Entitäten bezeichnet werden können. Und wäre
es nicht gerechtfertigt auch beim Dualismus von Materie und Energie von
antizipatorischen und partizipatorischen Kräften zu sprechen? Die Quantenwelt
mit ihren Begriffen der Ununterscheidbarkeit, der Nichtlokalität, der
Unmittelbarkeit und der Verschränktheit ist klar von partizipatorischer Art, während
die Materiewelt ein Jetzt-Da von einem Dann-Dort scheidet und somit für sich
eine bestimmte Identität behauptet, die auf einer Antizipation von Selbigkeit
beruht.
Wir haben es also offenbar mit einem durchgehenden Phänomen zu tun. Ist es
also nicht in der Tat so, dass die Natur schon immer im Laufe ihrer Evolution
alle Schranken gesprengt hat? Was oder wer aber ist die Natur? Sie ist kein
Individuum, das handeln könnte. Sie ist
das Ganze (meine Hervorhebung; RS).
Wer also hat die Schranken gesprengt?
Wer oder was steht hinter der Natur
– hinter der Kultur, der Geschichte?
RS: Was Du da darstellst, scheint mir nichts geringeres als eine allumfassende Einheitstheorie
zu sein, die vom Elementarsten bis zum Gesellschaftlich-komplexesten reicht –
die aber für mein schönes, gewiss aber unvollständiges Kategoriensystem große
Konsequenzen haben wird. In der Tat war es auch für Marx die „Natur“ mit
ihren physiologischen Prozessen, die die Erste Schranke durchbrach. Wird nun in
gleicher Weise die „Natur“ die Zweite Schranke durchbrechen…?
Zunächst wird unsere Kategorie der Sphären erweitert. Diese haben wir ja
durch Dimensionen der „Zeit“ t
definiert. Die erste davon war die durch ¦×v
definierte Sphäre des persönlichen Bewusstseins (¦) mit den elementar-menschlichen Verhaltensweisen (v)
definiert. Ihre grundlegende Funktionsweise war die der Antizipation und macht
es naheliegend, eben diese als ihre kategoriale Voraussetzung zu betrachten.
Auch eine Sphäre der Antizipation hat jedoch ihre Voraussetzungen, die dann in
den allgemeinen physikalisch-chemischen Prozessen zu suchen sind, wie sie z.B.
in den veto-on-the-fly-Funktionen
sowie in der selbstreferentielen Form durch probe-by-proxied-movements (Cotterill) zum Ausdruck kommen.
Parallel dazu müssen wir jedoch noch eine andere Gruppe von Sphären einführen,
welche zwar in dieselbe Dimension der Zeit „t“ eingebettet sind,
deren Elemente jedoch, angefangen von der Sphäre der Quantenwelt bis hin zur
Sphäre des Bewusstseins auf partizipatorische Weise funktionieren. Daraus
resultiert die besondere Kohärenz jeder Sphärenwelt. Umgekehrt führt die
antizipatorische Funktionsweise zu einem Zusammenhang verschiedener Sphären in
dem Sinne, dass die jeweils nächst höhere Sphäre die vorangegangenen Sphären
ordnend – eben antizipatorisch – beherrscht. Entsprechend gibt es zwischen
Sphären je zwei Schrankensprünge, auf der einen Seite den partizipatorischen,
der eine neue Zeit generiert, in welcher das neue „Bewußtsein“ schwingt,
auf der anderen Seite den antizipatorischen, der ein Bewusstsein hervorbringt,
das aus der Herrschaft über die Zeit resultiert und durch das Symbol t/m
dargestellt wurde.
Insgesamt müssen wir uns eine lange und komplexe Entwicklung vorstellen,
wobei auf Grundlage der (elementar-partizipatorischen) Quantenphänomene eine
(elementar-antizipatorische) Materiewelt entsteht, in der sich dissipative und
autopoietische Strukturbildungen bis hin zu Membranen entwickeln, die eine
Kompartimentalisierung und Vesikelbildung gestatten. Dabei bestätigen sich eben
diese Funktionen insofern selbst(idio)referentiell, als sie als elementare
Organismen in ihrer Umgebung erscheinen. Dieser
Selbst/Umwelt-Gegensatz bestätigt sich in sensomotorisch-antizipatorischen
Funktionen und führt somit die ursprüngliche Materiewelt in die biologische
Sphäre über (auch mit Elementen in sowohl partizipatorischen als
antizipatorischen Beziehungen). Gleichzeitig beobachten wir aber bei diesen
elementaren Organismen einen regen Austausch untereinander (zB. durch Plasmide
und virale Vektoren). Und es ist dieses alloreferentielle Moment durch welche
sich diese Organismen in ihrer Art bestätigen
(i-Setzung). Späterhin wird diese
Funktion durch sexuellen Austausch bestätigt. Diese Alloreferenz generiert
somit ein besonderes Gattungs- oder Artbewußtsein, in welches erst das
idioreferentielle „Bewusstsein“ jedes einzelnen Organismus eingebettet ist.
Hier setzt die Entwicklung fort, bis die biologische Antizipation sich in ein
persönliches Ich-Bewusstsein transformiert (Cotterill), und sich damit als
solches bestätigt – und dies sowohl idio- als auch alloreferentiell. Sonach
besitzt jeder Mensch – jeder Organismus – ein doppeltes Bewusstsein:
einerseits ein idioreferentielles Ich (Selbstbewusstsein), das Werte schafft, arbeitet,
andererseits ein alloreferenzielles Ich („Mit“bewußtsein), das Werte
gibt, liebt. Entscheidend für jede Entwicklung ist also, wie die
verschiedenen i-Bestätigungen (wie
ich sie oben nannte, die „Sprünge“) sich realisieren. Scheitern sie, landen
sie in einer evolutionären Sackgasse. Wie Du sagst, sie zerschellen dann an der
Schranke der Freiheit (auch!) des Anderen.
Akzeptiert man dieses Kategorienschema, muss man also die Dimensionalität
auf 6 erweitern, und die ursprünglich erste ¦×v-Sphäre wird nun die dritte der Reihe nach (Dimension 3).
Die elementare physikalisch-chemische Sphäre wäre dann als die
t1-Sphäre zu
betrachten, die biologische als die t2-
und endlich die bewusst-persönliche ¦×v-Sphäre als die t3-Sphäre
(genauer die mat3× at4‑Sphäre). Hiermit haben wir jedoch noch nicht auf die verschiedenen
gesellschaftlichen Sphären Bezug genommen, die ja Hauptthema dieses ganzen
Buches sind. Diese wären dann aber als die
t4-,
t5‑, und
t6-Sphären zu
bestimmen. Somit wäre unser ganzes Kategoriensystem nicht länger dimensional
als eine Fläche2 zu
betrachten, sondern eher als ein Raum2,
wo der erste „Raum“ die physikalisch-chemisch-biologischen Funktionen
umfasst (incl. die biologisch-persönlichen
¦×v-Funktionen), der zweite „Raum“ alle
gesellschaftlich-kulturellen Funktionen, wobei also die Funktionen von der
Dimension at5 aufwärts, die früher der „Schranke“ wegen
„verboten“ waren, jetzt als at7 durch t-6-Reduktion
zu at
reduziert wird. Dies könnte in
der Tat recht „logisch“ erscheinen: die
elementarsten physikalischen Prozesse sind z.B. die des Lichts, die wir durch
unsere Augen auffassen und neurophysiologisch („informationstechnologisch“)
verarbeiten – und genau durch Licht empfangen wir die meisten der Zeichen,
Symbole und Bilder der höheren ideologisch-kulturellen Sphären, gegebenenfalls
sogar auch die „verbotenen“ Bilder und andere Darstellungs- und
Erscheinungsformen einer mat6-Kategorie
(mit t-6-Reduktion).
