ZUR MARXSCHEN
WERTFORMANALYSE
1. Die Marxsche Wertformanalyse von Das
Kapital, Band I, Kapitel I.3, ist ein Kernstück dialektischer Logik. In
diesem Sinn soll sie hier diskutiert werden, auch um ihre inhärente Problematik
aufzudecken, denn diese trägt zur allgemeinen Unsicherheit des eigentlichen
Sinnes dieser Analyse bei. Ihre Problematik besteht u.a. darin, dass dieser
Analyse in der Tat, wie man sagen könnte, der eigentliche Anfang fehlt, also
ihre kategoriale Voraussetzung, sowohl als auch ihr Ende, das was vermutlich der
eigentliche Sinn der ganzen Sache war, nämlich das Geld als solches, das Münzgeld,
kategorial zu bestimmen – und zwar unter der Bedingung, dass es dieses Geld
schon gibt, d.h., unter der Bedingung,
dass es (wie bei Aristoteles!) schon irgendwie real brauchbare, theoretisch aber
unbestimmte Abstrakta gegeben hat, die den wirklichen Sinn des Geldgebrauchs
realisieren konnten. Wie also
kam es dann zur eigentlichen Geldgenese – und welche kategorialen Probleme,
praktische sowie theoretische, waren dabei zu lösen? Es soll deshalb die
Aufgabe sein, auch diese beiden Marxschen Auslassungen ins Auge zu fassen, denn
auch was Marx nicht gesagt oder
geschrieben hat – und eben warum nicht
– gilt es heute zu verstehen. Solche Fragen könnten gewiss auch etwas Licht
auf einige der Hauptprobleme allen „modernen“ Denkens werfen. Betrachten wie
doch zunächst Marxens eigene Darstellung.
Es hat gewiss Schwierigkeiten gegeben, dieses Abschnitt 3
von Kapitel 1 logisch-historisch einzustufen. Ist diese Analyse formal oder
historisch aufzufassen? Natürlich ist die erste Geldgenese ein historisches
Ereignis, das ungeführ 600 v.u.Z. stattfand. Weiter finden wir in Band III von Das
Kapital folgende nicht unwesentliche Bemerkung:
Abgesehen von der Beherrschung der Preise und der Preisbewegung durch das
Wertgesetz, ist es also durchaus sachgemäß, die Werte der Waren nicht nur
theoretisch, sondern auch historisch als das prius der Produktionspreise zu
betrachten. Es gilt für Zustände, wo dem Arbeiter die Produktionsmittel gehören,
und dieser Zustand findet sich, in der alten wie in der modernen Welt, beim
selbstarbeitenden grundbesitzenden Bauer und beim Handwerken. Es stimmt die auch
mit unser früher ausgesprochenen Ansicht [1865], dass die Entwicklung der
Produkte zu Waren entspringt durch den Austausch zwischen verschiedenen
Gemeinwesen, nicht zwischen den Gliedern einer und derselben Gemeinde. (Bd. III,
S. 186-87)
Auf der anderen Seite kommen wir also nicht umhin, dass
zunächst diese Wertformanalyse unter der stillschweigenden Voraussetzung
durchgeführt ist, dass Geld schon da ist, so dass die Analyse in der Tat schon
die fertige und reife Ware-Geld Beziehung als solche zum Thema hat. Außerdem
sehen wir, dass der Austausch hier ausschließlich zwischen Gliedern ein und
derselben Gemeinde gedacht ist, dass also eben kein (gewiss auch viel
komplizierterer) Austausch zwischen verschiedenen Gemeinwesen betrachtet wird. Also
werden wir sowohl die Marxsche Analyse als solche als auch die hier dargestellte,
kategorial erweiterte Analyse explizit formal auffassen und eben so behandeln.
Die erweiterte Marxsche
Darstellung
Wertform 0: Die Nicht-Wertform
2. Karl Marx beginnt diese Wertformanalyse mit einer vorläufigen
Charakterisierung einer Ware:
Die
Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine
Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur
dieser Bedürfnisse ... ändert nichts an der Sache. (S. 49)
Danach geht Marx sofort dazu über, solche nützlichen
Dinge „unter doppeltem Aspekt zu betrachten, nach Qualität und Quantität“,
d.h. als „ein Ganzes vieler Eigenschaften...“ (ebd.) Was er hier bestimmt
ist jedoch „zunächst“ nur ein nützliches Ding, das als solches natürlich
für den Menschen Bedeutung haben könnte und somit auch „wertvoll“ ist,
aber in dieser Form gar nicht als „Ware“ bestimmt ist.
Zwei Bemerkungen sind hier anzuführen, die sich einerseits gegenseitig
bedingen, sich andererseits aber auch gegenseitig negieren: Zunächst wird von
einem „äußeren“ Ding gesprochen; zum Zweiten von menschlichen „Bedürfnissen“,
die dieses Ding befriedigen könnte, also seiner Nützlichkeit, Nutzen, d.h.
seiner Menschenbezogenheit.
Zum Ausdruck „ein äußeres Ding“: Wenn „Ding“, dann ist die
Sache immer schon äußerlich, ein Teil der Umwelt, der vom menschlichen Körper
wohlunterschieden ist. Diese Wohlunterschiedenheit erscheint den Menschen, als
seien die Dinge vom menschlichen Körper und von einander getrennt. Doch dieser
Schein trügt insofern, als all die Dinge, womit Marx sich in Das Kapital beschäftigt, so wie schon das Zitat Seite 49, sich
irgendwie auf den Menschen beziehen – oder umgekehrt, dass die Menschen sich
durch Besitz oder andere Formen von Eigentum auf sie beziehen. Absolut äußerlich
sind Dinge also erst, wenn sie als Müll wegzuschmeißen sind.
Wie diese Wohlunterschiedenheit auch subjektiv zustande
kommen kann, wurde schon in Einleitung
angedeutet. In dem „Naturzustand“, wenn man sich überhaupt einen solchen
vorstellen kann, wäre die menschliche Eingebundenheit in die Natur derart, dass
real von keiner „Äußerlichkeit“ – und gar nicht von „Veräußerlichkeit“ – überhaupt zu reden sei. Eine solche
Eingebundenheit wäre dann eher im Sinne Territorialität o.ä. aufzufassen.
Dazu aber die zweite Bemerkung. Ein solches „äußeres
Ding“ wird nicht Ware, ohne zunächst auch veräußerlich zu sein. Das
beantwortet die primäre Existenzfrage in jeder Ökonomie. Mehr noch, um überhaupt
von Interesse zu sein, muss auch die mögliche Veräußerlichung sinnvoll
sein – auch relativ zu dem, auf dem es schon irgendwie bezogen ist –, und
diese Veräußerlichung kann unter Umständen sinnvoll werden, wenn das
Ding durch seine Eigenschaften Bedürfnisse anderer
Menschen befriedigen kann, und also der Wechsel dieser Bezogenheit Bedeutung und
Sinn haben konnte – im besten Fall für beide beteiligte.
Dieser generativen „Sprung“, durch den dieser besondere Aspekt der
Bezogenheit und so auch des menschlichen Individuums als solchen generiert wird,
wäre somit der „Nullter Sprung“ zu nennen. Durch diesen „Sprung“ setzt
sich der Mensch selber in seiner primordialen Form als persönlich und
individualistisch Handelnder ab, auf seinem eigenem Willen und Entscheidung
beruhende, selbst-bezogene Person.
Dass begehrenswerte Dinge in diesem Sinne veräußert werden können, ist
in sich allgemein bekannt und wird auch so praktiziert. Geschenke werden gegeben
und im Empfang genommen. Ähnliches ist in der Tat schon in einzelnen Fällen
bei den Tieren bekannt. Dies macht aber nicht unmittelbar ein Ding zur Ware. Das
entscheidende Moment ist hier, dass Geben und Nehmen gegenseitig ist, geregelt
ist, und somit auch eine interpersonelle, in sich geregelte Beziehungen
etabliert. Weiter muss diese Gegenseitigkeit durch gemeinsame Entscheidung oder Verabredung zur Stande kommen. Also müssen
wir diese vorläufige schon von Marx am Anfang gegebene Definition einer Ware
konkretisieren: Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding,
das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art
befriedigt, und von dem gesagt werden kann, dass es wegen dieser Eigenschaften
sinnvoller Weise unter Personen durch Verabredung, Übereinkunft o.ä.
gegenseitig veräußert werden kann. Oder, wie Marx später selbst schreibt:
Dinge sind an und für sich dem Menschen äußerlich und
daher veräußerlich. Damit diese Veräußerung wechselseitig, brauchen Menschen
nur stillschweigend sich als Privateigentümer jener veräußerlichten Dinge und
eben dadurch als voneinander unabhängige Personen gegenüberzutreten. Solch ein
Verhältnis wechselseitiger Fremdheit existiert jedoch nicht für die Glieder
eines naturwüchsigen Gemeinwesens… (S. 102)
Das eine
Problem dieser Formulierung liegt nun m.M.n. in der Unterstellung, dass diese Verabredung
oder Übereinkunft immer zwischen zwei Personen stattfindet. Das Problem ist,
wieweit solche Verabredungen unter zwei einander polar gegenüberstehenden
Individuen, also nicht irgendwie drei oder vier, notwendig auch zur
Gesellschaftlichkeit führt, oder ob eher umgekehrt ein solches
Zweipersonenspiel in der Tat eine wesentliche Reduktion einer ursprünglicher
komplxen gesellschaftlichen Verteilungspraxis darstellt.
Das andere Problem dieser
Formulierung ist, dass unter diesen Bedingungen „eines naturwüchsigen Gemeinwesens“ und seiner unmittelbaren Entwicklungsform diese „Wertform 0“ im
Marxschen Sinne überhaupt keine Wertform sein kann. Vgl. dazu die Bemerkungen
in Kap. I (siehe Zitat von Seite 92f) von einer solchen möglichen „Theorie 0“ in bezug auf „einen
Verein freier Menschen, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiteten
und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewusst als eine
gesellschaftliche Arbeitskraft vorausgaben,“ die aber keine „voneinander
unabhängigen Personen … (im) Verhältnis wechselseitiger Fremdheit“ sind. Wir werden kurz am Schluss dieser Arbeit dieses Problem wieder aufgreifen.
Wertform I: Einfache, einzelne oder zufällige Wertform
3. In Abschnitt 3 des ersten
Kapitels von Das Kapital wird als Beispiel das einfache Verhältnis
von 20 Ellen Leinwand zu einem Rock behandelt. Diese Beziehung kann jedoch nicht
zu Stande kommen ohne menschliche Vermittlung; sie setzt voraus, dass hinter den
Dingen zwei Personen stehen, hier ein Weber, dort ein Schneider, die offenbar
unter arbeitsteiligen Bedingungen gearbeitet haben. Erst durch diese Sachen
vermittelt treten sie gegenseitig in Beziehung zu einander, eben weil sie den
Wunsch haben, sich selber auf die Sachen des anderen beziehen zu können.
Als Voraussetzung müssen wir also annehmen, dass der
Weber tatsächlich einen neuen Rock braucht; umgekehrt auch, dass der Schneider
Leinwand braucht, vielleicht um neues daraus zu nähen. Wir bemerken also, dass
beide Dinge für den anderen Nutzen bringen werden; sonst hätte die ganze Sache
überhaupt auch keinen Sinn. Und zwar treten sie nur in diese besondere
Beziehung ein, weil beide Dinge erstens Resultate eigener individueller Arbeit
sind, zweitens, weil diese Dinge hergestellt sind, um gegen andere veräußert,
also gegenseitig getauscht zu werden. So treten diese Dinge selbst als polare
Gegensätze auf.
Nur durch diese besondere Aktivitäten der Personen und
ihre individuelle Bezogenheiten auf diese Sachen erscheinen diese als
kommensurabel, d.h. vergleichbar. Die Voraussetzungen dafür werden schon von
Marx in den ersten Abschnitten von Kapitel 1 behandelt und bilden den
Hintergrund der ganzen Analyse:
Sagen wir: als Werte sind die Waren bloße Gallerten menschlicher Arbeit, so
reduziert unsre Analyse dieselben auf ihre Wertabstraktion, gibt ihnen aber
keine von ihrer Naturalform verschiedene Wertform. Anders im Wertverhältnis
einer Ware zur anderen. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre eigene
Beziehung zu der andern Ware. (S.65)
So hat sich das ursprüngliche Verhältnis zwischen Mensch
und Mensch – z.B. die Freundschaft – hier in eine Beziehung zwischen Mensch
und Ding und letztendlich zur polarer Beziehung zwischen Dingen transformiert.
So kann Marx (in Kap. 2, „Der Austauschprozeß“) weiter schreiben:
Um diese Dinge als Waren aufeinander zu beziehn, müssen die Warenhüter
sich zueinander als Personen verhalten, deren Willen in jenen Dingen haust…
Dies Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist …, ist ein Willlensverhältnis,
worin sich das ökonomische Verhältnis widerspiegelt. (S. 99)
Dieser Gedanke wird uns weiter in Kap. III beschäftigen müssen. Was aber
dieses ökonomische Verhältnis betrifft, hat Marx schon (in „Fetischcharakter
der Ware und sein Geheimnis“) bemerkt, „es ist nur das bestimmte
gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die
phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt.“ (S. 86) Wenn
also jetzt der Wille der Menschen selber „in den Dingen haust“, d.h. eine
ursprüngliche Beziehung zwischen Menschen sich in eine Beziehung zwischen
Mensch und Ding, bzw. nur zwischen Dingen, verwandelt hat, bezeugen wir in der
Tat ein ganz sonderbares „metaphysisches“ Verhältnis, das gewiss eine
genauere philosophische Untersuchung wert ist.
4. Von diesem besonderen Verhältnis aber zwischen Mensch und Ding wird
jedoch abgesehen, oder besser, es wird auf das Produktionsverfahren reduziert.
Denn: „Sieht man vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur
noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten.“ (S. 52) Und Marx fügt hinzu:
„Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten
treten einander als Waren gegenüber.“ (S. 57) Damit ist wieder das
Eigentumsverhältnis impliziert. Und so wird tatsächlich vom Anfang an die
Gesellschaftlichkeit dieser „unabhängigen Privatarbeiten“ als
Eigentumsfrage problematisiert.
Die zwei Waren, Leinwand und Rock treten nun gegen
einander als reine Arbeitsprodukte auf; der Weber und der Schneider verschwinden
damit hinter ihren Produkte und damit in der Tat ganz aus dem Blickfeld – auch
wenn mit diesen beiden Dingen überhaupt nichts passieren könnte, ohne das
implizite Willensverhältnis der beiden Personen. Das wird genauer zu
explizieren sein.
Zunächst scheint es, als sei die Beziehung zwischen Ware A, Leinwand,
und Ware B, Rock, symmetrisch (vgl. das Zitat S. 65). Marx aber macht hier eine
klare Unterscheidung: Er wählt einen bestimmten Gesichtspunkt, unter welchem
allein die Beziehung zwischen Leinwand und Rock betrachtet wird. So drückt die
Ware A, Leinwand, „ihren Wert“ im Rock aus, wobei umgekehrt der Rock, Ware
B, zum spezifischen Material dieses Wertausdrucks wird. So Marx:
Die erste Ware spielt eine aktive, die zweite eine passive Rolle. Der Wert
der ersten Ware ist als relativer Wert dargestellt, oder sie befindet sich in
relativer Wertform. Die zweite Ware funktioniert als Äquivalent oder befindet
sich in Äquivalentform.“ (S. 63)
Zwar gilt: „Relative Wertform und Äquivalentform sind
zueinander gehörige, sich wechselseitig bedingende, unzertrennliche Momente,
aber zugleich einander ausschließende oder entgegengesetzte Formen.“ (S. 63)
Insofern sind diese Formen gegenseitig polar entgegengesetzt, doch als Pole sind
sie eben verschieden. Dasselbe sehen wir im Ausdruck „20 Ellen Leinwand sind 1
Rock wert“ (S. 63); hier ist „20 Ellen Leinwand“ Subjekt des Satzes, „1
Roch“ dessen Prädikativ (oder „sind 1 Rock wert“ das Prädikat). Als
solche sind sie schon polar entgegengesetzt. Wir werden deshalb hier die
Konvention einführen, dass die linke Seite des Ausdrucks den aktiven Pol der
Beziehung repräsentiert. Die beiden Personen, Weber und Schneider, werden nun
gegenseitig in gleicher Weise die Sachen untersuchen, betrachten, befühlen, prüfen
usw., um ihren Nutzen gut einzuschätzen, den sie ihnen als reale Dinge geben könnten;
d.h., es wird also konstatiert, ob sie für den Nichtbesitzer „Gebrauchswert“
haben könnten.
Statt also die ganze Sache symmetrisch zu betrachten, wählt
Marx sie allein zu sehen vom Gesichtspunkt des Eigentümers von Ware A, des
Webers. Scheinbar hätte er genau so gut den anderen Gesichtspunkt, den des
Schneiders wählen können. So sieht Marx also in der Tat die ganze Situation
asymmetrisch, was entscheidend für die weitere Analyse ist; wir werden aber
auch sehen, dass diese Wahl des Gesichtspunkts einen sogar verborgenen Sinn hat,
also gar nicht so zufällig und harmlos ist, wie sie aussehen könnte.
5. Uns
gilt es nun, die impliziten Willensverhältnisse der beiden Personen
einzubeziehen, und zwar in ganz expliziter Form. Denn auch, was bei Marx nicht
geschrieben steht, ist hier entscheidend: keine dieser Personen darf sich durch
den Austausch betrogen fühlen.
Fordert z.B. der Schneider 25 Ellen Leinwand für seinen Rock, wird der Weber
sagen, „Das ist zu viel.“ Er drückt also folgendes aus,
(1a)
25 Ellen Leinwand > 1 Rock.
Vielleicht
bietet er nun dem Schneider 15 Ellen Leinwand an; dann aber meint der Schneider:
(1b)
I Rock > 15 Ellen Leinwand.
Beide Angebote sind also unbefriedigend, um den erwünschten Tausch zu
realisieren. Also feilschen sie, bis sie gemeinsam zu einem bestimmten Verhältnis
gekommen sind, bei dem sie sich einigen können. So bekommt der Schneider für
seinen Rock 20 Ellen Leinwand – und das Willensverhältnis, das „in jenen
Dingen haust“, ist befriedigt. So können wir also schreiben (wenn
als ”nicht mehr als”, ”nicht größer als” usw. und
„nicht kleiner als“ usw. zu lesen ist):
(2a:
Schneider)
20 Ellen Leinwand
1 Rock, und
(2b:
Weber)
1 Roch
20 Ellen Leinwand.
Die ganze Situation können wir somit mit einer einzigen
Formel ausdrücken (wo Ù als die
Satzkonjunktion ”und” zu lesen ist)
(3a)
20 Ellen Leinwand
1 Rock Ù 20 Ellen
Leinwand
1 Rock,
oder mit
den beiden negierten Ungleichheitszeichen zusammengeschrieben, so dass „nicht-verschieden“
auch als „gleich“ zu akzeptieren sei:
(3b)
20 Ellen Leinwand
1 Rock.
Dabei soll unsere Links-Konvention uns daran erinnern, dass die Leinwand
als Moment der Beziehung vom Gesichtspunkt des Webers die bevorzugte und so als
die seinige markiert ist und dem zu folge also in der Marxschen Terminologie als
„relative Wertform“ gilt, der Rock dagegen „nur“ passiv, als die
entsprechende „Äquivalentform“.
6. Schon
hier ist aber auch der zweite bemerkenswerte Aspekt dieser Asymmetrie zu
beachten. Der Sinn der ganzen Analyse ist ja, Geld als geläufiges
Zahlungsmittel zu definieren. Nicht nur hat Marx sich einen bestimmten scheinbar
harmlosen Ausgangspunkt gewählt, ‚zum Glück’ sich aber auch zwei Waren
ausgesucht, von denen die eine, die Ware A eben quantifizierbar ist, Ware B
dagegen nicht (könnte es aber gewesen sein). Hätte der Weber nur eine volle
Leinwandrolle anbieten können, wäre das Feilschen fast unmöglich gewesen.
Dabei ist schon die Leinwand als die spätere allgemeine Äquivalentware prädestiniert,
die schon die fertige Geldform vorausahnen lässt (siehe unten; II.14ff). So hat
sich aber nicht nur das ursprüngliche Freundschaftsverhältnis in eine
sachliche Beziehung transformiert; diese Beziehung ist gleichzeitig
quantifiziert worden.
7. Warum
aber relative „Wert“-form, solange wir im kategorialen Sinne gar nicht „Wert“
bestimmt haben? Was ist „Wert“ überhaupt?
Es wäre auch gar nicht möglich, dass unsere beiden Akteure uns das erzählen könnten,
da sie bis jetzt nur an „Gebrauchswerte“, oder eher an möglichen Nutzen
gedacht haben (und eigentlich nur diese in der Vorstellung, sozusagen imaginär
verglichen haben). Mit ungefähr gleichem Recht könnte aber gefragt werden: Was
ist „Gebrauchswert“? Eben eine
Vorstellung,[1] die wir von der Ware haben
werden, weil diese uns sinnlich durch ihr Aussehen usw. selbst, zwar stumm aber
doch sinnlich „erzählt“ „was
und wie sie ist“ – z.B. ein warmer
Rock zum Tragen im Winter, bzw. Leinwand zum Nähen. Bestätigen können wir
dies jedoch erst, wenn wir sie uns angeeignet, eingetauscht oder gekauft haben;
noch mehr, in Wirklichkeit erst wenn wir
sie in Brauch genommen haben. Bis dann ist auch dieses Ding, z.B. Rock
genannt, uns etwas ganz äußerliches. Bemerk aber, dass „Anhaben“ eben
nicht auf dem Markt stattfindet, sondern erst wenn die Ware gekauft ist.
Am Markt aber ist diese Äußerlichkeit in der Tat absolut. Beide
Personen wollen einfach ihre Produkte los werden. Der Schneider braucht für
sich selbst den Rock nicht, er hat schon genug davon oder könnte beliebig viele
davon machen; der Weben aus selben Grund nicht die Leinwand. Mehr noch, so lange
diese Sachen auf dem Markt sind, dürfen sie auch gar nicht benutzt werden, höchstens
vorsichtig geprüft, denn so lange sollen sie als „neu“ gelten; nur ihr
sinnlicher „Schein“ darf hier der Einschätzung des Gebrauchswerts dienen
(„Gebrauchsverbot“ am Markt; vgl. Sohn-Rethel[2]).
Eben dieser Äußerlichkeit am Markt wegen wäre es auch erlaubt, noch
einen außenstehenden Beobachter, eine Dritte-Person, in die Marktsituation
einzulassen, um diese nun ganz unvoreingenommen, „objektiv“, eben „äußerlich“
zu betrachten. Diese Person müsste einfach dieser Situation ganz gleichgültig
gegenüberstehen; d.h. einer solchen Dritte-Person würde unsere
links-Konvention ganz unverständlich sein. Diese situationsäußerliche Person
müsste einfach in der Tat den Tauschvorgang symmetrisch beschreiben. Die ursprüngliche
Asymmetrie wird also vom Standort der Dritte-Person in ein scheinbar
symmetrisches Verhältnis verwandelt. Wir unterstreichen aber das ‚scheinbar’;
er leidet gewissermaßen einen „Sinnverlust“.