Bemerkenswert ist, dass im Lichte dieser „Rella-Swingsche“
Einheitstheorie gesehen das in der Tat sich ganze Hamiltonische
Kategoriensystem, das ich selbst früher als ziemlich steif sah, als außerordentlich
geschmeidig darstellt. Akzeptieren wir also eine
Raum2-Welt (als die Einheit materielle
Welt ´ ideelle
Welt aufgefasst[29]),
haben wir eine 6-dimensionale Welt vor uns, wobei die Wurzelauflösung
1 = (6√1)6 wohl doch problematisch sein würde.
Eine einfache Möglichkeit, dieses dimensionale Problem zu lösen, sehe ich
eben in dem bekannten Tripelformalismus mit seinem Vorzeichenwechsel (siehe V.
24): Für den „materiellen“ („positiven“) Raum (Dimension 1-3) ergäben
sich dann (mit den Setzungen V. 30) die Vorzeichen +1, –1, –i » +1 und für den „ideellen“ („negativen“) Raum
(Dimension 4-6) die Vorzeichen i » –1,
–i » +1,
–1, um dann zu +1 des „materiellen“ Raums zurückzukehren. Das würde also
bedeuten, dass die höchste Sphäre des ersten „Raumes“ kategorial von der
(früheren) f-
bis zur p-Form
charakterisiert ist,[30]
während der zweite „ideelle“ Raum von
p-
bis mqt2 reicht.
Es würde dann wieder zwei sogar „epistemologische“ Schranken ergeben, nämlich
beim alten n = 1 und bei n
= 4. Bei der jetzt als Erste Schranke definierten Position ( p
, Vorzeichen i » –1) tritt dann das epistemologische Problem der
Abstraktion (Wertbildung) auf die Bühne. Bei der als Zweite Schranke
definierten Position ( mqt2 ,
Vorzeichen +1) formuliert sich die
Lebensfrage, die Welt als Ganzes, als Einheit, zu erfassen.
Dieses Vorzeichensystem würde uns dann auch die Möglichkeit geben, die
„Schranken“-Dimension mat7
jetzt (durch t-4-Reduktion)
in die quasi-positive (-i =+1) persönliche
mat3-Sphäre der neuen
Generation überzuführen, um diese nun gattungsgehörig zu „kultivieren“
(man hat zu bemerken, dass diese Reduktionen die Vorzeichen + und –
respektieren müssen).
Dies alles behebt jedoch immer noch nicht die der Zeitdimension anhaftenden
Unklarheiten. Doch haben wir in V.26 bemerkt, dass ein Ergebnis des
quasi-Hamiltonischen Operators –k
ist, dass diese nicht über die Grenzen der gegebenen Sphären hinausführt. Das
würde dann bedeuten, dass die letzte t-Dimension
in den Ausdrücken atn+1
(sozusagen die letzte +1-Dimension) die „reale Zeit“ der gegebenen Sphäre
darstellt. Die anderen durch n
angegebenen Dimensionen wären dann eher als qualitativ verschiedene Formen der
„Zeit“ zu bestimmen, die die verschiedenen Sphären in ihren ontologischen
Unterschieden charakterisieren; es ist ja geläufig, zwischen einer mechanischen
Zeit, einer antizipatorischen Zeit des persönlichen Lebens, einer historischen
Zeit usw. zu unterscheiden. Jedoch, der Begriff „Zeit“ war und ist ja in
sich immer ein „sehr vertracktes Ding“ gewesen (um wieder einen Ausdruck von
Marx zu gebrauchen)…
Näheres zum Begriff dieser Einheits- oder Weltformel siehe: The World Formula. Preliminary Considerations (hier in: Life and Culture).
WR: Du musst aufpassen: Wenn Du die zweite Schranke überspringen willst, dann
musst Du aus Deinem ganzen System herausspringen. Willst Du das überhaupt? Dein ganzes System, also alle 6 Sphären
– sowohl die materiellen wie auch die ideellen – beruht auf
antizipatorischen Mustern mit den entsprechenden Kategorien. Auch die
Hamiltonischen Transformationen mit Deinem – zugegebenermaßen eleganten –
Versuch der Wurzelauflösung [1 = (6 √1)6 ] bewegen
sich in diesem Rahmen. Damit hast Du noch keine Schranke überwunden. Ich
vermute in der Tat, dass Deine kategorialen Voraussetzungen den zweiten
Schrankensprung unmöglich machen. In
Kap. V.30 erwähnst Du selbst – im Rekurs auf Gödel – diese logische
Unmöglichkeit. Deine Logik besteht darin, eine Subjektivität
vorauszusetzen und von ihr alles abzuleiten, treu dem bekannten cartesischen
Anfang: Ich zweifle, daher bin ich.
Von daher steht Dein Denken unter dem Anspruch der antizipatorischen Unterscheidung von Subjekt und Objekt: Einerseits
ist das Subjekt (letztlich Du selbst)
in Deinem Denken antizipiert, vorweggenommen, vorausgesetzt, andererseits ist
die erste Tat dieses Subjekts die
Vorwegnahme begegnenden Seins als Objekt: Erkenntnis
als Antizipation. Noch beim Sprung über die erste Schranke schien es als
wolltest Du ein Subjekt begründen. Du hast es aber nicht begründet, sondern
(den Menschen, den Arbeiter) nur regeneriert (vermöge physiologischer Prozesse,
kategorial vermöge Deinem mqt). Das
Subjekt an sich hattest Du schon vorausgesetzt, es sollte ihm nur (vermöge
Zyklizität) Bestand verliehen werden. Du hast es nicht eingeholt, sondern ihm
nur Erholung gegönnt. Indes habe ich herzuleiten versucht, dass schon beim
Sprung über die erste Schranke ein neues Subjekt auf die Bühne tritt:
Einerseits der Dominus (oder Kapitalist), andererseits – zum Objekt degradiert
– der expropriierte Arbeiter. Die Aufgabe des Sprunges über die Zweite
Schranke besteht darin, dem Arbeiter seine Subjektivität wieder zu geben, seine
Würde also, das heißt: seine Freiheit. Wenn er sie nicht freiwillig bekommt,
dann nimmt er sie sich – zB. durch Revolution. Die Revolution ist also
historisch eine Form des Sprunges über die zweite Schranke. In der Tat hat sie
aber – wie schon ihr Name (revolutio) sagt – die Verhältnisse nur umgedreht: Jetzt ist der Arbeiter der Besitzer und der Kapitalist
expropriiert. Somit bleibt die antizipatorische Unterscheidung von Subjekt und
Objekt – wenngleich mit umgekehrtem Vorzeichen – erhalten. Mittlerweile –
anno 1989 – haben sich die Verhältnisse neuerlich umgedreht und das Heer der
Proletarier wächst wieder. Die Geschichte wird solange in solcher Zyklizität hängen
bleiben bis eine neue Logik auf die Bühne
tritt – die Gödel ausdrücklich offen gelassen hat – , welche ich die
partizipatorische genannt habe. Sie hat die Liebe (in einem sehr allgemeinen
Sinne) zur Voraussetzung. Sie kennt kein Subjekt und auch kein Ding. Vielmehr
begründet sie jedwede Subjektivität (im Sinne eines Du) und jedwedes Ding (im
Sinne einer „sphärischen“ Entität).
Es sind also partizipatorische Muster, welche die verschiedenen Sphären
generieren, welche den Sphärensprung bewerkstelligen.
Und jeder Sphärensprung impliziert einen Sprung über die sog. Zweite Schranke.