Diese Dritte-Person würde nun folgendemassen argumentieren: Erstens, wenn
gerade 20 Ellen Leinwand
1 Rock, also A
B, dann müssen diese Dinge erstens irgendwie komparabel sein (diese
Person weist jedoch gar nicht, worin diese Komparabilität besteht). Zweitens
sind diese Dinge dieser Gleichheit wegen, dieses „Gleichgewichtsverhältnisses“
wegen äquivalent, d.h. in gewisser Hinsicht also gleichwertig (Zeichen º). Das
ist eben wegen seiner „Gleichgültigkeit“ der Situation gegenüber; er kann
nicht die beiden Betrachtungsweisen (also auch nicht zwischen Subjekt und Prädikativ!)
unterscheiden. Also würde er schreiben: 20 Ellen Leinwand (A) º 1 Rock
(B). Daraus würde er dann schließen können, dass es in den beiden Sachen
schon „Etwas“ quantifizierbares geben müsste, das beiden Sachen inhärent
ist, eine Art Eigenschaft, die diese also kommensurabel macht. Schließlich würde diese Dritte-Person – und
erst sie – dieses sonderbare, unsichtbare „Etwas“ als „Wert“ benennen
und somit sagen können, dass diese beiden Sachen den gleichen „Wert“ haben,
„gleichwertig“ sind (wir müssen hier gewiss auf die sprachlichen Nuancen
aufpassen!). Wenn also
die Klammer […] „Wert von“ bedeutet, können wir schreiben:
(4a)
{A
B Ù A
B} oder {A
B} Þ {A º B},
oder (mit Vorbehalt) Þ {[A] º [B]}.
Wenn im Ausdruck [A] º [B] schon von Gleichwertigkeit gesprochen wird,
muss dieser Ausdruck doch cum grano salis genommen werden.
Gleichwertigkeit referiert eben zum Wert in seiner besonderen Bezogenheit, in
Marxscher Terminologie eben als „relativer Wert“. Das eigentliche Problem besteht jedoch im endgültigen
Übergang von „Gleichwertigkeit“ zur „Wertgleichheit“ im
Sinne Wert-Identität ([A] = [B]).
Die Dritte-Person würde nicht selbst diesen
Schritt vollziehen können, da sie eben selbst außer Stande ist, den „Wert“
im kategorialen Sinn zu
setzen. Es fehlt ihr das entscheidende Entscheidungsrecht,
das eben nur die beiden Erste-Personen zukommen. Indem diese sich aber geeinigt
haben, als selbstbewusste Personen das Verhältnis
zu
bestätigen, haben sie sich auch entschieden, den Tausch zu verwirklichen. Damit
ist er einfach reale „Wahrheit“ geworden, und somit ist die Wertäquivalenz
{[A] º [B]} wirklich als Wertidentität
{[A] = [B]} gesetzt. Wir können also schreiben:
(4b)
{A º
B} Þ {[A] = [B]}.
Dieses Kommensurabelmachen
zweier nützlicher Dinge, wo wir von allem nicht-kommensurabel zu machenden
abgesehen haben, und die also sonst nichts gemeinsames haben, um also auf dieser
Grundlage ihrer Wertidentität durch Abstraktion
zu erklären – empirisch zwar als ganz alltägliches Phänomen – ist in der
Tat das philosophische Problem jeder
Bewertung, somit auch das Problem der
abstraktiven, kategorialen „Wahrheit“ des Wertbegriffes als solches.
Menschen haben es zwar seit Jahrtausenden praktiziert – doch ohne zu wissen, was
sie dabei eigentlich angestellt haben!
Dieses gemeinsame der beiden tauschbaren Dinge, hier als „Tauschgröße“
definiert, ist „Wert“ im Sinne Witt-Hansen’s Theorie I, eben der „Tauschwert“.
Aus den früheren Abschnitten des Kapitel 1 von Marx wissen wir schon, dass
diese Größe mit der Produktion der Dinge zu tun hat, indem diese ja als
Arbeitsprodukte bestimmt sind. Das ist jedoch eine ganz andere Geschichte (vgl.
dazu das Wägen vom Zuckerhut), die nicht unmittelbar zu dieser
Kategorienanalyse gehört, und die wir deshalb erst in Kap. III analysieren
werden. Was vorläufig gewonnen ist, ist nur, dass wir diese zwei verschiedenen
Dinge jetzt auf ein einziges, einheitliches Prinzip reduziert haben. Doch laut
Marx, „übersieht (man), dass die Größen verschiedener Dinge erst
quantitativ vergleichbar werden nach ihrer Reduktion auf dieselbe Einheit. Nur
als Ausdrücke derselben Einheit sind sie gleichnamige, daher kommensurable Größen.“
(S. 64) Wie sie zu solchen „Ausdrücken“ geworden sind, ist jedoch immer
noch eine Frage, die vorläufig nicht ganz geklärt ist.
8. Mit dieser Identitäts-Behauptung, die philosophisch eben wegen dieses
bewussten Entscheidungsmoments eine „Setzung“ ist, haben wir gleichzeitig
die Definition von (abstrakter) „Identität“ ( = ) gegeben. Mit dieser
primordialen Form von Wertbildung führen wir eine kategoriale Unterscheidung
ein. Sagen wir z.B. a = b, formulieren
wir einen Satz (Urteil), wo das a das
Satzsubjekt ist; das Zeichen = im Sinne von „ist gleich“ (
) bezeichnet diesen Satz als eine Prädikation (oder vielleicht eher als auf
eine Deklarative, „ist“), deren Prädikativ „gleich“ auf das Objekt b
hinweist, so dass also a „gleich“ b ist. Sagen wir aber [a]
= [b], formulieren wir einen anderen Satz, nämlich eine Identitätsbehauptung
in Bezug auf zwei Werte, wo wieder (hier der Wert von) a
das Satzsubjekt ist; das Zeichen = im Sinne „ist identisch“ weist aber auf
echte Prädikation hin („ist“), deren Prädikativ hier jedoch „identisch
mit“ ist, indem es auf (den abstrahierten Wert von) b
hinweist. Das „identisch mit“ impliziert jedoch auch die Vorstellung von „Wahrheit“.
Um unsere prinzipielle Analyse durchführen zu können, ist es deshalb notwendig
zu unterscheiden, und zwar zwischen konkreter Gleichheit (
) im Sinne einer Nicht-Verschiedenheit und abstrakter Identität im Sinne
Wertbildung ( = ). Eine analoge
Argumentation gilt natürlich auch wenn wir einfach a = a
sagen.
Ich möchte hier auf den
Sprachgebrauch der klassischen Philosophie zurückgreifen, um die besondere
Identitätsbehauptung durch „Setzung“ klar zu machen. Indem wir von dem
bekannten logischen Ausdruck „S ist p“ ausgehen, und weiter dieses Urteil als wahr erklären, können
wir logisch schließen, dass der Satz „S
ist nicht-p“ falsch ist: S/p
Þ ØS/~p,
was umgekehrt auch heißt: ØS/~p Þ S/p, da es hier keine
dritte Möglichkeit gibt und somit auch nicht anerkannt werden kann (tertium
non datur). Am Markt dagegen geht es darum, dass z.B. (1a): 25 Ellen
Leinwand > 1 Rock unbefriedigend war, während ungekehrt (2a): 20 Ellen
Leinwand
1 Rock den Händlern eben als nicht-betrügerisch,
nicht-falsch, also akzeptabel erschien. Und so wird auch der Tausch als solcher
(3b): 20 Ellen Leinwand
1
Rock nicht-falsch empfunden, wobei man jedoch nicht sofort behaupten könnte,
dass alle andere Tauschverhältnisse deswegen gleich falsch wären. Das hängt
alles von der aktuellen Situation ab. Von „Wahrheit“ im strikten, logischen
Sinne ist hier also noch lange keine Rede. Das würde eine
gesellschaftliche Formalisierung der ganzen Marktfunktion als
institutionalisiertes Medium interpersonaler
Einigung erfordern, die wiederum auch den Gebrauch von gemünztem Geld notwendig
machen würde, um Wertangaben gesellschaftlich autoritativ auszudrücken (und
das immer noch mit allen Vorbehalten). So haben wir in der Tat vorläufig nur
den ersten Schritt getan, um die Wertkategorie als solche widerspruchsfrei zu
definieren.
Hinzuzufügen wäre noch, in Bezug auf das aktuelle Beispiel, dass wir
die verschiedenen Maße von Leinwand klar unterscheiden können (entweder durch
unmittelbaren Vergleich oder durch Messzahlen). Es tritt hier ein besonderes
Verhältnis von Warenwert und Länge auf, ein Maß an Wert pro Länge. Während
aber Wertidentität gewiss unanschaulich erscheinen könnte, scheint umgekehrt
Wertidentität in Bezug auf Länge unmittelbar erfahrbar. Hier trügt jedoch der
Schein! Wieder muss gefragt werden, ob z.B. A
B oder/und A
B einzuschätzen sei; sind beide Ausdrücke
wirklich akzeptabel? Erst wenn A
B (vielleicht sogar im allgemein
gesellschaftlichen Sinne) akzeptiert wird, können wir uns in Bezug auf Längen-„Werte“
erlauben, von der Identität [A] = [B] zu schreiben. Im Fall einer regelrechten
numerischen Messung wird dieses Scheins wegen auch gern „Wahrheit“ behauptet.
Hinzufügen wäre auch noch, dass die „Länge“ der Leinwand in sich hier
(als Akzidens) von anderen möglichen Eigenschaften (sowie von anderen Längen)
als wohlunterschieden betrachtet und definiert werden muss.
9. Kehren
wir also zur Marktsituation der Erste-Personen zurück.
Aber die zwei qualitativ gleichgesetzten Waren spielen nicht dieselbe Rolle.
Nur der Wert der Leinwand [A] wird ausgedrückt. Und wie? Durch ihre Beziehung
auf den Rock [d.h. B] als ihr “Äquivalent” oder mit ihr “Austauschbares”.
In diesem Verhältnis gilt der Rock als Existenzform von Wert, als Wertding,
denn nur als solches ist er dasselbe wie die Leinwand. Andererseits kommt das
eigene Wertsein der Leinwand zum Vorschein oder erhält einen selbständigen
Ausdruck, denn nur als Wert ist sie auf den Rock als Gleichwertiges oder mit ihr
Austauschbares bezüglich. (S. 64)
Der Wert der
Ware Leinwand wird daher ausgedrückt im Körper der Ware Rock, der Wert einer
Ware im Gebrauchswert der anderen. (S.66)
Vermittelst
des Wertverhältnisses wird also die Naturalform der Ware B zur Wertform der
Ware A oder der Körper der Ware B zum Wertspiegel der Ware A.“ (S.67)
Es ist ersichtlich, dass die Naturalform einer Ware eben
das ist, was diese Ware nützlich macht und ihr also ihren Gebrauchswert gibt.
Die Wertform stellt somit ein Moment der Austauschbarkeit dar; in dieser Form
‚haust’ der Wille des Webers, der so im Gegensatz zum anderen Moment, der Äquivalentform
steht: „Die Äquivalentform einer Ware ist folglich die Form ihrer
unmittelbaren Austauschbarkeit mit anderer Ware.“ So wird “Gebrauchswert zur
Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts“ (ebd.)
Die nähere Betrachtung des im Wertverhältnis zur Ware B enthaltenen
Wertausdrucks der Ware A hat gezeigt, dass innerhalb desselben die Naturalform
der Ware A nur als Gestalt von Gebrauchswert, die Naturalform der Ware B nur als
Wertform gilt. Der in der Ware eingehüllte innere Gegensatz, d.h. durch das
Verhältnis zweier Waren, worin die eine Ware, deren
Wert ausgedrückt werden soll, unmittelbar nur als Gebrauchswert, die andere
Ware hingegen, worin Wert ausgedrückt
wird, unmittelbar nur als Tauschwert
gilt. Die einfache Wertform einer Ware ist also die einfache Erscheinungsform
des in ihr enthaltenen Gegensatzes von Gebrauchswert und Wert, (S. 75-76)
der eben
als dialektischer Widerspruch charakterisiert ist.
Wertformen II und III: Totale oder entfaltete Wertform
und allgemeine Wertform
10. Nun gibt es auf jedem Markt mehr als zwei miteinander austauschbare
Waren. Der Vielfalt möglicher Willensverhältnisse steht eine entsprechende
Vielfalt einfacher Waren gegenüber, ohne schon für einen bestimmten
Tauschvorgang ausgewählt zu sein. Um die ganze Marksituation in dieser Weise zu
beschreiben, müssen wir in Hinsicht auf alle (möglicherweise durch eine
gewisse Länge) von Leinwand austauschbaren Waren unsere Betrachtung erweitern.
Der Leinwandweber unternimmt also jetzt eine vorgestellte, sozusagen imaginäre
Analyse des ganzen Marktes, um seine Möglichkeiten als Leinwandbesitzer zu überschauen.
Die Leinwand stellt immer noch unsere Ware A da; die gegen
sie möglicherweise austauschbaren Waren nennen wir dann B1, B2,
B3, usw. Das Zeichen Ú meint die logische Addition („und“).
(5a)
{A
B1} Ú {A
B2} Ú {A
B3} Ú … Ú {A
Bi} Ú …
Das heißt: „A ist nicht ungleich B1 und nicht ungleich B2
und nicht ungleich B3 usw.“ Dabei gilt nun auch die
Drittengleichheit: Wenn {A
B1} und {A
B2}, dann auch {B1
B2}. Hier ist nun zu überlegen, wieweit diese paarweise
Beziehungskonjunktionen nach der Gleichheitskategorie (
) oder der Identitätskategorie ( = ) zu bewerten sind. Wir wollen ja eben
die Wertbildungsoperation erklären. Es wäre also zu fragen, wieweit eine Summe
von einzelnen Entscheidungen hier im Spiel sind, oder ob dieser ganze
Zusammenhang auch von einer außenstehenden Dritte-Person zu beurteilen wäre.
Im ersten Fall besetzt der Leinwandweber mit seiner Leinwand scheinbar immer
noch den aktiven Pol der Warenbeziehungen (und operiert so als Erste-Person).
Hier zeigt sich jedoch die Schwierigkeit, die Wertform I zu verallgemeinern,
denn man kann hier nicht mit Identitätsbehauptungen rechnen, da in diesem Fall
keine hinreichenden Bestätigungen möglich sind. Eher wäre eine vorgestellte
Äquivalenzbehauptung möglich:
(5b) {[A] º [B1]} Ú
{[A] º
[B2]} Ú
{[A] º
[B3]} Ú
… Ú {[A] º [Bi]} Ú …
Diese Konjunktionen bestimmen zusammen die „Totale oder
entfaltete Wertform“ (Wertform II).
Stehen also erst zwei Dinge einander polar gegenüber (Wertform I), können
es auch viele tun (Wertform II). Also wird es möglich (und notwendig) für
unseren Weber, sich unmittelbar in der Vorstellung analytisch über ein ganzes
Feld veräußerlicher Dingen zu erkundigen, und so andere ebenfalls veräußerliche
Dinge als Äquivalentdinge zu finden, um sich vielleicht eines von ihnen
anzueignen, so dass nachher nur dieses sich auf den Weber als das seinige
beziehen wird. Der ganze Vorgang wird eben nur Sinn haben, wenn dieses Ding dem
Weber besondere Vorteile geben wird. Nach dem Tausch gehört also dies ihm persönlich
(ganz ‚naturwüchsig’). Das war eben der Sinn der ganzen Sache.
11. Diese Analyse gibt uns also – mindestens in der Vorstellung – ein
“buntes Mosaik auseinanderfallender und verschiedenartiger Wertausdrücke.“
(S. 78) Wir kehren deshalb lieber die logische Addition der ursprünglichen
Reihe in eine logische Multiplikationsreihe um: „Jede dieser Gleichungen enthält
aber rückbezüglich auch die identischen Gleichung(en)“ (S. 79). In solchen rückbezogenen
Verhältnissen gilt dann die Leinwand als Existenzform aller anderen Werte,
somit als (kollektives) Wertding, denn nur so spiegelt sie den Wert eines jeden
Bi (vgl. S. 64). Hier treffen wir also den Leinwandweber mit seiner
Leinwand als den passiven (d.h. nicht-subjektiven) Pol der Austauschbeziehungen
(auf die rechte Seite der Formel), und man könnte deshalb vermuten, dass diese
Erste-Person kaum im Stande wäre, selbst irgendwie Identitäten zu behaupten,
was ja letzten Endes die Subjektivität des Entscheidungsrechts involvieren müsste.
Und wieder könnte uns eine Dritte-Person nicht weiter helfen. Wir würden also
in dieser Perspektive gesehen die folgende Reihe erhalten (und zwar mit den gewöhnlichen
Vorbehalt):
(6)
[B1] º [A]} Ù {[B2] º
[A]} Ù
{[B3] º
[A]} Ù
… Ù
{[Bi] º [A]} Ù …
Die Formel (6) repräsentiert dann die „allgemeine
Wertform“ (oder „allgemeine Äquivalentform“; Wertform III). Mit ihr ist
der „Erste dialektische Sprung“ der Marxschen Wertformentwicklung realisiert.
Die Waren [Bi] stellen ihre Werte jetzt 1. einfach dar, weil in
einer einzigen Ware [A] und 2. einheitlich, weil in derselben Ware. Ihre
Wertform ist einfach und gemeinschaftlich, daher allgemein. (S. 79; Klammer von
R.Sw.)
Hier stellen die vielen Bis ihre Wertform in
der ursprünglichen, eben der quantifizierbaren, Ware A, der Leinwand, und zwar
gesellschaftlich aktiv, dar; dies wird natürlich durch die Argumentation der
Drittengleichheit unterstützt. Diese ist damit jetzt zum (qualitativ
gleichartigen, quantitativ wechselnden) Wertausdruck des ganzen Markts geworden
– und nähert sich so einerseits immer mehr der Geldform, andererseits aber
verliert sie in Bedeutung als normale Tauschware. Von dieser Ware A sagt Marx:
„Die allgemeine Wertform entsteht dagegen [in Widerspruch zu den beiden ersten
Wertformen] nur als gemeinsames Werk der Warenwelt“ (S. 80), also als
kollektives Werk „des gesellschaftlichen Willensverhältnisses“ (wobei
jedoch immer noch die individuellen Willensverhältnisse heruntergespielt werden,
so dass die dafür notwendige Entscheidungssubjektivität unausgesprochen bleibt).
Zum Zweiten kann daher, da alle Waren ja als
Arbeitsprodukte gelten, weiter von der Leinwand als allgemeiner Äquivalentware
gesagt werden,: „Ihre Körperform gilt als die sichtbare Inkarnation, die
allgemeine gesellschaftliche Verpuppung aller menschlichen Arbeit,“ (S. 81)
was an und für sich eine gesellschaftlich-allgemeine Subjektivität einschließen
müsste (durch Produktion „für andere“[3]). Diese eine Ware, also
die Leinwand, befindet sich daher „in der Form unmittelbarer Austauschbarkeit
mit allen anderen Waren oder in unmittelbar gesellschaftlicher Form, weil und
sofern alle anderen Waren sich nicht darin befinden.“ Dies alles hebt nochmals
die Leinwand als besondere Ware hervor, obwohl in einem anderen Sinn als vorher
(und noch immer in ihrer alten Form II anzutreffen).
Wir bemerken hierzu, dass diese Wertformen I und II
Auswahlrelationen sind (und zwar vom Gesichtspunkt des Webers; logische
Additionsform). Umgekehrt im Falle Wertformen III, welche durch die Umkehr der Beziehungs- oder Tauschrichtung eine Vereinigungs- oder
Konzentrationsform (logische Produktform) darstellt.
12. Mit diesem Ersten Sprung ist erreicht, dass der ganze Markt, d.h. die
Ganzheit aller Waren dieses Marktes sich die Leinwand als einheitliches
Spiegelbild gesetzt hat. Die Spiegelrichtung hat sich umgedreht, das analytische
hat sich ins synthetische verwandelt.
Damit ist gleichzeitig die subjektive, ideelle Asymmetrie
vom Standort Erste-Person – von außen, passiv – gesetzt. Etwas analoges
wurde einmal (jedoch gewiss auch mit Vorbehalten) so ausgedrückt: der König
ist als König gesetzt, weil die Untertanen ihn als König anerkennen; eben
nicht umgekehrt des Königs selbst wegen (obwohl er sich gewiss auch persönlich
auszeichnen könnte, z.B. durch Mut, Stärke, Klugheit usw.). Die nächste Frage
wäre dann, warum die anderen ihn auch weiterhin allgemein akzeptieren möchten
– was natürlich auch seine Gründe haben könnte (z.B. Gewalt und Zwang,
gegebenenfalls aber auch seine
Anerkennung als Inkarnation des gemeinsamen, imaginären Gattungs-„eidos“
oder eines sonst göttlichen Wesens).
Von der Erste-Person unserer abstrakten Marktsituation aus
gesehen, primär also vom Weber aus, hat dieser Erste Sprung subjektiv-ideell
sein persönliches Weber-„Ich“ objektiviert, und zwar den anderen
Marktpersonen durch dieses „gemeinsame Werk des gesellschaftlichen Willensverhältnisses“
gegenüber. Indem nämlich die Leinwand zum (imaginären) Zentrum des Markts und
möglicher Tauschaktionen wird, wird der Weber selbst im Spiegel aller anderen
– sozusagen hinter seinem eigenen Rücken – als besonderes „Ich“ mit
eigener synthetisierten Denkweise (im Sinne Sohn-Rethels als spezifischer „nexus“ der Marktform III). Er repräsentiert somit in dieser
besonderen Hinsicht in der Tat die ganze „Idee“ dieser ganzen
Marktgesellschaft. Das soll natürlich nicht heißen, dass der Weber nicht immer
als Glied seiner Gesellschaft existiert und auch dementsprechend gedacht hat;
auch nicht, dass Menschen der „naturwüchsigen Gesellschaften“ nicht auch
„denken“ (vgl. wieder Einleitung).
Es bedeutet nur, dass er sich als Person in dieser neu individualisierten Form
seiner Gesellschaft eben diese in spezifischer Hinsicht – in Tat und Gedanke
– neu einbindet und vereinheitlicht.
So steht es ihm auch umgekehrt frei, nach eigenem
individuellen Willen seinen nächsten (wie immer individuellen) Kontrahenten
auszuwählen, um sich als „Ich“ für den nächsten Tausch zu behaupten, dann
aber, wie gesagt, als leiblicher Mensch, der dann wieder seine Form II
verwirklicht. In dieser Zwieschlächtigkeit seiner Person ist er – eben mit
seinem neu synthetisierten „Ich“ den anderen individuellen „Ichs“ gegenüber
– zwar vom Markt als solchen abstrahiert, fühlt sich aber eben so als
subjektiv „frei“. In Form eben dieses Marktgattungs-eidos verkörpert
dieses „Ich“ (nicht nur das des Webers, sondern die allen anderen auch, die
diese Funktion haben könnte – und haben) jetzt den „wahren“ Markt-Ethos.