Mit ihm tritt jeweils eine neue Zeit (t-Dimension) in Erscheinung, zusammen mit
den von Dir angesprochenen ontologischen Unterschieden. Du sprichst von 3
materiellen Sphären: der physikalisch-chemischen, der biologischen und der
bewusst-persönlichen. Ihnen entsprechen drei verschiedene partizipatorische
Muster: die quantische Partizipation, die hydrische Partizipation und die
genetische Partizipation. Dazu kommen dann noch 3 ideelle Sphären mit den zugehörigen
partizipatorischen Mustern: Die emotionale Partizipation (Sexualgesellschaft),
die kulturelle Partizipation (zB. Sprachgemeinschaft) und die globale
Partizipation (Informationsgesellschaft). Jede Sphäre strukturiert sich
ihrerseits durch antizipatorische Muster, wobei diese Muster im
partizipatorischen Milieu quasi „schwimmen“, so die Materie im quantischen
Milieu, die Biomoleküle im Wasser und die Lebewesen im Meer der Gene (der möglichen
Arten). Die Stabilisierung dieser Muster gelingt durch den Sprung über die
Erste Schranke. Solche Muster sind etwa: verschiedene Materieteilchen,
verschiedene Biomoleküle, verschiedene Lebewesen, verschiedene Menschen,
verschiedene Gesellschaften… Hier
treten die von Dir so genannten k-Synthesen
in Aktion, die aber „nicht über die Grenzen der gegebenen Sphären hinausführen“.
Auf sie folgen die entsprechenden i-Bestätigungen, welche die antizipatorische Subjekt-Objekt
Differenzierung vollziehen. Mit ihr erhält auch die Dimension der Zeit ihre
jeweilige sphärentypische Struktur – also das, was Du die „mechanische
Zeit“, die „persönliche Zeit“ oder die historische Zeit“ genannt hast.
So entfalten sich also dieselben Kategorien in verschiedenen Dimensionen und die
Dimensionen ihrerseits in verschiedenen Sphären. Dieser Gedanke ist nicht ganz
neu und erinnert an David Bohm’s „implicate order“.
Die Kategorien können mit bestimmten Ordnungsprinzipien identifiziert
werden, die dreifacher Art sind: Chaotische Ordnung (im Sinne von Un-Ordnung),
Partizipatorische Ordnung und Antizipatorische Ordnung. Diese drei sind
dialektisch vermittelt, derart, dass die partizipatorische Ordnung als bestimmte
Negation des Chaos und die
antizipatorische Ordnung als bestimmte Negation der partizipatorischen
erscheint. Die vermittelten Ordnungsprinzipien nehmen in verschiedenen
Dimensionen Gestalt (Struktur) an und generieren – im Sinne des Bohm’schen
„implicate order“ - die verschiedenen Sphären bis hin zur Sphäre
des Bewusstseins (Gattungs- u. Individualbewusstsein). Die einzelnen Stufen hast Du in exponentieller Folge
dargestellt und dabei drei materielle Sphären, entsprechend einem materiellen
Raum (Welt) und drei ideelle Sphären, entsprechend einem ideellen Raum (Welt)
unterschieden. Beide Räume zusammen sind es dann, die den eigentlichen Lebensraum
einer bestimmten Art ausmachen. Dieses Hineinwirken materieller Strukturen
in die ideellen Welten – von Dir treffend als Raum²
dargestellt – impliziert seinerseits eine vertikale
Ordnung, welche die horizontalen, sphärentypischen Ordnungen verbindet, ein
„implicate order“ sui generis. Du nennst als Beispiel die Lichtverarbeitung
durch Lebewesen, sowie generell die Verarbeitung materieller Strukturen zu
geistigen Symbolen. Der Widerspruch zwischen dem partizipatorischen und dem
antizipatorischen Daseinsvollzug ist
dadurch aber nicht einfach aufgehoben, sodass der Mensch in der Austragung
seines Menschseins –in seiner Existenz
also – ein zuinnerst widersprüchliches Wesen verkörpert. Diesen Widerspruch
aufzulösen und zu vermitteln ist die eigentliche Aufgabe eines jeden Menschen
– die Arbeit schlechthin, die er an
sich selbst vollbringen muss. In diesem Sinne ist er sich selbst sowohl Herr als
auch Untertan, sowohl gesammelter Reichtum des Geistes als auch gestaltete
Leiblichkeit. Aus sich heraus wird der Mensch diesen seinen inneren Widerspruch
nie zu lösen vermögen. Er bedarf eines Dritten, einer Kraft, die jenseits seiner Existenz liegt, eben jener vertikalen
Dimension menschlichen Daseins, die dem Menschen seinen endgültigen Sinn und
sein endgültiges Ziel offenbart. Die hochabstrakten Zahlen – der
Hamilton’sche Quaternionformalismus – mit denen Du operierst, erscheinen mir
wohl geeignet, die horizontale Zyklizität dieses Prozesses (dieser Arbeit)
darzulegen. Sie erscheinen mir aber nicht geeignet, jenen Sprung zu
veranschaulichen, welcher aus dieser Zyklizität hinausführt. Du hast diese
Grenze selbst erkannt und als das „epistemologische Problem“ definiert. Du
und ich können für die „Welt als Ganzes“ dieses Problem nicht lösen. Nur
für uns selbst können, ja müssen, wir eine Entscheidung
fällen.
RS: Du sprichst von ‚aus dem ganzen System
herauszuspringen’. Ob ich das überhaupt will? Eine merkwürdige Frage
– schien es mir im ersten Moment. Aber dann: Vielleicht aber gerade die
Frage! Zunächst: Nein! Mit meinem Vorschlag zur Wurzelauflösung
1 = (6 √1)6 habe
ich natürlich keineswegs die Absicht mein System zu verlassen. Im Gegenteil;
ich meine, ich/wir habe(n) mit unserer „Einheitstheorie“ gerade das Problem
der zweiten Schrankensprung gelöst, und zwar genau im gleichen Sinne, wie Marx
das Problem der Ersten Schranke (in biologischen Weise) löste, nämlich durch
(implizite) Verwendung der Nutzkategorie ( mq;
t‑2‑Reduktion). Hier ist aber explizit
analoges erreicht mittels (evt. höherdimensionalen, geradzahligen) t‑Reduktionen,
um zum ersten „Raum“ zurückzukehren.
Insofern geht es mir also entschieden darum, im System zu verbleiben, dabei
kategorial auch darum, zwei verschiedenen Formen von Zyklizität zu begründen.
Die eine Form wird im Durchlauf der Sphären (mit Reduktion) dargestellt; davon
habe ich schon reichlich geschrieben. Die andere Form von Zyklizität kann
Mittels eines Negativoperaters (z.B. ‑k) dargestellt werden, so
dass die zyklische Bewegung in der gegebenen Sphäre verbleibt. Hier
symbolisiert dann das t (oben als t+1
geschrieben!) eine reale Zeitform. Diese Form zyklischer Bewegung könnte
jedoch auch z.B. durch den Negativoperater ‑i bestimmt werden; ich
weise auf meine Fußnote vom Beispiel Fliegender Vogel hin, indem wir wohl nicht
immer wieder jedes einzelne (differentielle) Jetzt-Da des Vogels zu „bestätigen“
haben. Auch ohne Bestätigungen existiert und fliegt der Vogel wohl immer noch! Insofern sehe ich kein Problem, was mein Kategoriensystem als solches
angeht. Ich bleibe ihm treu verhaftet – genau wie Marx seinem treu blieb,
indem die hier vorgeschlagene Einheitstheorie für uns das leistet, was die
implizite Biologie für Marx nicht tat.
Was mich aber sehr überraschte, Walter, war deine
Anspielung an das cartesische Cogito. Das gab mir nachzudenken – aber Du hast
natürlich recht! Das betrifft tatsächlich das philosophische Problem, möglicherweise
aus dem
System heraus springen zu können. Ob ich das also überhaupt will?