Vom äußeren Dritte-Person Standort aus gesehen, d.h.
objektiv betrachtet, sind jedoch alle betreffenden Personen (der Weber, der
Schneider und alle anderen, die in diesem Marktmodell auftreten) gleichwertig,
sie unterscheiden sich empirisch durch nichts. Keine von ihnen kann sich als
Warenbesitzer allein auf Kosten anderer hervorheben, denn jede Ware könnte
genau so gut die besondere Stellung der Leinwand einnehmen. So wird auch jeder
einzelne Händler in gleichem Maße als entscheidungsfähiges Ich identifiziert,
und von diesem aus ist sein ganzes Verhalten auf dem Markt „individualistisch“
bestimmt.
In diesem Sinne gilt auch, dass alle diese Warenbesitzer-„Ichs“
insofern „gleich“ sind, mehr noch, sie sind „äquivalent“ (im
menschlichem Sinne „wert“-gleich!). Aus den so dargestellten (objektivierten)
„Ich“-Relationen wäre dann diese (personifizierten) „Ichs als solche“ (Haveloch:
„Ich, ja das!“ – jedoch nur unter diesen bestimmten Bedingungen) als
abstrakt-identische Momente aufzufassen, formal betrachtet der Wertabstraktion
analog (vgl. Einleitung wobei jedoch
hier genau von allen persönlich körperlichen wie moralischen Momenten
abstrahiert wird; vgl. hierzu überhaupt Havelocks Entwicklung der Idee von der
Sache „als solche“, als „der, ja er!“ usw.; Einleitung Pkt. 17).
Wertform IV: Geldform
13. Nach diesem Ersten Sprung in die etablierte, synthetische, individuelle
und gesellschaftliche Existenzform der ganzen Marktgattung mit ihren Waren und Händlern,
geht es nochmals um analytisches Abtasten des Markts, diesmal jedoch um die
erreichte Synthesis eine neue materielle Form zu geben. War vorher die Leinwand
der Form III als imaginäres, abstraktes und „Ich“-bezogenes Zentrum möglicher
Tauschaktionen etabliert, so gilt es jetzt durch erneute Analyse des Markts eine
besondere Ware auszuwählen, die nicht persönlich allein auf den Weber bezogen
ist, sondern eine weitere formelle Synthesis erlaubt, indem sie diese
individualistische Bezogenheit auf sich allein und allgemein – und sogar real
– zu etablieren. Dafür werden nun
verschiedene Materialien in der Vorstellung qualitativ ausprobiert, Gold, Silber,
Kupfer, vielleicht Weizen, Salz usw. Die Dinglichkeit dieser Sachen ist immer (wie
auch schon die der Leinwand, nicht aber die des Rocks) auch quantitativ
bestimmbar und somit durch ihre (im Prinzip) unbegrenzte Teilbarkeit
charakterisiert. Die dafür ausgewählte Ware nimmt somit die Wertform IV an. Doch
dies bedeutet vorläufig nichts weiteres, als das mit der Leinwand formal
erreichte zu wiederholen und zu vervielfältigen – gewiss auf materiell etwas
besser gesicherter Basis (vgl. hierzu Wertform II).
Nach der Analyse der allgemeinen Äquivalentform wirkt
jedoch die Analyse einer Wertform IV eher als ein Antiklimax. In Form III war
Leinwand (als Folge der Form II) hervorgehoben als die allgemeine Wertform (allgemeine
Äquivalentform) des ganzen Marktes, obwohl diese Sonderstellung ganz zufällig
war; auch nicht die Materialität der Leinwand hat diese Ware für ihre
Sonderstellung besonders prädestiniert. Nur ihre Teilbarkeit war insofern
wesentlich, ohne dass jedoch Marx je diese besondere Notwendigkeit explizit
hervorhob. Mehr noch, jede andere (quantifizierbare) Warenart wie Korn oder
Eisen hätte subjektiv die gleiche Sonderstellung einnehmen können – und
realiter tun sie es alle in der Form III auch. In dieser Hinsicht waren alle
Waren gleichberechtigt. Jede Person könnte ihre eigenen Waren (besonders die
quantifizierbaren) als das entscheidende Mittel betrachten, um sich andere Waren
anzueignen. Alle Waren könnten eben ihrer Körperform, und so auch ihrer
Gebrauchswerte wegen, diese Stellung einnehmen als die sichtbare Inkarnation
aller gesellschaftlichen Arbeit, also „in der Form unmittelbarer
Austauschbarkeit mit allen anderen Waren oder in unmittelbar gesellschaftlicher
Form, weil und sofern alle anderen Waren sich nicht darin befinden.“
Das implizite Willensverhältnis, das diesen Markt bisher
bestimmte (Form III), war also
egalitär verteilt. Hätte jedoch unser Weber auch Wolltücher zum Verkauf
produziert, würde er diese nicht gegen Leinwand eintauschen, da bezüglich
dieser zweiten Weberware der letzten Bemerkung zu folge keine Geltung haben würde;
sie wäre in diesem Fall eben keine Inkarnation gesellschaftlicher, sondern nur
der persönlichen Arbeit. Sehen wir aber von diesem besonderen Fall ab, können
wir sagen, dass also weder die Leinwand noch irgendeine andere Ware sich in
diesem Sinne wirklich „vom selbst“ hervorheben kann als gemeinsames Werk der
ganzen Warenwelt. Vom Standpunkt der Dritte-Person ist also der reale Sinn der
„Aktivität“ der Waren – und somit die Subjektivität des Markts überhaupt
– wirklich zu bezweifeln (und somit jedes Verständnis der realen
Entwicklungsmöglichkeiten des Marktes überhaupt gefährdet).
Dieses Problem wurde aber historisch schon früh gelöst.
Es ging einfach darum, eine besondere Ware aus dem Markt herauszudestillieren,
deren materielle Bedingungen für diese spezifische Aufgabe im Marktverkehr
besonders geeignet war (und dazu natürlich auch qualifizierbar), um also für
die Aufgabe als Inkarnation gesellschaftlicher Arbeit zu erscheinen. Solche
Waren waren immer Gold, Silber oder andere Edelmetalle gewesen; ihrer ästhetischen
Wirkung wegen dienten sie schon früh als besondere Materialisationen des Göttlichen,
des Gattungswesens wie schon oben dargestellt. So wird z.B. Gold eben in der säkularisierten
Marktwelt zur besonderen „Geldware“ (Form IV). Wir können somit die Formel
(6) oben einfach derart ändern, dass Waren im allgemeinen (Wi) statt
Leinwand (A) nun dem Gold (G) gegenüber steht (doch mit gewöhnlichen Vorbehalt).
Im Folgenden müssen wir jedoch immer den Gegensatz
zwischen den Wertformen II und III, d.h. zwischen den logisch additiven (Ú) und multiplikativen (Ù)
Darstellungsformen im Auge behalten, die beide für die folgenden Analysen
wesentlich sind. So müssen wir in der Tat die Formel der Wertform IV zweifach
schreiben, wobei die Formel (7a) die der Wertform II analog ist. Wir haben hier:
(7a)
{[G] º [W1]}
Ú {[G] º [W2]} Ú {[G] º [W3]} Ú ... Ú {[G] º [Wi]} Ú …
In (7b) ist die Schreibweise die der Wertform III und der
Formel (6) analog, indem die Geldware hier wieder als allgemeine Äquivalentware
auftritt:
(7b)
{[W1] º [G]} Ù {[W2]
º [G]} Ù {[W3]
º [G]} Ù … Ù {[Wi]
º [G]} Ù …
In dieser Form wiederholt sich also für die Geldware, was
oben von der Leinwand in der Form III gesagt wurde (vgl. II.12). Hiermit ist die
ideelle Asymmetrie vom Standort der Erste-Person, hier des Goldbesitzers, wieder
gesetzt, dessen persönliches „Ich“ somit als „gemeinsame Werk des
gesellschaftlichen Willensverhältnisses“ objektiviert – eben als „Idee“
dieser entwickelteren Marktgesellschaft. Und so steht es natürlich auch dem
Goldbesitzer frei – und zwar noch ausgeprägter und viel leichter als vorher
der Leinwandweber – nach seinem individuellen Willen den nächsten
Kontrahenten mit der für ihn beste Ware auszuwählen.
14. In (7b) gilt die materielle Körperform des Goldes also als die
unmittelbare Inkarnation, als die „allgemeine gesellschaftliche Verpuppung
aller menschlichen Arbeit“; als diese Inkarnation wird dieses nun zum ausgewählten
Wertspiegel aller anderen Waren Wi, d.h. zum allgemeinen,
quantifizierten Wertausdruck überhaupt. (Vgl. S. 81) Das implizite Willensverhältnis,
das jetzt diesen Markt determiniert (vgl. Form III), ist hiermit eben nicht mehr
egalitär verteilt; die Goldware erhält einen Sonderstatus als explizite
Vergleichsware, als die allgemeine Äquivalentware, und so tut in der Tat auch
der Goldbesitzer selbst. Diese
goldene Wertform nennt Marx also die Geldform oder Wertform IV. So nimmt jetzt
Edelmetalle die privilegierte Stellung der früheren Leinwand ein und zwar real,
so dass dise auch in Praxi eine gewisse Sonderstellung bekommen, die historisch
schon früh für den meisten Großhandel belegt ist. Gold (oder Silber usw.) hat
in dieser Hinsicht verschiedene Vorteile. Im normalen Sinn sind Edelmetalle
keine Gebrauchsdinge; man tauscht meistens nicht Gold ein, um es im Haushalt
oder sonst wo konkret zu brauchen (außer als Statussymbole). Außerdem sind sie
stabil, behalten somit Qualität und Quantität ungeändert über lange Zeiträume.
Trotzdem nehmen im Prinzip alle Händler auf dem Markt
subjektiv die gleiche Position zum Gold ein; alle bekommen diese Gold/Geldware
in den Händen, wie früher potentiell die Leinwand. Alle können mit Gold
tauschen, so viel sie wollen. Als möglicher Gold- oder Geldbesitzer aufzutreten
zu können, sind alle im Prinzip gleichberechtigt und können genau so gut
feilschen, wie damals der Weber und der Schneider. Dazu kommt historisch, dass
Quantifizierung im Allgemeinen nichts seltenes ist; im Fall von Messen ist das
seit früh praktiziert (vgl. die Diskussion über Aristoteles; Einleitung
Pkt. 21); so hat sich auch ganz natürlich gegeben, dass, weil Gold messbar ist
mittels einer Waage – wie Leinwand mittels eines Metermaßes – Gewichtsnamen
als Namen für die Wertmaße benutzt wurde.
Es muss aber bemerkt werden, dass von diesen materiellen Unterschieden
abgesehen nichts kategorial neues entstanden ist. Deshalb die Bemerkung oben von
Antiklimax! Dies ist um so bemerkenswerter, als Marx mit dieser Form IV seine
Wertformanalyse abschließt. Eine endgültige Identitätsdefinition des Werts
steht also in der Tat noch aus.
Wertform V: Münzform des Geldes
15. Mit der hier einzuführenden nicht-marxschen Wertform V des gemünzten
Geldes realisiert der Wertbildungsprozess den „Zweiten Sprung“ der
Wertformentwicklung, der also von Marx selbst nicht definiert wurde. Galt vorher
die Leinwand als allgemeine Äquivalentware aller anderen Waren am Markt, so fällt
jetzt diese besondere Mittlerrolle ausschließlich dem eigentlichen Geld (als Münzgeld)
zu. Seine Formentwicklung müssen wir deshalb genauer analysieren.
Es kann wundern, dass Marx nicht selber auch Münzgeld
kategorial bestimmte. Mit der Geldprägung ist tatsächlich etwas Neues
eingetreten, wobei eben das Münzgeld mit den besonderen Willensverhältnissen
seiner Träger (den Geldbesitzer) die ganze Marktfunktion entscheidend – und
weitgehend in neuer Weise – bestimmt. So ist es legitim sich zu wundern, warum
Marx nicht selbst diesen letzten Schritt genommen hat – um so mehr als der
ganze Sinn dieser Wertformanalyse doch wohl gewesen war, eben Geld kategorial zu
definieren. Jedenfalls lag ihm doch der Weg dazu offen.
Für das gemünzte Geld führen wir jetzt statt G die
Buchstabe M ein. Wir gehen hier davon aus, dass die Wertabstraktion voll
durchgeführt ist, wovon wir doch unten weiter zu sprechen kommen. Auch hier bezüglich
der Wertform V müssen wir aber wie auch im Falle Wertform IV sowohl auf die
additive wie auf die multiplikative Darstellungsweise eingehen. Die additiv
dargestellte Form V, die die Wertformen II entspricht, heißt dann:
(8)
{[M] = [W1]} Ú {[M] =
[W2]} Ú {[M] =
[W3]} Ú ... Ú {[M] = [Wi]}
Ú…
Unter dem entgegengesetzten multiplikativen Aspekt dieser
Geldform V, wo die Waren Wi die aktive Seite des Marktverkehrs
darstellen, und das Geld (wir schreiben in diesem Zusammenhang M*) in der
passiven Funktion als allgemeines Äquivalent auftritt, d.h. als Spiegel der
ganzen Warenwelt, schreiben wir:
(9a)
{[W1] = [M*]} Ù
{[W2] = [M*]} Ù {[W3] = [M*]} Ù
... Ù
{[Wi] = [M*]}Ù…
Der Term [M*] für die allgemeine Äquivalentfunktion des
Geldes bedeutet – ob als Arbeitsprodukt betrachtet oder nicht, dass auch das
gemünzte Geld „als die sichtbare Inkarnation, die allgemeine
gesellschaftliche Verpuppung aller menschlichen Arbeit (gilt).“ (S. 81) So
gilt auch hier weiter, dass dieses Geld sich „in der Form unmittelbarer
Austauschbarkeit mit allen anderen Waren oder in unmittelbar gesellschaftlicher
Form (befindet), weil und sofern alle anderen Waren sich nicht darin befinden.“
Insofern wiederholt sich die Analyse der Wertform III; und folglich funktioniert
das Geld hier quantitativ als „Maß der Werte“.
16. Auch in dieser formalen Situation tritt eine gewisse Abstraktion ein.
Dieser Zweite Sprung der Wertformentwicklung gleicht im vielen dem Ersten Sprung,
was Synthetisierung des ideellen „Zentrums“ des Marktes als „gemeinsame(s)
Werk des gesellschaftlichen Willensverhältnisses“ betrifft. Diese
Abstraktifizierung des Geldes greift nun auch auf seine gesellschaftliche
Funktion über. Formel (9a) definierte das Geld als „Maß der Werte“ [M*].
Vergleichen wir jedoch diese Formel mit der additiven Formel (8), erkennen wir
eher das Geld in seiner Funktion als Kaufs- und Zahlungsmittel. So ist das eben
gebrachte Zitat von S. 81 nicht ganz eindeutig. Es gilt dort um so viel Geld
aufzutreiben, dass der gewünschte Verkauf zu Stande kommt; so funktioniert Geld
gewiss als aktuellen Preisausdruck der Ware, ungeachtet ihres wirklichen
Wertgehalts der gewünschten Ware. Für diese Funktion schreiben wir deshalb
[M!]. Diese Funktion bestimmte jedoch eher, wie viele Waren den Geldbesitzer,
der Eigentümer eben von [M!] kaufen kann. Wir erhalten dabei eine weitere
Formel, nämlich die für Geld als Kaufmittel, die im Verhältnis zum formalen
Ausdruck des allgemeinen Äquivalentmaßes wesentlich abgeschwächt ist; wir können
in der Tat nicht sicher sein, dass alle Warenwerte [Wi] tatsächlich
hier streng identisch sind, und müssen somit Formel (9a) in multiplikativer
Form etwas anschwächen:
(9b)
{[M!] = [W1]} Ù {[M!] = [W2]} Ù {[M!] =
[W3]} Ù ... Ù {[ M!] =
[Wi]} …
Wir nennen nun nach Marx die Geldfunktion [M!] „Maßstab
der Preise“ und erinnern uns an folgende Bemerkung:
Man sah, dass der Austauschprozess der Ware widersprechende und einander
ausschließende Beziehungen einschließt. Die Entwicklung der Ware [zur Geldware
Form IV und weiter; R.Sw.] hebt diese Widersprüche nicht auf, schafft aber die
Form, worin sie sich bewegen kann. (S. 118)
Und er fügt hinzu: „Dies
ist eben die Methode, wodurch sich wirkliche Widersprüche lösen.“ (Ebd.)
Es hätte in der Tat keinen Sinn zu behaupten, dass die
Leinwand wirklich eine besondere Bedeutung am Markt gehabt hatte. Im
kategorialem Sinn kaum noch, dass Gold seiner besonderen Materialität zum Trotz
eine solche Bedeutung hatte. Mit dem Münzgeld stellt sich dies jedoch ganz
anders. Dazu kommt das historisch wichtige Faktum, dass Münzgeld aktiv geprägt
wurde, was in der Tat einen entscheidende Unterschied macht – auch im Verhältnis
zur einfachen Gold/Geldware. Hier wurde durch Prägung – eine bewusste,
sinnvolle und gesellschaftliche, sogar institutionelle Leistung – eine ganz
besondere „Warenart“ geschaffen. Ihre Existenz wurde
gesellschaftlich-subjektiv beschlossen. Ihre materielle Erscheinung – ihre
besondere geprägte Körperform und Ausprägung, die nichts mit eigentlichem
Gebrauchswert zu tun hat – funktioniert auch nicht im realen, nur im
abstrakten Sinn als Inkarnation abstrakt menschlicher Arbeit. Sie gilt nur als
deren allgemeine gesellschaftliche Repräsentation.
Damit hat diese neue Geldform nicht nur wirklich eine
privilegierte Stellung am Markt gewonnen, sie ist eben deshalb „erfunden“,
um genau diese Stellung einzunehmen. Mehr noch; die Prägung bezeugt eben die
gesellschaftliche Entscheidung, die allgemeine Bestätigung, diese
Münze wirklich als „Geld“ zu institutionalisieren
(d.h. zu setzen),
um die Funktion als allgemeines Zahlungsmittel besser zu erfüllen.
So wurde der Markt als solcher wirklich zu einer gesellschaftlichen Institution.
In diesem Sinn bildet das Geld die synthetische Einheit polarer Gegensätze,
als Maß der Werte & Zahlungsmittel (Maßstab der Preise); so vermittelt es
praktisch jeden möglichen Tausch in Form von Kauf und Verkauf.
17. Damit ist jetzt realiter auf dem Markt jede Gleichberechtigung der Waren
und ihrer „Willensverhältnisse“ aufgehoben. Der Schneider tauscht nicht
einfach seinen Rock weg; er verkauft ihn,
eben um Geld zu kriegen, um (allen anderen Waren gegenüber) damit als
Geldbesitzer ganz frei umgehen zu können. So hat er bedeutende Vorteile im Verhältnis
zu anderen, die kein Geld besitzen; für diese heißt die Frage immer, wie
Geld von den Geldbesitzern herauszulocken. So erscheint dieser Form des Geldes
(des „allgemeines Äquivalents“) wegen auch der Geldbesitzer in Person –
eben ‚als gemeinsames Werk des gesellschaftlichen Willensverhältnis’
– als das neue gesellschaftlich-ökonomische „Ich“, das gerade
institutionell bestätigt worden ist. Als Geldbesitzer in dieser Weise ökonomische
„Macht“ zu besitzen ist also nicht nur Ausdruck des Willensverhältnisses
des einzelnen Händlers oder Geldbesitzers; Münzgeld drückt diese „Macht“
des allgemeinen institutionalisierten
Willensverhältnisses der ganzen Gesellschaft aus. In diesem Sinne
bestimmt das Geld und seine gesellschaftliche Verteilung die ganze
Warendistribution, so dass für diese Funktion kein Einzelner
allein-verantwortlich gemacht werden kann. Allgemeines Willensverhältnis ist
eben ‚höheren’ Charakters. So könnte man gewiss mit einem Marxschen
Ausdruck behaupten, dass Münzgeld durch „allgemeine Arbeit“ hergestellt ist,
die jedoch anderer Art ist, als die Marx normalerweise mit diesem Ausdruck
verbindet. Es ist genau diese spezifische Form des gesellschaftlichen Verhältnisses,
die Marx nicht in diesem Zusammenhang reflektiert.
18. Um diese wirkliche „Marktrevolution“ des Zweiten Sprungs zu
markieren, haben wir eben G in M*, bzw.
M! geändert und markieren damit, dass endgültig Münzgeld in die
abstrakte Welt der Identitäten, der Werte erhoben ist – und damit in die
abstrakte Welt der (institutionalisierten) „Wahrheit“, bzw. – was natürlich
damit zusammenhängt – in die Welt möglicher „Falschheit“.
Aus die Formeln (9a) und (9b) geht auch hervor, dass das
gemünzte Geld nie den Markt verlassen wird; als solche ist es auch nicht wie
andere Waren abnutzbar. Da es also keinen wirklichen Gebrauchswert hat, wird es
ständig zirkulieren, hier und da und überall eingreifen, immer bereit für die
nächste Transaktion. Schatzbildung interessiert uns in diesem Zusammenhang
nicht. Im Prinzip funktioniert das Geld also als allgemeiner Wertrepräsentant
– und als der institutionalisierte Ausdruck des gesellschaftlichen Willensverhältnis,
des ökonomischen „Ichs“ – als Vermittler jeder Preissetzung. Leinwand könnte
benutzt werden, um etwas einzutauschen, wird danach aber gegebenenfalls als Wäsche,
als Material für neue Kleider usw. verbraucht. Ähnliches gilt für Rock,
Kaffee, Tee, Eisen usw., die alle im allgemeinen Leben benutzt und verbraucht
werden, um wieder zu verschwinden; so eignen solche Waren sich nicht, um ein ökonomische
„Ich“ des gesellschaftlichen Willensverhältnisses zu begründen. Nur das
Geld bleibt; es verhält sich selbstidentisch – genau wie das „Ich“ selbst.
Die materialisierte Geldform mit ihrer spezifischen Prägung
beruht somit auf einer gesellschaftlich-institutionellen Entscheidung die (qualitative
und quantitative) „Wahrheit“ der Münzen in ihrer real gegebenen Form zu
bestätigen. Marx schrieb in Kapitel 3:
Als Maß der Werte [M*] und als Maßstab der Preise [M!] verrichtet das Geld
zwei ganz verschiedene Funktionen. Maß der Werte ist es als die
gesellschaftliche Inkarnation der menschlichen Arbeit. Maßstab der Preise als
festgesetztes Metallgewicht. […] Für den Maßstab der Preise muß ein
bestimmtes Goldgewicht als Maßeinheit fixiert werden. (S. 113; Klammer von R.Sw.)
Da der
Geldmaßstab einerseits rein konventionell ist, andererseits allgemeiner Gültigkeit
bedarf, wird er zuletzt gesetzlich reguliert. (115)
Fixierung, gesetzliche Regulierung usw., die jeder Münzprägung
anhaften, sind genau solche institutionelle Verhaltensweisen (ob vielleicht auch
nur performativ realisiert), die einerseits den individuellen Entscheidungen
unseres Webers und Schneiders wiederholen und diesen analog sind, die aber
andererseits gesellschaftlich fundiert sind, indem sie behaupten, mehr noch,
garantieren und bestätigen, dass objektiv-abstrakte Identität eingehalten wird,
gilt.