Deine goldene Regel lautete: Suche nach
einer neuen Subjektivität! In
der Tat, das System reagiert cartesisch – jedoch in einer dialektischen, dann
wohl aber auch ganz uncartesischen! – Weise. Nach dem vielen Nachdenken,
Zweifel, Analysen usw., mit denen sich dieses Buch so lange beschäftigt hat,
kommt das Cogito hoch: Ich – wer nun hier dieses Ich auch sein könnte –
denke, analysiere usw., ergo: Ich – oder Es, diese Gattungssubjektivität,
nenn es wie Du willst! – bin/ist, ergo sum ! Das ist das
einzige, was wir in diesem Zusammenhang als wirklich wahr behaupten können.
Was aber ist dabei wahr ? Eben unsere menschliche
Gattungsexistenz, denn wir können wahrhaftig sagen: Wir Menschen leben, wir
existieren (nicht nur ich, obwohl ich es sage) Daran hat es
keinen Sinn zu zweifeln – und in der Tat: Das war ja auch Ausgangspunkt meiner
ganzen Überlegungen in der Einleitung. Die neue Subjektivität,
die wir – dir zu Folge – suchen, ist eben das WIR, das also als
solche wahrhaftig sagen kann: Wir leben, wir existieren. Dieses in der
Tat überindividuelle WIR mit seinem ebenfalls überindividuellen
Wissen von unserer überindividuellen Gattung würdest Du vielleicht „transzendent“ nennen, vielleicht sogar als
Glaubenssache betrachten – in allen Fällen jedoch dann eine sehr welt- und
lebensnahe Transzendenz! Dass wir
leben, wir existieren ist unser ganz reales, unbezweifelbares Wissen – eben unser kollektives
Cogito, ergo sumus.
Mit diesen Überlegungen bin ich tatsächlich dabei,
mindestens implizit das System zu überschreiten. Hier stoßen wir aber auf ein
rein sprachliches Problem, das ich schon im Vorwort angeschnitten habe:
Aristotelische Metaphysik haftet unlösbar an unseren allgemeinen westlichen
Sprachformen an, ist vielleicht selbst eben ihr Ergebnis. Das Kraftzentrum der
Satzkonstruktion liegt typisch im Satzsubjekt, dessen Verbum ebenso typisch auf
das Objekt hinweist. Das Satzschema heißt S ® O. Seine subjektive Realität
ist Formung (Verrichtung) antizipatorischer „Arbeit“, z.B. „Ich schlage
den Nagel“. Das Schema lässt viele Möglichkeiten zu: „Der Stein fällt zum
Boden“, „Ich spreche zu dir“, auch „Wir bauen ein Haus“ usw. Immer
sind jedoch Individuen oder einzelne Elemente gemeint (gegebenenfalls in
Mehrzahl). Wir haben auch schon von Partizipation im Sinne von „Liebe“, von
der allgemeinen Beziehung Ich-Du (gegebenenfalls dinglich) gesprochen. Das
sprachliche Problem besteht deshalb zum Ersten darin, diese partizipatorische
Beziehungsform zu explizieren (was natürlich nicht „Arbeit“ gegenseitiger
Art ausschließt); zum Zweiten besteht das Problem aber auch darin, ein
kollektives WIR zum Ausdruck zu bringen. Das heißt dann, das
antizipatorische Satzschema S ® O in ein Satzschema
umzuformen, das fähig ist, die partizipatorische Beziehung WIR-WELT
auszudrücken. Ein kollektives Cogito ist etwas ganz anderes als das persönliche
Ich-Bewusstsein von Ich bin (in meinem Körper). Hier müssen wir ganz
explizit das WIR als solches existentiell wahrnehmen: Wir sind/leben
(in der Welt). Das heißt jedoch gleichzeitig: Das WIR ist
partizipierender Teil dieser Welt und existiert nur in und durch seine eigene
Wechselwirkung mit ihr (innerhalb und außerhalb der Menschengattung als
solche). Diese Revolution im Denken – denn davon ist hier wirklich die Rede
– wird dazu noch eine weitere Konsequenz haben: Das antizipatorische
Satzschema S ® O ist primär intellektueller Art, die partizipatorische Beziehung der
„Liebe“ Ich-Du, WIR-WELT dagegen moralischer Art. Die betreffende
„Revolution“ ist in seiner Grundlage eine moralische Revolution.
Hierzu jedoch noch etwas. Unsere „Einheitstheorie“ beschreibt einigermaßen,
wie dieses WIR zyklisch physikalich-biologisch-kulturell
entstanden sein könnte. Dazu hast Du schon viel gesagt. In der Wechselwirkung WIR-WELT
– oder WIR≈WELT als Ganzes – regeneriert sich zwar
unsere Gattung, wie schon im Vorwort dargestellt, was in sich aber kein
besonderes Bewusstsein fordert; selbst die einfachste Amöbe regeneriert sich
und ihre Gattung in der Welt. Das hebt jedoch die Dialektik des Cogitos
nicht auf, mit dem Du mich so sehr überraschtest.
Nicht ganz expliziert ist nämlich dargestellt, wie – oder ob – diese WIR-Genese
überhaupt durch i-Bestätigungen realisiert wird. Das cogitale Wir sind
(in der Welt) ist auf der einen Seite ganz sicher i-bestätigt, denn ohne hätte es gar keine Analysen, keinen Dialog und keine
Skizzierung einer „Einheitstheorie“ gegeben. So etwas fordert natürlich
„Bewusstsein“, beruht auf unseren individuell-geistigen Zuneigungen, die wie
so vieles andere vermutlich auch neuronal bedingt sind. Anders aber im Falle des
kollektiven WIR. Als solches hat es eben kein „Bewusstsein“, kann
deshalb auch nicht als solches entscheiden, folglich auch nichts i-bestätigen.
Was heißt aber ein „unbewusstes“ (aber immerhin subjektives) WIR ?
Doch, das kennen wir ja schon von Marx: Er kreierte für den zirkulierenden Wert
den genialen Term das „automatische Subjekt“! Ein solches hat jedoch
keine Möglichkeit expliziter Selbstreferenz, formuliert kein Cogito. Für die
kapitalistische Gesellschaft, wo Wert allein für die ökonomische Partizipation
verantwortlich ist, realisiert sich nur Autoreferentialität (mit all ihren möglichen
krisenhaften Konsequenzen). Worin besteht aber der „Wert“, der für unsere
ganze Gattungsexistenz verantwortlich ist, wenn dieser nicht kapitalistisch
definiert ist? Und welches „Bewusstsein“ bewegt es (wie diese historisch
formierten Kapitalisten den ökonomischen Wert bewegen)?
Ich glaube also, meine Marxkritik ist in diesem Punkt etwas zu revidieren.
Das WIR ist eben ein solches autoreferentielles „automatisches
Subjekt“, das sich innerhalb der partizipatorischen Gattungsrelation WIR≈WELT realisiert.
Die ontologische Frage ist also: Sehen wir diese Gattungsrelation WIR-WELT
als Unterscheidung, gegebenenfalls als cartesischen Gegensatz, was natürlich
vollkommen legal wäre, oder sehen wir im Sinne existentieller Partizipation die Dyade WIR≈WELT als dialektische Einheit? Das würde dann sozusagen die
„Lebensfrage“ als solche stellen. Das muss ich leider zugeben, auf diese
Frage gibt es keine gesicherte Antwort.