M.M.n. ist es jedoch immer noch bemerkenswert, dass Marx
diesen wesentlichen Punkt erst hier und nicht schon im formalen Kap. I.3 angeführt
hat. So bekommt dieser Punkt nicht die Bedeutung in seiner Analyse, die wir ihm
hier notwendig zuschreiben müssen. Andererseits ist auch zu beachten, dass jede
Garantie, auch eine institutionelle, wie jede andere Entscheidung, auf falschen
oder mindestens ungenügenden Voraussetzungen beruhen kann.
Mit dieser „Fixierung“ und „gesetzlichen Regelung“ des Äquivalenzverhältnisses
zwischen Waren und Geld können wir endlich mittels der folgenden Biimplikation
die Identität zwischen zwei „Werten“ (z.B. zwischen Ware und Geld)
allgemein und somit gleichzeitig den Begriff „Wert“ als solchen definieren
– und zwar unabhängig davon, wie diese „Fixierung“ usw. praktisch
vorgenommen wurde. Diese Biimplikation heißt in aller Einfachkeit
(10)
{[A] º
[B]} Û
{[A] = [B]}.
Hiermit ist die „Wahrheit“
der Wertbestimmung formal bestätigt, und wir können unsere frühere Vorbehalte
– abgesehen von ihrer Relativität – aufgeben.
19. So unterscheiden (aber eben nicht trennen!) wir
im Folgenden nicht weniger als drei verschiedene Formen oder Funktionen des
Geldes in seiner Bezogenheit auf den Markt, denen wir dann verschiedene Symbole
geben werden. [M*] steht für die Funktion als Maß der Werte, [M!] für die
Funktion (der geprägten Münze) als Maßstab der Preise; dazu kommt endlich die
Funktion des Geldes als „Rechengeld“, auf das wir gleich (Pkt. 19) zurückkommen
werden. Wesentlich zu beachten ist kategorial zunächst die Nichtidentität [M*]
¹
[M!], was jedoch in keiner Weise „Unwahrheit“ bedeuten soll. Es geht also
hier um den dialektischen Widerspruch der Geldfunktion als solcher, um ihren „daseienden
Widerspruch“ (um hier mit Hegel zu sprechen; vgl. Ausblick),
wobei das Geld eben die Form schafft, worin sich die Widersprüche bewegen können.
Hiermit wird nochmals die Nähe der Schranke der Marxschen Theorie signalisiert.
In der Einleitung haben wir auf
Peter Rubens Definition des Widerspruchs rekurriert. Diese basierte auf der
Biimplikation !S/Î(p & ~p)
Û
ØS/Îp Ù ØS/Î~p. Hier werden
wir z.B. p als Maß der Werte [M*] interpretieren, ~p
(Gegenposition) als Maßstab der Preise [M!]. Die Biimplikation
wird dann heißen (G für Geld):
!G/Î([M*]
& [M!]) Û
ØG/Î [M*]
Ù ØG/Î[M!],
was zu lesen ist: Es
ist wahr, dass Geld gleichzeitig als Maß der Werte und als Maßstab der Preise
definiert ist, wenn und nur wenn Geld nicht nur als Maß der Werte und
nicht nur als Maßstab der Preise definiert werden kann.
Materielle Existenz erhält die Geldware erst durch ihre
Prägung, wobei diese Repräsentation dingliche Ausformung annimmt; durch diese
Symbolisierung des Werts wurde dieser ganz handgreiflich. Weil diese Ausformung
nun gesellschaftlich autorisiert und bestätigt, eben institutionalisiert wurde
(durch König, Tempel oder andere allgemeine Verantwortungsträger), repräsentiert
diese Prägung in sich die allgemeine „Wahrheit“ des Geldes. „Wahrheit“
in Form realer Selbstidentität ist Frage gesellschaftlicher Autorisation! (Wie
wir aber sehen werden, steht immer noch der konkrete Ausdruck dieser „Wahrheit“
ständig unter Diskussion.) Bildlich wäre dies so auszudrücken, dass „Werte“
– und ihre „Wahrheit“ – von „oben“ kommen; nicht nur durch
gesellschaftliche Autorisation, sondern sogar vom „Himmel“, eben vom „Ideenhimmel“.
Denn, wie das Geld und das gesellschaftliche „Ich“ als gemeinsames
Gattungswesen – als eidos oder „Idee“
– sich selbst identisch bleibt, erscheinen alle diese Momente als Inkarnation
eines „wahren“, transzendenten Prinzips, vielleicht sogar religiös bedingt
als die eines Gottes.[4]
Neben dem dialektischen
Widerspruch zwischen Goldgehalt und Prägung, zwischen [M*] und [M!], kommt hier ganz handgreiflich
ein zweiter Widerspruch hinzu, und zwar der zwischen Vorderseite und Rückseite
der Münze. Ihre eine Seite weist auf die Geldfunktion am Markt hin, die andere ist aber von dem Bildnis des Herrschers oder einem
anderen gesellschaftlichen, bzw. institutionellen und staatlichen Logo geprägt.
Hier taucht eine ganz neue Subjektivität auf, die wohl ursprünglich nichts mit
dem Tauschgeschehen zu tun hatte: der Herrscher oder der Staat.[5]
20. Dazu ist noch zu bemerken, dass Prägung reale, explizite Selbstreferenz
bedeutet; durch sie sagt das Geld selbst „was es ist“. Die Münze sagt z.B.
selbst „Ich bin 1 € wert,“ oder einfach: „Ich bin ich.“ Hier mag das
erste „Ich“ in beiden Ausdrücken (Satzsubjekt) für [M*] stehen, das zweite
„ich“ (Prädikativ), bzw. „bin 1 € wert“ (Prädikativ oder Satzobjekt)
für [M!] – und diese sind natürlich klar zu unterscheiden.
Durch das Münzgeld als ökonomisches Messmittel [M!] (Maßstab der
Preise) ist der Wert semantisch benannt worden; er hat den Namen, z.B. M,
bekommen (Euro, Dollar, Krone usw., oder Bruchteile davon, Cent, Øre, usw.).
Durch [M!] = nM „sagt“ die Münze
nicht nur, was sie ist; sie gibt gleichzeitig den numerischen Wert ihrer Größe
an – insofern sie eben nicht lügt!
Es ist auch zu bemerken, das diese Wertform V nicht denkbar wäre, wäre sie nur durch eine Menge polarer
Individuenpaaren etabliert. Das gäbe dann immer noch nur die additive
Darstellungsform. Um die endgültige additive & multiplikative Wertform V zu
etablieren, war eine kompetente gesellschaftliche Instanz benötigt, obwohl
diese Kompetenz doch unsicherer Herkunft ist und eben deshalb immer unter
Diskussion steht und sich so auch zu verteidigen hat.
Was Münzen als Maßstab der Preise [M!] angeht, so ist der nominelle
Geldwert durch die benannte Zahl nM
angegeben, wobei M die Münzart (nach Metallgewicht, Reinheit usw., „Währung“),
die autoritativ gegebene Maßeinheit, und n
ihre Quantität, Anzahl der betreffenden Münzen (oder Teile davon). Der
benannte Wert [M!] = nM ist
somit semantisch bestimmtes Maß. In der „nackte“ Form nM
tritt Geld eben als Rechengeld auf (z.B. in der Buchhaltung). So können
wir auch schreiben:
!G/Î( [M*]
& nM) Û
ØG/Î [M*]
Ù ØG/Î nM
(zu lesen: Geld ist gleichzeitig Maß der Werte und Rechengeld, wenn und nur
wenn Geld nicht nur eine dieser Funktionen ausübt) oder vielleicht – da dieses Rechengeld sich ebenso auf
die Wertform [M!] als Maßstab der Preise bezieht – sogar als Tripple (vgl. Einleitung;
siehe aber auch Ausblick Pkt. 5):
!G/Î( [M*]
& [M!] & nM) Û
ØG/Î[M*]
Ù ØG/Î[M!] Ù ØG/Î nM.
Wie immer ist es die wirkliche Funktion des Geldes unter den gegebenen
Bedingungen, die es entweder „akzeptabel“ macht oder nicht, also „nicht-falsch“
oder eben „falsch“. Es ist aber hier ein Paradox eingetreten: auf der einen
Seite erhebt das Geld den Anspruch, institutionalisierte „Wahrheit“ auszudrücken,
andererseits kann diese „Wahrheit“ in glatter „Falschheit“ negiert
werden.
Wir bemerken dabei, dass die Biimplikation {[Wi] = [M!]} Û {[M!] =
[Wi]} reversibel ist (wie z.B. in den Wertformen II und III ausgedrückt).
D.h., wir können das Gleichheitszeichen in beiden Richtungen lesen, wenn nur
der Beobachter seinen Standort wechselt. Dagegen sind die selbstreferentiellen Ausdrücke [M!] = nM, bzw.
[M*] = nM
irreversibel – wo eben die Form [M!] explizit auf
die Form [M*] hinweist – und nM sowohl [M!] und [M*] repräsentiert
– eben nicht umgekehrt. Die Existenzform des Geldwerts (wobei wir hier
die Zeichen ! und * auslassen können, um einfach [M] zu schreiben) ist nach
Aristoteles eben die abstrakte „Substanz“, deren Akzidensien ihre
verschiedenen Größen (durch nM
ausgedrückt) sind, das „wie viel“. So ließ Aristoteles einfach das „akzidentelle“ (als [M!] gegeben)
unmittelbar „[M*]-substantiell“
erscheinen – und das „[M*]-substantielle“
umgekehrt als „[M!]-akzidentell“
erscheinen (Organon, vgl. Einleitung).
21. Als Konsequenz dieser Wertformanalyse hat sich eine kategoriale
Nichtidentität des Geldes als Maß der Werte und Maßstab der Preise ergeben,
[M*] ¹ [M!], auf die auch Marx hinweist. Diese Nichtidentität
fordert jedoch eine eigene Untersuchung. Ich möchte hier auf das Buch Essays
on Individualism. Modern Ideology in Anthropological Perspective von Louis
Dumont (1986) hinweisen. Er gibt hierin eine Darstellung von
hierarchischen Verhältnissen, die in wesentlichen Punkten mit dieser Form von
Nichtidentität übereinstimmt. Diesem Buch wollen wir für das, was Dumont „hierarchische
Komplementarität“ nennt, eine relevante Formel entnehmen die wir hier mit
einem
angeben könnten.
Oben sind wir konsequent von den beiden Implikationen (A
B) Þ (A º B) Þ [A] =
[B] ausgegangen, um Identität kategorial zu definieren. Am Ende haben wir aber
trotzdem, eine Nichtidentität [M*] ¹ [M!] zu berücksichtigen bekommen. Deshalb müssen wir
auf die aus Dumonts Buch gewonnene Formel zurückgreifen. Diese Formel wäre
allgemein im Gegensatz zu den vorigen Implikationen so zu schreiben:
{(A
B) Ù
([A] ¹
[B])} Þ
([A]
[B]).
Damit will Dumont ausdrücken, dass die eine oder andere
dieser bewerteten Funktionen A oder B die ranghöhere ist. Auf unsere Analyse übertragen
könnte dies bedeuten, dass entweder [M*] oder [M!] als die ranghöhere Form
einzuschätzen sei. Das würde dann eben vom aktuellen Zusammenhang abhängen.[6]
Geht es, um mit Marx zu sprechen, um „Maß der Werte … als die
gesellschaftliche Inkarnation der menschlichen Arbeit,“ dann wäre die Form
[M*] als die ranghöhere einzuschätzen. Dies würde den Formeln (8)
und (9a)
entsprechen, wobei wir dann [Wi] = [M*] schreiben würden. Ginge es
dagegen um den „Maßstab der Preise als festgesetztes Metallgewicht“, dann wäre
eher die Form [M!] wie in (9b) als ranghöhere einzuschätzen. Der Unterschied
liegt also nicht in den Münzen als solchen, er ist nicht „objektiv“ real,
sondern nur kategorial bestimmt durch den gesellschaftlichen Zusammenhang, worin
sie gefragt werden (was dann wieder auf besonderen Entscheidungen beruhen kann).