So muss ich also den Schluss deiner Replik zustimmen, wenn ich sie also
richtig verstehe, dass du auf der einen Seite meinst, mein hochabstrakter
Hamiltonformalismus sei insofern fähig, eine Theorie der erweiterten
Gattungsregeneration zu begründen (vgl. Marx), auf der anderen Seite aber nicht
fähig, die Kraft zu definieren, die
bestimmend ist für dieses ganzheitliche Gattungs-WIR. Da hast Du wohl
Recht. Auf der einen Seite ist dies dann auch die Frage nach der sprachlichen
„Kraft“, die das Satzsubjekt zum Hauptglied des antizipatorischen S-O-Satzes
macht – was uns alle so geläufig ist, dass wir darin meistens kein
ontologisches Problem mehr sehen (da funktionieren andere Sprachen gewiss ganz
anders). Dies führte aber für Descartes zum absoluten Gegensatz zwischen res
cogitans und res extensa – die traditionelle Einheit dieser
Kategorien eben durch diese „Kraft“ gesprengt! Genau diese subjektive
„Kraft“ ist es, nach der ich – im Gegensatz zur Cartesischen Projekt – für
den echten, einheitlichen partizipatorischen Relationsausdruck Ich-Du,
bzw. WIR-WELT oder WIR≈ WELT, die „Welt als
Ganzes“ fahnde, wo dieser Gegensatz also in der Gattungsexistenz als Ganzes
aufgehoben ist. Doch, was ist hier das Primäre, Linguistik oder Ontologie?
Einerseits wird Ontologie (implizit) linguistisch ausgedrückt und
widergespiegelt; andererseits steuern wohl gerade diese linguistischen Verhältnisse
im Denkprozess selbst die dynamische, sich fortentwickelnde Ontologie des sich
gleichfalls von selbst stets entwickelnden Gattungslebens. Dieser Denkprozess
muss eben sprachliche Form annehmen, um aktiv und zielbewusst verbreitet zu
werden, was in sich ein gesellschaftlich-subjektives Entwicklungsprojekt ist.
Dieses kraftvolle, subjektive „von selbst“ ist (in meiner Sicht: natürlich!)
durch die allgemeinen zyklischen Formen dieses Leben, also vom Grund aus
existentiell bestimmt. Was bestimmt nun in letzter Instanz was? Oder man könnte
fragen: Diese „Welt als Ganzes“, woher kommt sie, von „oben“ oder von
„unten“ – bzw. die „Kraft“ vom „Außen“ oder vom „Innen“ her?
Gewiss, diese Frage kann mein Operatorsystem – ohne seine i-Bestätigungen!
– natürlich nicht beantworten. Und somit auch ich nicht.
Lieber Walter. Ich danke dir herzlichst für deine direkte Teilnahme an
diesem Dialog und damit für deine aktive Mitgestaltung dieses Buches. Ohne
deine Teilnahme hätte mir vieles gefehlt.
WR: Danke, lieber Raymond, für dieses Gespräch.
[1]
Bezüglich dieser Unterscheidung zwischen Ware und
Nutzding, d.h. zwischen Gebrauchswert und Nutzen ist schon mehrmals bemerkt,
dass Marx diese Unterscheidung selbst nicht vollzogen hat.
[2]
Dabei entsteht jedoch ein anderer Widerspruch (durch die
beiden Seiten der Münze materialisiert), zwar zwischen Marktfunktion und
Machtfunktion des Herrschers.
[3]
- aber siehe wieder den Dialog mir Walter Rella am Ende
des Kapitals.
[4]
Eine solche Idee ist tatsächlich (jedoch auf
zahlentheoretischen Hintergrund) von Peter Plichta (1995) dargestellt.
[5]
Energie hat die Dimension ma2t2; dabei sehen wir vom Faktor ½ ab. Im
Falle Äquivalenz der zwei Seiten eines Prozesses werden beiden je die Hälfte
der involvierten Energie zugeschrieben. In Prozesskreisen kommt dazu noch
ein „generatives“ Moment.
[6]
In Genesis 1
wird jedoch eine andere Schöpfungsgeschichte erzählt, vielleicht aus einer
früheren Kulturepoche, wo diese matn-
und atn+1-Kategorien
noch nicht so entwickelt, mindestens nicht so entgegengesetzt waren, und
deshalb auch nicht so tabuiert waren. Hier treten Mann und Frau (diese oft
in späteren Zusammenhängen Lilith genannt) als gleichgebildete und so
gleichberechtigte Momente auf und zwar ohne
(patriarchalisch‑)hierarchische Unterordnung des einen dieser Momente.
Diese Frau sollte – wohl in der späteren patriarchalichen Kultur eben
deshalb – aus dem Garten Edens verwiesen werden und treibt sich hiernach
besonders nächtlich als frauenbezogene Gestalt herum.
[7]
Ein solcher Fluch scheint jedoch nicht generell zu gelten;
z.B. galt er für die Südamerikanischen Hochkulturen wahrscheinlich nicht
und wohl überhaupt nie innerhalb den eher matriarchalischen Kulturen.
[8]
In diesem Kontext ist es deshalb ganz „logisch“, dass
im Alt-Babylonien Frauen sich verschleiern sollten: es war den Sklaven
verboten, Schleier zu tragen! Sie hatten eben keine „Menschlichkeit“
(Schamgefühl) zu verteidigen, waren einfach unrein! Die freien Frauen
dagegen durften sich nicht diesen „Scham“ übergehen lassen, sich körperlich
zu zeigen. (Umgekehrt ausgedrückt: Der Schleier war/ist in Kulturen, die
unter diesen mythischen Vorstellungen leben, eine Verteidigung menschlicher
Würde.)
[9]
Diese wie die meisten früheren Auseinandersetzungen mit
Biblischen Texten sind weitgehend durch lebhafte Diskussionen mit Walter
Rella inspiriert, ja provoziert. Sie sind hier im Text relativ breit
aufgenommen, weil sie alle auf wesentliche Probleme unserer ganzen Kultur
und Ideologie hinweisen und somit auch allgemein-philosophische Relevanz
haben.
[10]
Zu diesem Punkt möchte ich doch einen persönlichen
Kommentar von Rella wörtlich hinzufügen, auch wenn er dabei, und zwar in
sehr schöner Weise, auf den Formalismus hinweist, der erst im nächsten
Abschnitt präsentiert wird. Zunächst auf Paulus (Phil. 2,6-9) hinweisend
schreibt er dann: „Der Fluch wurde durch den Gehorsam des Sohnes
aufgehoben. Diesen erlösenden Gehorsam leistete er als Mensch, als Knecht
Gottes. Aber nur einer der den unverkürzten Willen des Vaters in seinem
Innersten fühlt, war dazu in der Lage. Indem er also diesen Gehorsam
leistete, erwies er sich nicht nur als Knecht sondern auch als Gottes Sohn.
Kein gewöhnlicher Mensch, schon gar nicht ein Sklave, wäre dazu in der
Lage gewesen (außer durch Zwang. Zwang ist aber kein Gehorsam). Das göttliche
"m" hatte der Sohn schon
mit der göttlichen Zeugung mitbekommen. Aber diese Göttlichkeit befand
sich (bis zum öffentlichen Auftreten) erst in einer "j-Erwartung".
Durch sein Leben (Lehre, Taten, "Gehorsam") hat er sie k-synthetisiert und durch seine Auferstehung wurde sie von Gott i-bestätigt.
Überhaupt ist der Himmel (oder die Hölle) die letzte i-Bestätigung
dessen, was der Mensch (bzw. die Gesellschaft)
in dieser Welt synthetisiert hat. Das führt aber schon zu weit.“ Gewiss,
hinzufügen wäre vielleicht aber noch, dass wenn – aus irgend einen Grund
– das Fluchmotiv unausgesprochen bleibt entsteht zwischen den männlichen
Polen der betreffenden Beziehung genau das, was Assmann die „Horus- oder
Hamlet-Konstellation“ nennt, die durch Pietät des Sohnes dem Vater gegenüber
charakterisiert ist. Auch hier scheint das weibliche Moment ganz im
Hintergrund geschoben zu sein.
[11]
Andererseits muss man auch bemerken, dass Jungfraugeburten
in mythischen Erzählungen gar nicht selten vorkommen. Im Gegenteil. Hier
richtet sich die Aufmerksamkeit eben auf die Frau als das essentiell
fruchtbare Geschlecht, das in der Tat keinen „Mann“ (also im
institutionalisierten Sinne als der „Vater“) braucht. Mann und Sohn
treten dann als Heroen der Stammesmutter auf (als Erste Negationen,
primordiale Oedipuskonstellation), eine zutiefst matriarchalische Weltsicht.
(Wenn umgekehrt die Mutter fremd und unbekannt bleibt (wie in Genesis), verhält die Sache sich ganz anders: da meldet die Erzählung
die starke gesellschaftliche Patriarchalisierung an.)
[12]
Im Dialog am Ende des Kapitals wird diese Problematik
wieder und unter anderen Gesichtspunkten aufgenommen. Hiermit verlassen wir
diese besondere Bibelexegese.
[13]
Ich stütze
mich in Fragen Quaternionen u.a. auf: Thomas L. Hankins Sir William Rowan Hamilton (1980).
[14]
Diese Idee bin ich Peter Plichta schuldig, obwohl ich ihm
hier nicht wortgetreu folge. In seinem Buch Gottes geheime Formel (1995)
führt er für seinen „Primzahlkreuz“
eine Vierheit von Eins’er als Basis seines
Kreuzes ein: 1, ‑1, √1 und √‑1 = i.
[15]
Das + scheint somit in sich tautologisch zu sein, könnte
also in diesem Zusammenhang ausgelassen werden. Dies würde überhaupt die
Ursprünglichkeit der f-Kategorie
andeuten, die sich „von selbst“ in dem „Neuen Anfang“ realisiert
(bei der Geburt, aber vielleicht überhaupt, ganz allgemein).
[16]
NACHTRAG ZU KAP. V.
In diesem zweiten Nachtrag als Fußnote
formuliert wäre zu fragen, ob die hier zuletzt dargestellte
Operatorstruktur nicht das klassische Identitätsdenken soweit
wiederherstellt, dass die oben definierten Schranken gar untermauert wurden.
Zwar wurde Zyklizität bestätigt und somit das generative Moment
mathematisch formuliert – aber dann eben unter identitätslogischen
Voraussetzungen. Mit derr neuzeitlich-realen Bekanntschaft mit Phänomenen
der Entropie und des Mehrwerts entstand sogar die Frage, mit welchen Identitätsbegriffen
diese Nicht-Identitäten zu definieren seien. Ein eklatanter Widerspruch! Es
entstand jedoch eine Logik des „Wertunentscheidbaren“ (Ruben), wobei
„Wahrheit“ durch die ursprünglichere Bewertung der zirkulären
Lebensfunktionen durch „Nicht-Falschheit“ ersetzt werden konnte. Dazu
kommt jedoch auch, dass durch die dreifache Operatorfunktion des Quaternions
(Hamilton) dem Identitäts- und Systemdenken Variabilität und
Nichtvorhersagbarkeit inhärent wurde. Trotzdem wäre zu fragen, ob damit
nicht doch das generative Prinzip der Dialektik zu versteinern droht wie
z.B. in den ägyptischen Pyramiden und Tempel, die einfach alles, Leben und
Tod, Mensch und Kosmos, Welt und Unterwelt in den ewigen Steinen der
Architektur zu verkörpern versucht (vgl. Schwaller de Lubitz, 1985).
Doch
erleben wir heute auch eine Gegenbewegung dieser verhängnisvollen
Entwicklung. Im Ausblick werden wir sehen, wie die modernste
materielle Entwicklung auch zu neuen ökonomischen Erscheinungsformen führen.
Hier ist die Frage jedoch anders zu stellen. Es geht darum, ob dieses auf
mathematische Formalismen aufgebaute Kategoriensystem irgendwie selbst
angreifbar ist – und zwar mit den eigenen Mitteln, eben mit Operatoren,
und besonders solche, die eben mit dem Problem der Zeit verbunden sind. So
schreibt Prigogine (1979): „Wie können wir diese verschiedenen
Zeitbegriffe – Zeit der Bewegung, wie sie in der Dynamik benutzt wird,
Zeit wie in der Thermodynamik mit Irreversibilität verknüpft ist, Zeit als
Geschichte wie in Biologie und Soziologie – miteinander in Verbindung
bringen?“ (A.a.O.
12)
Lasst
uns dann, da in der Physik Operatoren ein so wesentliches Darstellungsmittel
geworden sind, der Verwendung dieser Mittel verfolgen (auch Prigogine und
Stengers (1980)). „In der klassischen Mechanik ist es üblich, den Zustand
eines Systems von Massenpunkten durch die (Orts)Koordinaten q1,
... qn und die Impulse p1, ... pn zu
beschreiben. Von größter Bedeutung ist die Energie des durch diese
Variablen ausgedrückten Systems. Sie ist im allgemeinen von folgenden Form:
H = Ekin(p1, ... pn) + Vpot (q1,
... qn), wobei der erste Teil nur von den Impulsen abhängt und
die kinetische Energie darstellt. Der zweite Teil hängt dagegen von den
Koordinaten ab und ist die potentielle Energie. Die in diesen variablen
ausgedrückte Energie ist die Hamilton-Funktion [die
Hamilton-Funktion H hat nichts mit den Hamiltonischen „Quaternionen“ zu
tun; R.Sw.], die in der klassischen Dynamik eine zentrale Rolle spielt. Wir
werden stets konservative „Systeme“ betrachten, in denen H nicht
explizit von der Zeit abhängt.“ (1979: 39) Vereinfacht gesagt wird in so
einem „integrablen“ System „freie Objekten“ beschrieben, die dann
einfach als äußerliche „Dinge“ erscheinen. Doch: „die
interessantesten Probleme der klassischen Mechanik ... (führen) nicht zu
integrablen Systemen. [...] Das war gewissermaßen der Schlusspunkt unter
die gesamte vorhergehende Entwicklung der klassischen Physik.“ (Ebd.:
49-50) Annäherung ans Gleichgewicht, Entropie, und der Begriff der
Irreversibilität („Pfeil der Zeit“) würden ihren Sinn verlieren. Die
ökonomische Analogie dazu wäre, dass auf dieser Grundlage auch die Frage
des Mehrwerts theoretisch unlösbar wäre.
In
der Quantenmechanik wurden nun Operatordarstellungen geläufig, und die
kontinuierliche Hamilton-Funktion H wurde entsprechend durch den
„Hamilton-Operator“ Hop ersetzt. Die Rechenregel hieß
einfach: Nimm den Koordinaten, wie sie sind, und ersetze die Impulse durch
Ableitungen nach den Koordinaten und umgekehrt. Dabei kam aber auch h, das
Plancksche Wirkungsquantum, mit ins Spiel.
Die
Operatoren, die eingeführt wurden, „vertauschen“ im allgemeinen nicht.
D.h., „dass es keinen Zustand geben kann, in dem beispielsweise die
Koordinate q und der Impuls p gleichzeitig wohldefinierte Werte haben. Dies
ist der Inhalt der berühmten Heisenbergschen Unschärferelation. [...] Wir
können den Impuls und den Ort eines Teilchens messen. Wir können aber
nicht sagen, dass es gleichzeitig wohldefinierte Werte des Ortes und
Impulses hat.“ (Ebd.: 67) Analoges haben wir oben in Bezug auf
Waren von Wert und Gebrauchswert konstatiert. Nicht-Vertauschbarkeit sehen
wir z.B. auch darin, dass ij ≠ ji.