Marx hat sich also soweit wie möglich mit der Form IV genügt. Es wäre
nochmals zu fragen, warum? Gewiss, er war erklärter Materialist, hat jede
ausgeprägt subjektivistische Argumentation abgelehnt, vielleicht auch um sich
nicht ganz in die bekannten Paradoxien jeder Selbst-Referenz zu verlieren. Ein
solches sozusagen Epimenidisches Paradoxon, in der der Kreter Epimenides selbst
sagt, dass „Kreter immer lügen,“[7]
hätte ja hier leicht entstehen können, wäre z.B. die Gorthy-Münze mit „Ich
bin nicht Gorthy’s Münze“
beschriftet worden (oder einfach ein „Ich-bin-nicht-ich“).
In unserem Zusammenhnag wäre das z.B. der Fall, wenn die Münze
„gesagt“ hätte: „Als [M!] bin Ich nicht [M*]“ oder einfach „Ich bin
nicht nM wert.“ In
der Tat, so was wäre undenkbar; Negation einer nominellen Selbst-Referenz ist
sinnlos (aber nicht real sinnlos, denn z.B. Papiergeld hat beinahe keinen
„Wert“). Und doch werden wir auf solche Probleme eingehen müssen, denn
schon die Nichtidentität [M*] ¹ [M!] lässt
ahnen, dass tatsächlich solche Paradoxien leicht auftreten – ohne dass sie
sich einfach im logischen Sinne als „falsch“ abweisen ließe. Ein solches
Paradoxon wäre somit doch in Bezug auf die betreffende Gattungsexistenz
„falsch“ (was also nicht unbedingt auch logische Falschheit bedeutet, denn
die klassische Logik abstrahiert von jeder realen Gattungsdialektik).
22. Indem
wir aber bemerken, dass die dritte Geldform, das Rechengeld nM, im gleichen Maße zu den beiden anderen Geldformen [M*]
und [M!] in Beziehung steht und so beide quantitativ bestimmt, können wir
schließen, dass diese abstrakte Form nM
in der Tat das verbindende Moment der beiden anderen ist. D.h., haben wir erst
die Möglichkeit der kategorialen Nichtidentität [M*] ¹ [M!] desselben Geldes beachtet, so können wir diese eben
als den „daseienden Widerspruch“
des Geldes ansehen. Dann wäre aber die Frage nicht zu umgehen, wie dieser
Widerspruch aufzuheben wäre. Das wäre also nochmals die Witt-Hansensche Frage
der Generalisierung.
Daraus wäre aber zu schließen, dass genau dieses Rechengeld auch das
eigentlich vermittelnden Moment der Marktfunktion ist; nicht einfach das
handgreifliche Gold oder Geld als solches, nicht seine materielle Ausformung,
sondern eben diese semantisch-selbstreferentielle Existenzform des Geldes. Diese
ist es, die als Messzahl alle Preisbestimmungen, mehr noch, alle Messprozeduren
überhaupt abschließt. Diese Zahl ist das entscheidende der Markttransaktionen,
im Labor usw., nicht (unter normalen Umständen) das Goldstück selbst, die
Messlatte oder andere Messmittel, nicht ihre Prägungen oder andere
Beschriftungen, nur dass diese Form als Rechengeld nM
den Weg für jede zahlenmäßige Bearbeitung des Messergebnisses öffnet.
23. Haben wir also erst die genannte Zahl nM
gewonnen, ist die Messung (z.B. Preissetzung) erledigt; das Resultat
bleibt dann irreversiblerweise stehen (z.B. auf Papier geschrieben), auf
Menschen (Beobachter) besonders bezogen, ganz unabhängig davon, was andere
weiterhin damit machen möchten. Anders ausgedrückt: Der
Wert (sei es der ökonomischen Wert oder jeder andere durch Messung behauptete
Wert) ist hierdurch auch als eine „ewige“, transzendente Existenzform
gesetzt, unabhängig von allen weiteren Ereignissen auf dem Markt, im Labor oder
wo sonst (vgl. dazu die Diskussion zu Platon in Einleitung).
Die Entscheidung des bewertenden und messenden Subjekt als das „Ewig“
setzende muss sich jedoch vor der betreffenden realen Gattungs-„Ewigkeit“
rechtfertigen und legitimieren. Kann er das nicht, bzw. lässt sich die
„Wahrheit“ seiner Maße nicht bestätigen, wird die Gattung sich früher
oder später als solche auflösen, zugrunde gehen.
Wir bemerken, dass mit dem Messergebnis nM diese Messzahl endgültig auch feststeht (vorausgesetzt „ehrlich“ und
„wahrheitsgetreu“ gewonnen), dass der Wert ein von allen materiellen
Eigenschaften der Waren (oder anderer Messobjekte) wohlunterschiedenes
Moment darstellt. Das ist bei der Geldform V erreicht, was jedoch eben nicht
bei der Marxschen Geldform IV der Fall war.
Mit der Geldform V
ist das Abstraktionsverfahren abgeschlossen. „Wert“ ist als objektives
Moment der Sache abstrahiert und von allen subjektiven Momenten im Bewusstsein
der Beobachter und Akteure befreit (hat aber doch „Bedeutung“ für
die Menschen in ihrer gegenseitigen Bezogenheit). Diese Trennung ist – als
„reale Metaphysik“ – dadurch gesichert, dass die Abstraktion unmittelbar
handgreiflich geworden und dinglich dargestellt ist, durch die eingeprägten Münzen
und andere Messmittel [M!] –
und zwar numerisch als nM
registriert.
Gleichzeitig bemerken
wir, dass mit jeder nM-Registrierung ein gewisser Sinnverlust eintritt.
Im allgemeinen Messergebnis wird von der eigentlichen Bedeutung des Geldes als
Maß der Werte [M*] abstrahiert, eine Bedeutung, die noch in der Marxschen
Wertform IV klar enthalten ist, die eben, wie wir gesehen haben, für das ganze
Marxsche Begriffssystem entscheidend ist. Im alltäglichen Geldgebrauch ist ein
solcher Sinnverlust jedoch nicht zu vermeiden; Operieren mit Zahlen ist
Grundlage aller modernen Wissenschaft, Mathematik, Administration usw. (und
macht sich gerade als Sinnverlust bei Geldkrisen, Fehlplanungen usw. klarerweise
bemerkt, vgl. dazu Kap. III.22). Auch in dieser Perspektive gesehen ist es verständlich,
dass Marx diese Wertform V entgangen ist; er hat zwar ihre Konsequenzen
eingesehen, diese in der Tat auch in aller Deutlichkeit dargestellt, ohne aber
im Stande zu sei, diese auch formal durchzuleuchten.[8]
Zum
Schluss ist natürlich zu konkludieren, dass die Geldform IV, wie Marx meinte,
eine besondere Warenform darstellt, während jedoch umgekehrt – in schroffem
Gegensatz zur Meinung Marxens – das fertige Münzgeld (Form V) keine Ware ist.
24. Wir schließen weiter aus dieser ganzen Darstellung,
dass die reale Existenz solcher [M!]-Dinge mit ihrer institutionalisierten
Bedeutungen die notwendige und auch hinreichende Bedingung für eine
„metaphysische Ontologie“ ist (wie z.B. die von Aristoteles). Erst dadurch
wurde die „Wissenschaft“ der Ökonomie sowie alle anderen messenden
Wissenschaften (Physik, Chemie usw.) möglich – eben weil diese schon „reale
Metaphysik“ darstellen. Diese enthalten nämlich alle schon voraussetzungsgemäß
das Moment, das die ursprüngliche Entscheidung Abstraktion impliziert, gleichgültig
wie auch immer diese Entscheidung praktisch getroffen wird. Entscheidungen sind
eben als solche der eigentliche metaphysische Grund von allen, was den Menschen
als wahrheitstreu real („objektiv“) Gegebenes erscheint; als solches ist
dies überhaupt Bedingung ihrer Möglichkeit als Gattung. Als solches
widerspiegelt sich alles Gegebene ins Gattungsbewusstsein, so dass sich –
durch die (relative) „Ewigkeit“ dieses eigenen Gattungslebens – seine
„Wahrheit“ (sozusagen „apriorisch“) schon bestätigt hat.
Endlich, was schon als eines der Ziele dieser Arbeit vermerkt wurde, ist
damit auch der philosophische Gegensatz von Materialismus und Idealismus
(Spiritualismus) aufzuheben.
Diese „reale Metaphysik“ umfasst also alle Sachen und Ergebnisse, von
denen wir überhaupt reden können, indem wir von ihnen Sätze mit Subjekt und
Prädikat formulieren. Diese Sachen müssen deshalb von uns schon genannt
werden; wir müssen sie schon – z.B. als Steine, Pflanzen, Tiere usw. –
„substantiell“ & „akzidentell“ kennen. Das kann natürlich nicht
auch umgekehrt bedeuten, dass es in der Welt überhaupt nichts geben könnte,
das uns unbekannt ist. Schwarze Löcher hat es wohl immer gegeben; erst aber in
den letzten Jahrzehnten hat man sie „entdeckt“, also Existenz zugemessen
(weil sie offenbar auf gewisse voraus bekannten kosmischen Phänomene Einfluss
hatten), ihnen einen Namen gegeben und somit angefangen, ihre möglichen
Eigenschaften zu diskutieren.
[1]
Diese Präzisierung macht Marx nicht in gleicher Weise:
„Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welche immer
seine Form seine gesellschaftliche Form sei.“ (S. 50)
[2]
Siehe dazu Alfred Sohn-Rethel: Geistige
und körperliche Arbeit (1972).
[3]
„Andere“ ist aber immer noch individualistisch als Einzelperson(en)
gedacht, nie als ganzes Kollektiv.
[4] „Für eine Gesellschaft, deren allgemein gesellschaftliches
Produktionsverhältnis darin besteht, sich zu ihren Produkten als Waren,
also als Werten, zu verhalten und in dieser sachlichen Form ihre
Privatarbeiten aufeinander zu beziehn als gleiche menschliche Arbeit, ist
das Christentum mit seinem Kultus des abstrakten Menschen, namentlich in
seiner bürgerlichen Entwicklung, dem Protestantismus, Deismus usw. die
entsprechende Religionsform.“ (S. 93) Hierzu ließe sich auch das
Evangelium von Johannes zitieren (I,1): „Am Anfang war das Wort, und das
Wort war bei Gott, und das Wort war Gott,“ und weiter (I, 14): „Und das
Wort wurde Fleisch und .... und wir sahen seine Herrlichkeit...“ Wir sehen
hier deutlich die Analogie der ökonomischen und religiösen Kategorien
derselben Kultur.
[5]
Hierzu weiter im Dialog am Ende des Kap. V.
[6]
Dumont weist u.a. auf das frühmittelalterliche Problem,
ob der König (Staat) oder der Papst (Kirche) als ranghöhere Instanz
einzuschätzen wäre. Galatius meinte, in weltlichen Sachen sei der König
der ranghöhere, da galt sein Recht; in geistlichen Sachen die Kirche, da
galt das kirchliche Recht.
[7]
Dieses Paradoxon ist in zahlreichen Varianten bekannt, so
z.B. in einer der Russelschen Formulierungen von Dorfbarbier, der alle die
zu rasieren hat, die sich nicht selbst rasieren. Soll er also sich selbst
rasieren?
[8]
Als Musterbeispiel eines solchen Sinnverlusts kann Newtons
epochemachenden Berechnungen zur Gravitation gelten. Das einzige, was Newton
zu seinem großen Ärger nicht
sagen konnte, das jedoch für ihn den ganzen Sinn der Sache war, war was
Gravitation in Wirklichkeit ist.