Ein
kompliziertes System wird meist durch einen Zustandsvektor Y
beschrieben, der eine Art Wellenfunktion darstellt. Doch: „Wir würden den
Elementarteilchen trotz ihrer Wechselwirkungen gern wohldefinierte
Eigenschaften zuschreiben. [...] Wie aber lassen sich wechselwirkende und
dennoch wohldefinierte Objekte in eine Hamiltonsche Beschreibung
einbeziehen?“ (Ebd.: 86-87) Dies hängt mit dem Unterschied zwischen
reversiblen und irreversiblen Prozessen und mit dem Widerspruch von Teilchen
und Feldern zusammen. Wir stellen aber fest, dass es für Zeit und Energie
(also den Hamilton-Operator H) keine Heisenbergsche Unschärferelation gibt.
Hier ist die Zeit also, wie in der klassischen Mechanik, lediglich eine Zahl
(kein Operator).
Der
Zweite Hauptsatz der Thermodynamik betonte die Rolle der Irreversibilität,
und analog dazu analysierte Marx den Mehrwert. In Gleichgewichtsnähe, wo Äquivalenzen
realisiert werden können, kann man lineare Beziehungen zwischen den Flüssen
und den Kräften annehmen. Nicht aber fern von Gleichgewicht: „Es war eine
große Überraschung, als schließlich gezeigt wurde, dass das
thermodynamische Verhalten in großer Entfernung vom Gleichgewicht ganz
anders, ja sogar entgegengesetzt sein konnte, als es nach dem Gesetz
der minimalen Entropieerzeugung zu erwarten gewesen wäre.“ (Ebd.: 100)
Dabei treten oft auch Autokatalyse auf, wie man es in analoger Weise in ökonomisch
wachsenden Gesellschaften zu erwarten hat.
Es
ist also üblich geworden, physikalischen Größen Operatoren
zuzuordnen, so z.B. den sog. Liouville-Operator L, der die zeitliche Entwicklung des Systems beschreibt. Dazu kommt
dann ein Entropieoperator M,
der eben nicht mit L vertauscht. So „wird die gewöhnliche
Formulierung der klassischen (beziehungsweise der Quanten-)Mechanik jetzt
„eingebettet“ in eine umfassendere theoretische Struktur, die auch die
Beschreibung von irreversiblen Prozessen erlaubt. [...] Im Rahmen dieser
Struktur gibt es eine neuartige Komplementarität zwischen der dynamischen
Beschreibung und der Entropie. [...] Wichtig ist, dass wir ... nun genau
angeben können, wo diese „Komplementarität“ beginnt.“ (S. 165-67)
Und weiter Prigogine: „In der Irreversibilität manifestiert sich auf
makroskopischen Niveau die „Zufälligkeit“ auf mikroskopischen
Niveau. [...] (Wir) können noch weitergehen und dem System eine neue
Art von Zeit zuordnen – eine Operatorzeit T, die eng mit M
verknüpft ist. [...] Das ist wohl die bemerkenswerteste Schlussfolgerung,
zu der wir ... gelangen: Während die Zeit bisher in der Physik stets ein
bloßes, den Trajektorien oder Wellenpaketen angeheftetes Etikett war, tritt
hier nun eine Zeit auf, die eine völlig neue, mit der Entwicklung zusammenhängende
Bedeutung hat.“ (Ebd.: 184-85) „Der neue Zeitbegriff (schließt) ein,
dass das Alter von der Verteilung selbst abhängt; daher stellt es nicht
mehr einen äußerlichen Parameter, ein Etikett wie in der herkömmlichen
Formulierungen dar,“ (Ebd.: 216-17) wie sie auch in der Marxschen
Wertbestimmung für jede einzelne Ware galt.
In
Dialog mit der Natur schreibt Prigogine mit Stengers zusammen (1980)
noch: „Der faszinierende Aspekt dieses neuen Zeitoperators T ist,
dass er eine „interne Zeit“ und nicht eine „externe“ darstellt.
Jedes instabile dynamische System besitzt eine solche interne Zeit.“
(1980: 262) „Es besteht eine enge Beziehung zwischen der zweiten Zeit T
und dem neuen Entropie-Operator … [M].
Wenn T existiert, dann auch M. […] Der wesentliche Punkt
ist, dass sich nun direkt die Grundlage der Dynamik ändert: In der Dynamik
wird die zeitliche Entwicklung durch die Hamilton-Funktion beschrieben; hier
tritt die zusätzliche Größe M in diese Beschreibung ein.
Dies führt zu zusätzlichen Möglichkeiten, zu neuen Beschreibungen der
zeitlichen Entwicklung, die im Rahmen der klassischen Begriffe unmöglich wären.“
(1980: 265) Die Autoren nennen eben M und T
„Superoperatoren“. Ihnen zufolge ermöglichen diese Begriffe es auch,
der Idee eines partizipatorisches Universums eine präzisere Bedeutung zu
geben. „Wir haben einen Operator eingeführt, die Entropie M(T),
der (im Durchschnitt) mit der Zeit zunimmt. Wir können ebenso gut eine andere
Funktion M’(T) einführen, die zur Vergangenheit hin
zunehmen würde. [...] Der Übergang von der ursprünglichen dynamischen
Beschreibung, in der Vergangenheit und Zukunft die gleiche Rolle spielen,
…, die entweder auf die Zukunft oder auf die Vergangenheit
orientiert sind, …, [entspricht] mathematisch gesprochen, dem Übergang
von einer Gruppe zu einer Halbgruppe. In einer Gruppe kann die Zeit in beide
Richtungen fließen; in einer Halbgruppe fließt sie nur in einer Richtung.
Enthält die Wahl der Pfeil der Zeit keine Willkür? Welche Richtung der
Zeit haben wir zu wählen?“ (1980: 267-68) Bemerk dazu im
„Schleifen“-Modell (Figur V.1) den Gegensatz von k und ‑k.
„Wir
sind davon ausgegangen, dass die Zeit ein ursprünglicher Begriff ist, der
jeder wissenschaftlichen Bemühung vorausgeht. Keine Erforschung der Umwelt
… ist ohne eine zeitliche Aktivität denkbar. Die Vorbereitung eines
Experiments [sowie jede gesellschaftliche Aktivitäten überhaupt; R.Sw.]
verlangt, dass zwischen „vorher“ und „nachher“ unterschieden wird.
Nur weil wir uns der Irreversibilität des Werdens bewusst sind, können wir
die reversible Bewegung erkennen. […] Diese dissipativen Strukturen [weit
vom Gleichgewicht entstanden] besitzen eine zeitliche Orientierung, und wir
erkennen in ihnen gerade eine Eigenschaft, von der wir ausgegangen sind. Der
Kreis hat sich somit geschlossen.“ (Ebd.: 287-88)
Zunächst
ist dazu noch zu bemerken, dass die imaginäre Hamilton-Gruppe mit den
Operatoren i, j
und k eben eine vollständige
Gruppe ist. Zweitens, dass die Marxsche Ökonomie in Frage Werte
gewiss einseitig auf die Produktion der Waren, also der
Vergangenheit orientiert war, obwohl diese Werte sich bekanntlich teils
als „variables Kapital“ in der Gegenwart,
teils allgemein in der Zukunft ändern können; und wir können
bekanntlich auch durch Zukunfterwartungen
über Gegenwärtiges entscheiden (Antizipation). Die Beschreibung könnte
also von der Entropie-Funktion M(T) in der Gegenwart,
im Jetzt des Beschreibers, auf die andere Funktion M’(T)
wechseln, und zwar wegen der Entropie und die damit verbundene
„Informierung“ der gegebenen Situation.
Die
beiden Autoren verschärfen sogar ihre Aussage: „Die Richtung der Zeit ist
nicht nur ein „ursprünglicher“ Begriff, sondern „eine Voraussetzung
aller Formen des Lebens.“ (1980: 268) Was, bzw. wer verkörpert diese
„Ursprünglichkeit“? Gewiss der Experimentator – aber wer noch? Ich
werde als Kandidaten dazu jeder einzelnen Agent mit seinem kollektiv
geformten Bewusstsein vorgeschlagen – jeder schaffende, jeder
verbrauchende, jeder nutznießende Mensch als Moment seiner Gattungsexistenz
– sowie auch jedes andere antizipatierende Lebewesen überhaupt, das schon
als solches kreativ und geistig begabt ist. Sind also solche oder ihre
Gesellschaften Elemente als „dissipative Strukturen“ – zyklische,
entropisch-informative Ganzheiten – zu definieren?
Prigogine
hat den Begriff „Superoperator“ für einen Operator eingeführt, der
eben auf einen anderen Operator einwirkt. Wie würden solche auf unsere
imaginäre Hamiltonische Operatorgruppe einwirken können? Das wäre dann
genau DIE Frage unseres ganzes Kategoriensystems.
[17] Diese Selbstdurchschneidung und andere möglichen Deformationen ist leicht
vorstellbar, wenn man sich eine Linie oder einen Strang (1-dimensional) im
Raum (3-dimensional) auf eine Fläche, z.B. das Papier als Schatten
projiziert (2-dimensional), z.B. als eine 8. Aus diesem Bild sich die
originale Form der Linie vorzustellen ist jedoch nicht möglich.
[18]
Diese Boystruktur har die junge
Künstlerin Clara Bratt für die Umschlaggestaltung dieses Buchs inspiriert.
[19]
Eine relativ leicht lesbare und humorvolle Darstellung
dieser Sachen ist in dem Buch
von Jean-Pierre Petit Das Topologikon
(1987) zu finden.
[20]
Walter Rella hat mir auf die
Bildhaftigkeit des Worts ”Schranke” aufmerksam gemacht. Diese
Bildhaftigkeit war von mir gewiss nicht beabsichtigt, ich akzeptiere jedoch
ihren Wert. Vor der mq-Schranke steht der Klient mit seinen
Problemen, die er nicht selbst versteht und überschauen kann. Hinter der
Schranke steht die Selbstreferentialität als Beamter verkörpert. Was also
dem Klienten unaussprechbar scheint, kann ihm vielleicht dieser Beamter erklären.
So hilft er seinem Klienten, seine Probleme zu lösen, indem er selbst die
Zusammenhänge einsieht. So geht’s aber nicht immer, und dann gerät man
leicht in Streit. Wer aber steht hinter der mqt2-Schranke?
Vor der Schranke steht der „Klient“ aus der Fläche2-Welt
mit seinen Problemen, die ihm jedoch unaussprechbar sind. Was hinter dieser
Schranke steht ist ihm aber auch unerklärlich, denn er sieht überhaupt
keinen. Der Platz ist leer. Es hat eben keinen Zweck, darüber weiter zu
„philosophieren“; gibt es dort kein Beamter, hätte es auch keinen Sinn,
nach seine Identität zu fragen.
[21]
Die atn+1-Formen
sind eben die „Erscheinungsformen“, bzw. Zeichenformen der betreffenden
matn-Formen.
[22]
Hier müssen wir jedoch zwischen dem Christlichen Gott und
die Christliche Religion als solche unterscheiden, denn diese baut
bekanntlich auf einen großen Körper kanonischer Texte.
[23]
RS:
Ich weise hierzu af die Schleifendarstellungen III. 27 und 29 (Fig. III 2
und 3) und wieder V.26 (Fig. V.2), die analoge, eben nicht identische Verhältnisse
darstellen.
[24]
Ultimately, the probe-by-proxied-movement mechanism appears to have bifurcated into two
sub-mechanisms: one, a direct descendent of that seen in unicellular
organisms, and the other covert, a probe-by-proxied-movement. The
Latter faulty, conscious,… In deed, it would seem to be no exaggeration to
call such reflex modifications and acquisitions the reisan d’être
of consciousness. (Cotterill
2001, p. 5)
[25]
Die Fähigkeit zur Antizipation ist grundlegend für jede
Anschauung der Umwelt. Ein Beispiel: Ich sehe (bestätige) einen Vogel, der
zur Zeit T1 am Ort O1 sitzt, sich scheinbar aber auf
Flug vorbereitet. Also analysiere ich die Situation und synthetisiere die Überzeugung,
dass der Vogel kurz danach zur Zeit T2 am Ort O2 (oder
in unmittelbarer Nähe davon) befinden wird. Beobachtung bestätigt dies.
Dabei antizipiere ich in gleicher Wiese die nächste baldige Situation (T2,
O2), dann (T3, O3) usw. bis zur Situation
(Tx‑1, Ox‑1). Ich erfahre die
Flugbahn, die Trajektorie. Zur Zeit Tx aber lässt sich villeicht
den Ort Ox nicht bestätigen. Was ist dann los? Analyse und
Synthese hat plötzlich nicht funktioniert. Warum? Als intelligenter
Beobachter antizipiere ich sofort für den Fall eine Reihe ad hoc-Theorien.
Wenn sich auch keine von ihnen bestätigen lassen, habe ich ein Problem,
sogar ein erkenntnistheoretisches. Gilt das seit der frühesten Kindheit
gelernten Apriori vom Dingkonstanz hier nicht länger? ”Existiert” der
Vogel plötzlich gar nicht? Hat er sich dematerialisiert? Hat er sein
”Dasein” verloren – oder seine Bewegung (wie beim ”fliegenden
Pfeil”, der sich nicht da befindet, wo er sich nicht bewegt, um Zenon von
Elea zu zietieren; siehe Ausblick 2)? Die moderne Quantenphysik hat sich längst mit solchen
Problemen auseinandesetzen müssen. Müssen Ornithologen dasgleiche tun?
Kaum. Wir vertrauen unsere Antizipation. Wir müssen uns aber die
grundlegenden Bedingungen dieser Fähigkeit klar machen, denn die sind
grundlegend für unser ganzes Bewusstsein. Ohne Antizipation kein
Bewusstsein, kein Leben überhaupt.
[26]
In Analogie zum Phänomen der
Geldkrise (III.21) könnte das psychoanalytische „Unbewusste“ vielleicht
als eine autoreferentielle Bewusstseinsform aufgefasst werden (k-synthetisiert, nicht aber i-bestätigt).
[27]
Siehe die Fußnote Nachtrag zu Kap. V.
[28]
Diese Auffassung bevorzugt klarerweise die
”erhabenen”, bewerteten matn-Formen im Gegensatz zu den materiell-erscheinenden
(„schönen“) atn+1-Formen; vgl. Kant! (RS)
[29]
Diese Einheit der materiellen
Welt ´
ideellen Welt müssen wir also im Gegensatz zu der oben analysierte
Einheit des gesellschaftlichen
Individuums ´
Individuum in einer Gesellschaft betrachten.
[30]
Hierzu bemerken wir, dass Marx sich nie besonders konkret
für die f-Form, ihre Voraussetzung und Realisierung interessierte, diese
Kategorien also eben in den „materiellen“ Raum verlegte. So betrachtete
Marx am liebsten die „Arbeitskraft“ über Zeit in ihrer
„abstrakt-allgemeinen“ Form, was jedoch für eine Psychologieentwicklung
im Sinne des Individuellen nur wenige Stützpunkte gab. Abstraktion und
Wertbildung (und somit Wertkalkulation auf der Basis der abstrakten
Zeitauffassung) war die epistemologische („ideelle“) Grundlage der
Marxschen Ökonomie. Wie schon dargestellt wurden die Kategorien der ersten
Sphäre dieses Zweiten „Raumes“ die für alles Weitere bestimmenden, die
Kategorien des Ersten Raumes dagegen nur implizit enthalten.